Meyer, Carla
Die Stadt als Thema: Nürnbergs Entdeckung in Texten um 1500 — Mittelalter-Forschungen, Band 26: Ostfildern, 2009

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2.2. Stadtchronistik als »Identitätserzählung<

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Eingang, so etwa auf Folio 504 verso ein Bericht aus Venedig vom 14. Oktober
15(24?) über die bourbonischen Kriegseinfälle in Savoyen und der Lombardei
oder auf Folio 393 recto ein Abriss über die Wahl und Krönung der deutschen
Könige und Kaiser zwischen 1400 und 1452, von Scheurl selbst geschrieben.^
Auch die weiteren von Scheurl angelegten Sammelbände, so ergibt die kur-
sorische Durchsicht, wurden nach demselben Schema angelegt. Dass er diese
Bände nicht als einzelne und abgeschlossene Werke betrachtete, sondern als
zusammenhängendes System gleich gearteter und aufeinander bezogener Auf-
zeichnungen, zeigt ein Verweis im Codex H von seiner Hand (auf Folio 132 ver-
so) auf einen anderen Band in seinem Besitz: Was weiter von HaHern di dernaed
geMoigf da&en, / gescdri&en stet, das SMcd in einen; andern pned. Nendicd P/intz / iny
und Scdnrsfad pned No. 279ybiio 263.
2.2.5. Hochzeiten, Taufen, Todesfälle
Die Abschrift, unter der Scheurls gerade zitierte Notiz geschrieben steht, tra-
diert auf über 80 Seiten (Folio 88 recto bis 132 verso) eine der beiden erhaltenen
großen genealogischen Arbeiten Hans (II.) Hallers, die alle Abkömmlinge der
Haller in agnatischer und kognatischer Linie verzeichnet. Weiter vorn im Col-
lectaneenband (Folio 12 recto bis 51 recto) hatte sich Scheurl auch Hallers zwei-
te Schrift über alle zu seiner Zeit - dem letzten Viertel des 15. Jahrhunderts -
lebenden Angehörigen der Nürnberger Geschlechter insgesamt besorgt.^ Ihre
Bedeutung wird noch durch ein in den vorderen Innendeckel eingeklebtes In-
haltsverzeichnis unterstrichen, durch das die darin auf genommenen Familien
auf einen Blick übersehen und sofort die entsprechende Foliozahl gefunden
werden konnte.^"

ger Reichstages in den Jahren 1523 und 1524, die beide als Aufzeichnungen Christoph (II.)
Scheurls gelten.
268 Im Vergleich zu anderen Collectaneenbänden aus Scheurls Besitz sind im Codex H nur weni-
ge seiner umfangreichen Korrespondenzen tradiert. Vermutlich auch deshalb wurden beide
dort überlieferten Briefe von Scheurl (fol. 477r-v, 550r-v) nicht in der zweibändigen Edition
der Briefbücher Scheurls von Franz Frh. von Soden und Joachim Karl Friedrich Knaake be-
rücksichtigt.
269 SCHNEIDER, 2000a, S. 185, würdigt sie als »Bemühung um vollständige, matrikelartige Erfas-
sung des Nürnberger Patriziats«, die im Zusammenhang mit der gleichzeitigen Abschließung
desselben gesehen werden müsse.
270 Haller berücksichtigte in seinem Überblick über die Nürnberger Geschlechter nicht nur patri-
zische Familien wie die Tücher (fol. 28r-29v), sondern auch die Familie Christophs (II.), die
Scheurl (50v), die Familie Schedel (46r), in die die historiographisch interessierten Arzte Her-
mann und insbesondere Hartmann geboren wurden, und die Familie Schreyer (50v), deren
herausragendster Spross Sebald ebenfalls ein großer Förderer von Arbeiten zur Stadtgeschich-
te war (Die Deisler (42v-43r) und Sachs (50r) hingegen sind nicht mit der Verwandtschaft
des Chronisten Heinrich Deichsler und des Meistersängers Hans Sachs zu verwechseln). Eine
spätere Abschrift dieses Verzeichnisses findet sich in der Handschrift J.H.Msc.Hist.62 in der
Staatsbibliothek Bamberg, vgl. dazu oben Anm. 404, s. auch schon Die Nürnberger Bürger-
bücher, Bd. 1: Die Pergamentenen Neubürgerlisten 1302-1448, hg. vom Stadtarchiv Nürnberg,
Nürnberg 1974 (Quellen zur Geschichte und Kultur der Stadt Nürnberg 9), S. 467
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