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Mitteilungen der Gesellschaft für vervielfältigende Kunst — 1928

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https://doi.org/10.11588/diglit.6491#0015
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Es bleibt nun nur noch die Frage offen, ob Karl ü. in diesem Alter
so aussah, wie ihn der Stich zeigt. Daß dem so war, beweist der Ver-
gleich mit einem Stich des Jakob van Sandrart (Abb. 3). Er gibt den
König im i ivalen Medaillon als Brustbild nach einem Gemälde von Pieter
Nason. Auch hier haben wir die vom bewegten Leben sprechenden
Furchen im Gesicht, die hervortretende Nase, Schnurrbart und dichte
Augenbrauen. Das Haar ist über der Stirn ebenfalls flach behandelt, ja
sogar die Locke an der rechten Schläfe ist vorhanden. Es ist leicht mög-
lich, daß wir hier das Vorbild für die Umänderung der Hollar-Platte zu
suchen haben; nur ist das Kinn noch nicht ganz so scharf ausgeprägt,
wohl einBeweis dafür, daß derKönig ein paarJahre jünger war, als das
Bild gemalt wurde.Man hat ja wegen dieses Porträts schon einen Auf-
enthalt Nasons in England annehmen wollen, doch hat er eben auf
Grund der Datierung Karl sicher in Holland porträtiert. Dieses Bild ist
übrigens auch das Vorbild für einen Stich des Cornelis von Dalen und
für einen Stich des Pieter Philippe. Dieses letztgenannte Werk ist aller-
dings Kniestück, doch ist dieArmhaltung reichlich ungeschickt,so daß
man wohl annehmen kann, es sei vom Stecher willkürlich ergänzt
worden.Es befindet sich in >Verhael in formeVan Journal, VandeReys
Ende't Vertoeven Van den Seer Doorchluchtige Ende Machtige Prins
Carel De II Koning Van Groot Britannien, etc. welche Hy in Holland!
gedaen-heeft, zedert den 25 Mey, tot den 2 Juny 1660« und wurde im
Jahre 1660, also auch im Krönungsjahr, bei Adrian Vlack imHaag ver-
legt. Auch hier ist die Ähnlichkeit außerordentlich groß, und so haben
wir damit einen erneuten Beweis dafür, daß unser Stich um diese Zeit
verändert worden ist. Gertrud Hirsch.

Eine unbekannte Mailänder Lithographie-Inkunabel.

Die Kenntnis der italienischen Frühlithographie hat sich seit Veröffentlichung1 der ersten Mailänder Inkunabeln
kaum erweitert. Von den Versuchen des Appiani-Schülers Giuseppe Bossi, der sich nach dem Bericht Don Giacinto Amatis
zugleich mit seinem Lehrer und mit Longhi in der Werz'schen Anstalt betätigt hatte, konnte auch bisher keine Spur
gefunden werden, und auch sonst erfuhren die wenigen Blätter, die als Drucke der Werz'schen Anstalt nachgewiesen
werden konnten, keinen Zuwachs. Zwei Lithographien Longhis, drei Lithographien Appianis, die »Festschrift« für Pietro
Moscati, die zwei lithographisch gedruckte Seiten enthält, und das anonyme Bildnis Bodonis2, also insgesamt acht Blätter,
waren das Ergebnis der Forschungen über die Mailänder Druckerei des Tirolers Werz. Daß diese acht Blätter nicht die
gesamte Produktion der Druckerei, die doch von 1807 bis 1809 in Tätigkeit war, darstellen können, ist gewiß. Aber
trotzdem ist es nicht unwahrscheinlich, daß sich von den Versuchen der Anstalt nicht viel mehr erhalten hat, da die
wenigen Zeugnisse der ersten lithographischen Druckereien ihre Aufbewahrung und Erhaltung überhaupt mehr dem
Zufall verdanken als einer systematischen Tätigkeit von Sammlern, die erst viel später den eigenartigen Reiz dieser ersten
schüchternen Versuche erkannten und sich der interessanten Dokumente aus der Frühzeit der neuen aufblühenden
Druck art annahmen. Die überwiegende Mehrzahl der frühen Versuche, die für die Geschichte des Ursprungs und Werde-
gangs der Lithographie von größtem Wert gewesen wären, ist verlorengegangen, und das Wenige, was sich erhalten
hat, ist auch dort, wo das Material wie in Frankreich und Deutschland reicher vorliegt, doch nur ein dürftiges Fragment,
aus dem sich das allmähliche Streben der Künstler nach dem Ausdruck und Sinn der Lithographie erkennen und die
Geschichte und Entwicklung der Inkunabeldruckereien mühsam wiederherstellen läßt.

In einer umfangreichen Sammlung von Lithographien, die die Wiener Kunsthandlung Artaria3 besitzt, über welche
demnächst ein Katalog erscheinen wird, befindet sich ein Blatt, durch das das lithographische Oeuvre Giuseppe Longhis und

1 Heinrich Schwarz, Unbekannte französische und italienische Lithographie-Inkunabeln in Wiener Sammlungen. Mitt d. Ges. f. vervielf. Kunst
1921. S. 34 ff. Seither erschien Leandro Ozzola, La I.itografia Italiana del 1805 al 1870. Roma, 1923. — Ein Irrtum, der die Deutung von Bergerets
Lithographie, Verzeichnis Nr. 1 betrifft, sei bei dieser Gelegenheit richtiggestellt: das Blatt stellt nicht den »Tod Homers (?)« dar, sondern das
Testament des Eudamidas und ist zweifellos durch das Gemälde Poussins (Grautoff Nr. 112) oder den Stich Jean Pesnes (R.-D. Nr. 29) nach dem
Gemälde, das sich zur Zeit der Entstehung der Lithographie im Musee Napoleon in Paris befand, angeregt. — 2 Auch das Bildnis Bodonis dürfte eine
Arbeit Appianis sein, der um dieselbe Zeit ein Porträt Bodonis malte, das von Erancesco Rosaspina gestochen wurde. — 3 Heinrich Schwarz a. a. O.
S. 42 3, Anmerkung 0.

Abb. 3. Jakob van Sandrart, Karl II. nach Pieter Nason.

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