Abb. [. Wenzel Hollar. Karl II. nach A. v. Diepenbeck (1650:51).
Abb. 2. Wenzel Hollar, Karl II. nach A. v. Diepenbeck (1660).
1649 entstandenen Gemälde geschaffen wurde. Der Kopf, der sich dort nach links wendet, ist so außerordentlich ähnlich,
daß er hier fast spiegelbildlich benutzt sein könnte. Sogar der weiße Kragen mit den zwei Troddeln stimmt überein. Die
Festlegung unseres Stichs auf das Jahr 1650 oder auf den Anfang des Jahres 1651 ergibt sich auch aus der Gesamt-
darstellung; er ist sicher zu Karls Krönung 1651 gefertigt worden, denn auf die Wiederaufrichtung des Königtums beziehen
sich ja die Unterschrift, besonders die vier Distichen, dann aber der aufsteigende Phönix. Die Darstellung links mit den
fliehenden Soldaten, Harpyien und der aus den Wolken kommenden, blitzeschleudernden Frauengestalt soll wohl die
Wiederherstellung der Ordnung versinnbildlichen, während die aufgehende Sonne und der Stern Symbole für den Ruhm
des jungen Königs sind.
Der zweite Zustand des Stichs (Abb. 2) zeigt nun auf der sonst aufgestochenen Platte einen veränderten Kopf. Alles
in dem Gesicht ist härter geworden, das Kinn prägt sich scharf aus, tiefe Furchen ziehen sich von der ebenfalls veränderten
Nase zum Mund und von den Augenwinkeln her über die Wangen. Die Augenbrauen sind dicht geworden, ein starker
Schnurrbart schmückt jetzt die Oberlippe, und auch die Haartracht ist anders. Die Haare fallen länger auf die Rüstung
herab und decken ein größeres Stück des Ordensbandes, an der rechten Schläfe ringelt sich eine Locke; überhaupt ist
die ganze Umrahmung der Stirn verändert worden, und über der Stirn legt sich das Haar flacher an, so daß hier auch
der Hintergrund dementsprechend umgewandelt wurde. Die einzige Veränderung, die sich sonst noch an der Platte wahr-
nehmen läßt, ist die jetzt lineare Ausführung des Sternes. In der Münchner graphischen Sammlung befindet sich jedoch
ein Exemplar dieses Stiches mit jugendlichem Kopf, das den Stern schon linear ausgezogen zeigt, freilich laufen dort
noch die ursprünglichen kleinen Linien mit ein, die bei unserem Blatt durch nochmalige Verstärkung der Hauptlinie kaum
mehr zu sehen sind. Es handelt sich also dort um eine Überarbeitung in der Zeit, die zwischen unseren beiden Blättern
liegt. Es ist nun wohl kaum nachzuweisen, wer diese Veränderungen am Kopf des Königs vorgenommen hat, Hollar oder
Caukercken keinesfalls, denn dazu sind sie viel zu roh. Leicht läßt sich dagegen feststellen, wann sie gemacht
wurden. Dazu muß man nur einen Augenblick auf die geschichtlichen Ereignisse eingehen. Karl wurde bereits am
3. September 1651 bei Worcester durch Cromwell geschlagen und floh nach Frankreich. Erst 1660 rief ihn das Parlament
zurück, er landete in Dover und zog am 29. Mai erneut als König in London ein. Um die Zeit erinnerte man sich wohl
auch des zur ersten Krönung geschaffenen Stichs, er war in seiner ganzen Anordnung jetzt wieder höchst aktuell, und
es lohnte sich, ihn erneut in den Handel zu bringen. Nur durfte natürlich nicht mehr der jünglingshafte König zu sehen
sein, sondern es wurden die nötigen Veränderungen gemacht, um den jetzt Dreißigjährigen darzustellen.
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Abb. 2. Wenzel Hollar, Karl II. nach A. v. Diepenbeck (1660).
1649 entstandenen Gemälde geschaffen wurde. Der Kopf, der sich dort nach links wendet, ist so außerordentlich ähnlich,
daß er hier fast spiegelbildlich benutzt sein könnte. Sogar der weiße Kragen mit den zwei Troddeln stimmt überein. Die
Festlegung unseres Stichs auf das Jahr 1650 oder auf den Anfang des Jahres 1651 ergibt sich auch aus der Gesamt-
darstellung; er ist sicher zu Karls Krönung 1651 gefertigt worden, denn auf die Wiederaufrichtung des Königtums beziehen
sich ja die Unterschrift, besonders die vier Distichen, dann aber der aufsteigende Phönix. Die Darstellung links mit den
fliehenden Soldaten, Harpyien und der aus den Wolken kommenden, blitzeschleudernden Frauengestalt soll wohl die
Wiederherstellung der Ordnung versinnbildlichen, während die aufgehende Sonne und der Stern Symbole für den Ruhm
des jungen Königs sind.
Der zweite Zustand des Stichs (Abb. 2) zeigt nun auf der sonst aufgestochenen Platte einen veränderten Kopf. Alles
in dem Gesicht ist härter geworden, das Kinn prägt sich scharf aus, tiefe Furchen ziehen sich von der ebenfalls veränderten
Nase zum Mund und von den Augenwinkeln her über die Wangen. Die Augenbrauen sind dicht geworden, ein starker
Schnurrbart schmückt jetzt die Oberlippe, und auch die Haartracht ist anders. Die Haare fallen länger auf die Rüstung
herab und decken ein größeres Stück des Ordensbandes, an der rechten Schläfe ringelt sich eine Locke; überhaupt ist
die ganze Umrahmung der Stirn verändert worden, und über der Stirn legt sich das Haar flacher an, so daß hier auch
der Hintergrund dementsprechend umgewandelt wurde. Die einzige Veränderung, die sich sonst noch an der Platte wahr-
nehmen läßt, ist die jetzt lineare Ausführung des Sternes. In der Münchner graphischen Sammlung befindet sich jedoch
ein Exemplar dieses Stiches mit jugendlichem Kopf, das den Stern schon linear ausgezogen zeigt, freilich laufen dort
noch die ursprünglichen kleinen Linien mit ein, die bei unserem Blatt durch nochmalige Verstärkung der Hauptlinie kaum
mehr zu sehen sind. Es handelt sich also dort um eine Überarbeitung in der Zeit, die zwischen unseren beiden Blättern
liegt. Es ist nun wohl kaum nachzuweisen, wer diese Veränderungen am Kopf des Königs vorgenommen hat, Hollar oder
Caukercken keinesfalls, denn dazu sind sie viel zu roh. Leicht läßt sich dagegen feststellen, wann sie gemacht
wurden. Dazu muß man nur einen Augenblick auf die geschichtlichen Ereignisse eingehen. Karl wurde bereits am
3. September 1651 bei Worcester durch Cromwell geschlagen und floh nach Frankreich. Erst 1660 rief ihn das Parlament
zurück, er landete in Dover und zog am 29. Mai erneut als König in London ein. Um die Zeit erinnerte man sich wohl
auch des zur ersten Krönung geschaffenen Stichs, er war in seiner ganzen Anordnung jetzt wieder höchst aktuell, und
es lohnte sich, ihn erneut in den Handel zu bringen. Nur durfte natürlich nicht mehr der jünglingshafte König zu sehen
sein, sondern es wurden die nötigen Veränderungen gemacht, um den jetzt Dreißigjährigen darzustellen.
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