Mitteilungen der Gesellschaft für vervielfältigende Kunst — 1887

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GALERIEWERK. NEUE FOLGE XII.



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TLS XII. Lieferung unseres Galeriewerkes
und zugleich als zweite Lieferung unserer seit
Neujahr 1887 lausenden, aus jährlichen drei
Heften beziehenden ersten Publicationsreihe, welche
grösseren Reproduktionen von Galeriebildern ge-
widmet ist, bringen wir zwei ansehnliche Blätter.
Der Stich der reizenden Darstellung „Die
Apfelschälerin" von Gerard Ter Borcli gibt eines
der anmuthigslen niederländischen Sittenbilder der
kaiserlichen Gemäldegalerie in Wien wieder. Hochst
einfach ist der Vorwurf; der ganze Reiz liegt in der
Aussuhrung. Eine junge Frau in hellgrauem Kleide
und in einer gelben, mit weissem Pelzwerk verbräm-
ten Jacke, deren Kopf bis an die Augen von einem
kapuzenartig unter dem Kinn geschlossenen schwarzen
Schleiertuche bedeckt wird, sitzt an einem einfachen,
mit einer blauen Decke behangenen Tisch, auf wel-
chem eine Schüssei Äpfel neben einem Leuchter
sleht, und ist aufmerksam damit beschästigt, einen
Apfel sür das zuschauende hübsche Kind zu schälen,
dessen blondes Köpfchen einen weit ausladenden
Federhut recht putzig trägt. An der dunklen Wand
des einfachen Gemaches hängt eine grosse Karte
von Europa mit der deutlich lesbaren Bezeichnung:
„Nova et acurata totius Europa"; im Vorder-

grunde rechts sleht auf dem Boden ein Korb, in
welchem ein weisses Tuch und ein grünes, gold-
geziertes Kissen liegen. Das sehr fein ausgeführte
Bildchen — es ist bloss 36 Ctm. hoch und 30 Ctm.
breit — befindet sich seit 1651 im Besitze des Wiener
Hofes, an den es Erzherzog LEOPOLD Wilhelm
von Brüssel gesendet haben dürfte; es erregte 1809
die Aufmerksamkeit der Franzosen, die es nach Paris
mitnahmen, von wo es 1815 in die kaiserliche Galerie
zurückkehrte. Burger schrieb es, wie Engerth in
seinem trefslichen Kataloge (Bd. II, Nr. 1308, S. 490)
erwähnt, dem Delster van der Meer zu, sür welche
Annahme keine genügenden Gründe vorliegen. Die
grosse Vollendung des Bildes und der gefallige
Gegenstand der Darsteilung liess es als dankbare
Vorlage für den Stich erscheinen, welcher denn
auch dem unseren Lesern bereits bekannten Stecher
F. Fränkel in Nürnberg durchaus gelungen ist.
In der „Amperlandschaft" von Ph. Roth führen
wir eine, trotz ihrer scheinbaren Einfachheit, recht
stimmungs- und wirkungsvolleLandschaftsstudie eines
jüngeren deutschen Künstlers vor, dessen Name ohne
Zweifel bald auch in weiteren Kreisen bekannt wer-
den dürfte. Am 10. März 1841 in Darmstadt geboren,
besuchte Ph. Roth die dortige Volksschule, empfing

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