Bock, Nils
Die Herolde im römisch-deutschen Reich: Studie zur adligen Kommunikation im späten Mittelalter — Mittelalter-Forschungen, Band 49: Ostfildern, 2015

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Eine besondere Ehrung erhielt der französische Wappenkönig Montjoie im Jahr
1502 von Maximilian I. Er wurde zum Ritter geschlagen und zum Grafen von
Ipsala (Provinz Edirne, Türkei) ernannt, weil er zwei Jahre in Konstantinopel
verbracht hatte. Den territorialen Besitz hätte er sich aber erstreiten müssen,
da die Grafschaft unter osmanischer Herrschaft stand. Die verliehene Aus-
zeichnung ist also als Ehrentitel zu verstehen, nicht als Verleihung materiellen
Besitzes. Neben dieser Auszeichnung bekam er einen Mantel des Königs, der
auf 600 rheinische Gulden geschätzt wurde. Für den Inhaber eines der heraus-
ragendsten Heroldsämter schien dies angemessen gewesen zu sein.665
5.3 Zusammenfassung
Die Entwicklung des Herolds vom Ausrufer beim Turnier zum vereidigten
Boten und vom fahrenden Hofunterhalter zum Familiären in kaiserlichen
Diensten, wäre ohne die Institutionalisierung des Heroldsamtes seit dem
14. Jahrhundert nicht möglich gewesen. Sie stellte zum einen die Möglichkeit
dar, das Verhalten und die Handlungen der Herolde mittels bestimmter Fak-
toren zu reglementieren und in einer Weise zu konditionieren, wodurch es für
andere Interaktionsteilnehmer vorhersehbar und erwartbar wurde. Zum an-
deren förderte sie die Anerkennung der Tätigkeit der Herolde erheblich. Die
große Bedeutung der Institutionalisierung für die Herolde im römisch-
deutschen Reich, wie in Westeuropa, ist an einer ganzen Reihe von Elementen
ersichtlich.
Die Betrachtung der hochmittelalterlichen Tradition der Boten öffnete ers-
tens den Blick dafür, dass die Sicherung des Vertrauens in den Überbringer
von Nachrichten und die Sorge um die wahrheitsgemäße Wiedergabe ihres
Inhaltes bereits vor der Botentätigkeit der Herolde problematisiert wurde.
Diese Beobachtung sensibilisiert für die Betrachtung der Amtsverpflichtungen
der Herolde. Zweitens lassen sich bereits erste Formen von Repräsentation des
Auftraggebers durch Boten beobachten, wobei gerade die Nähe zum Herrn als
Zeichen des Vertrauens zu bewertet ist. In diesem Zusammenhang entwickel-
te sich auch die Übergabe des Wappenrocks des adligen oder fürstlichen
Herrn an die ersten Herolde in ihrer Funktion als Boten, die erstmals um die
Mitte des 14. Jahrhunderts belegt ist. Für die spätere Aufnahme von Herolden
an adligen Höfen entscheidend waren weiterhin die Patronage als Instrument
der höfischen Integration Außenstehender und die Kultur der Höfe. Damit
war nicht nur eine Sicherung des Lebensunterhaltes der Herolde durch Über-
gabe von Geschenken verbunden, sondern auch die Deutung der Anwesen-

Petr Elbel: Wappenmarkt und Marktwappen. Diplomatische und personengeschichtliche
Überlegungen zum Wappenbrief König Sigismunds für Mohelno aus der Zeit des Konstan-
zer Konzils, in: Kaiser Sigismund (1368-1437). Zur Herrschaftspraxis eines europäischen
Monarchen, hgg. von Karel Hruza / Alexandra KAAR, Wien (u.a.) 2012 (Forschungen zur
Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters. Beihefte zu J. F. Böhmer, Regesta Imperii, 31),
S. 301-364. Für den Hinweis danke ich Prof. Dr. Jan Keupp (Münster).
Regesta Imperii XIV, Nr. 15896 und 15883. Melville, Fe roy d'armes de François und
Ders., ... et en tel estât.

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