Meyer, Carla
Die Stadt als Thema: Nürnbergs Entdeckung in Texten um 1500 — Mittelalter-Forschungen, Band 26: Ostfildern, 2009

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2. Nürnbergs verschiedene (Er-)Fassungen

habe, dagegen vorzugehen/' ' Die Erklärung, sowohl Fürsten, Grafen, Städte
wie auch Herren seien seinem Aufruf in großer Zahl gefolgt/^ knüpft wieder
bei den Anfangszeilen der Reimrede an: Im Jahr 1504, so heißt es dort, do was
am gasc/waz m DazifscJz/anzf, da habe sich ade waÜ zum Kampf gegen den Pfalz-
grafen bei Rhein gerüstet.^ Erst nach dieser Einführung also, die gekonnt die
Rechtmäßigkeit wie auch die Einmütigkeit der razc/is g/zzfar bei ihrem gemein-
schaftlichen Vorgehen gegen den widerspenstigen Pfalzgrafen heraushebt/^
kommt Hans Schneider auf Nürnberger Reaktionen im Mai und Juni 1504 zu
sprechen, mit denen sich die Reichsstadt ihr Stück vom pfälzischen Kuchen
abzuschneiden gedachte. Nicht nur Neumarkt, auch Altdorf sei im übrigen
ganzybzzidsdzg gewesen, so erklärt Schneider. Trotzdem kann der Dichter letzt-
endlich über den Triumph der Nürnberger berichten: Dazn sc/zza^azz mag dz dz
/zd/iw zzzc/zf, so resümiert er und stellt fest, dass sich die Stadt am Ostermontag
ergeben habed^
Im Urteil Hans Schneiders wie auch des anonymen Neumarkters wird ein
weiteres Mal deutlich, dass diese Kämpfe auch mit verbalen Waffen ausgetra-
gen wurden. So seien zwar der Eroberung von Lauf erbitterte Kämpfe voraus-
gegangen, wie Schneider berichtet. Trotzdem habe der Nürnberger Rat aber
die Besiegten geschont und eine Lynchjustiz durch die Truppen verhindert.^
Hersbruck und Reicheneck dagegen seien so weise gewesen und hätten sich
gleich ergebend^ Schneider nimmt diese Gelegenheit zum Anlass, der dorti-
gen Bevölkerung die Gnade und Zuverlässigkeit der neuen reichsstädtischen
Obrigkeit zuzusichern: wzr wand azzc/z züazzcMzc/z woznm &az / zzzzY (azh zmd gnof, zzzzY
hart zmd zmA"

2.3.7. Nürnberger »Genreszenen«
Im Gegensatz zu Hans Rosenplüt fünfzig Jahre zuvor gehörte Hans Schneider
nicht zu den aktiven Kriegsteilnehmern. Seine Augenzeugenschaft beschränkt
sich daher auf die umfangreichen Rüstungen innerhalb der Stadt. Ausführ-
lich beschreibt und lobt Schneider das stattliche Aufgebot, das die Nürnberger
zusammenstellen: da /zaf amar yasadazi sam ütsfA' Zuerst berichtet er über die

413 Ebd., V. 37-46, Mer V. 42f.
414 Ebd., V.45f.
415 Lil. 2, Nr. 235, V. 3, V. 7.
416 Ist Schneiders Verszeile wie rccizZ er dat, das la/i lad sein (Lil. 2, Nr. 236, V. 12) als implizites Einge-
ständnis zu werten, dass die Erbansprüche des Pfalzgrafen Ruprecht dem Dichter doch nicht
völlig abwegig erschienen?
417 Lil. 2, Nr. 236, V. 278-313, Mer V. 281, V. 287, V. 303f. Schneider beschließt den Auszug mit den
Worten do ZMg wir da Im aa/weder desedald (V. 313). Doch statt eines Berichts über die Nürnber-
ger Niederlage vor Neumarkt folgen nur noch ein Lob Gottes, der Nürnberger Hauptleute,
reisigen Knechte und Büchsenmeister sowie die Autornennung und Widmung an den Rat
(V. 314-326).
418 Ebd., V. 237-257.
419 Ebd., V. 253-259.
420 Ebd.,V.260f.
421 Ebd., V. 48.
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