Bock, Nils
Die Herolde im römisch-deutschen Reich: Studie zur adligen Kommunikation im späten Mittelalter — Mittelalter-Forschungen, Band 49: Ostfildern, 2015

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Die Entstehung des Heroldsamtes

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4.4 Aufnahme von Herolden an den Höfen des Reichs ab der Mitte des
14. Jahrhunderts
Nach der Analyse der holländisch-hennegauischen Rechnungsbücher und des
Marienburger Tresslerbuchs wird im Folgenden der Raum östlich des Rheins
zu beschreiben sein. Vor der bereits erwähnten Verwendung des Heroldsbe-
griffs in einem Gedicht des Peter Suchenwirt aus dem Jahr 1367 lässt sich kein
früherer Beleg ausmachen.459 Zehn Jahre nach dem ersten Gebrauch des He-
roldsbegriffes setzt in dem Raum östlich des Rheins eine nunmehr durchgän-
gige Tradition ein, deren nächste Zeugnisse den wichtigsten Wirkungsort des
Peter Suchenwirt betreffen: Wien.460 Dort sind zwei Herolde mit den Amtsna-
men Tirol und Steierland belegt, die als patronisierte Herolde der österreichi-
schen Herzoge Leopold III. und Albrecht III. identifiziert werden können.
Dieser Befund zeigt, dass mit der Übernahme des Heroldsbegriffs in die deut-
sche Sprache, auch die Adaptation eines Konzeptes einherging, da die Herolde
nur mit ihrem Vornamen und der Amtsbezeichnung aufgeführt wurden. Die-
se Namens Verbindung findet sich sonst für Mitglieder etablierter Berufs grup-
pen. Auf diesen Statuswechsel vom Fahrenden zum Familiar einhergehend
mit der Übernahme des Heroldsamtes werde ich im folgenden Kapitel noch
näher eingehend61
Die Etablierung des Heroldsamtes östlich des Rheins in der zweiten Hälfte
des 14. Jahrhunderts lässt sich auch für das Rechnungsjahr 1392/93 im Liber
rationis des Walfard Heltampt nachvollziehen. Hier wie in allen deutschen
Rechnungen wurde die Vergabe von Geschenken an die Herolde in einer ge-
meinsamen Rubrik mit den fahrenden Leuten verzeichnet, die im vorliegen-
den Fall Nota Varenden laeuten lautet. Andere Kategoiren können hinzutreten,
wenn die Ausgaben einem bestimmten Zweck wie Zehrung oder Botengängen

gelt geben. Ebd., S. 68. (1403) Item 1 m. Frundechin dein heroide. Ebd., S. 254. (1407) Item 1 fird.
Frundichin des lantkompthurs von Ostirrich loufer gegeben von des groskompthurs geheise; Hartung
his am montage noch Misericordia domini. Ebd., S. 424. (1409) Item 3 m. Sajnen dem heroide; Thy-
mo his geben. Ebd., S. 524-525. (1409) Item 2 m. Sajnen dem heroide. Ebd., S. 540. (1409) Hus-
kompthur zu Marienburg usgegeben, als der treszeler noch ostern of dem graben by Labyaw lag: zum
irrten 2 m. zwen herolden als Sajnen und Luczken. Ebd., S. 544. (1409) Item 4 m. Sajnen dem heroi-
de; Pauioel underkemerer his. Ebd., S. 572. (1405) Item 2 m. Romolt a/me heroide gegeben. Ebd.,
S. 360.
459 Vgl. oben Anm. 317.
460 Ein Hausverkauf des Suchenwirt und seiner Frau Ursula in Wien ist für das Jahr 1382 be-
kannt: Petrus Suchenwirt Vrsula uxor vendiderunt domum eorum sitam in der Churbawnerstrazz
prope domum Spannberger ex una parte et ex altera parte prope domum predicit Petri pro 71 libris
denariorum Leonhardo pictori Margarete uxori sue [...] debent pati [...] actum in vigilia nativitatis
Christi anno 82. Summa 71 denarii; altera vacat. Quellen zur Geschichte der Stadt Wien, 3. Abt.:
Grundbücher der Stadt Wien, Bd. 1, hg. von Franz STAUB, Wien 1898, Nr. 1463. Siehe auch
wie im Folgenden Christian Lackner: Hof und Herrschaft. Rat, Kanzlei und Regierung der
österreichischen Herzoge (1365-1406), München 2002 (Mitteilungen des Instituts für Öster-
reichische Geschichtsforschung. Ergänzungsband, 41), S. 164-165. Im Gegensatz zu den fol-
genden Herolden wird Suchenwirt nicht als Herold bezeichnet, was ein Indiz dafür ist, dass
er keiner war. So Achnitz, Gestörte Hochzeit.
461 Basis der Angaben zu den beiden Herolden bilden Einträge in die Grundbücher der Stadt
Wien, die weiter unten noch näher behandelt werden; vgl. unten Anm. 660.
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