Michaelis, Adolf [Hrsg.]
Der Parthenon (Text) — Leipzig, 1871

Seite: 61
Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/michaelis1871/0077
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
50. 51. SPON UND WHELER. OTIERES. 52. DIE BELAGERUNG VON 1687. 61

Ausstattung und erregte überall das grösste Interesse, wie die wiederholten Auflagen
und Nachdrucke beweisen; sie ward auch bald, nachdem die Erfolge der Venetianer
das Interesse für Griechenland neu belebt hatten, ins Italienische Holländische und
Deutsche übersetzt240), und verbreitete überall den wohlverdienten Ruhm ihres Ver-
fassers, der mittlerweile durch Ludwigs XIV" üragonaden oder durch die Aufhebung
des Edictes von Nantes aus der Heimat vertrieben und im Genfer Hospital im Elend
gestorben war (1685). Wheler gab seine Keisebesclireibung erst 1682 heraus, mit
sehr starker Benutzung Spons, dessen Werke er ausser botanischen Beobachtungen
einige richtig bemerkte Einzelheiten und eine Anzahl unglücklicher Anläufe zu Ge-
lehrsamkeit hinzufügte; wie' wenn er (S. 361) Pausanias Beschreibung der Attalos-
gruppen, unter vermeintlicher Berichtigung der Herausgeber, in den Metopen wieder-
erkennt, so dass nun Perikles nur die Cella erbaut, Attalos die — damals ja
freistehende — Säulenhalle, Hadrian endlieh bei einer Restauration die Giebel-
gruppen hinzugefügt haben soll! Nichts desto weniger ward auch dies Buch ins
Französische übertragen und öfter gedruckt247). Der Ruf dieser Werke, gesteigert
durch eine unerquickliche und für die Wissenschaft unnütze litterarische Fehde
zwischen Spon und Guillet24S), und andrerseits die glänzende Ausbeute der nointel-
schen Reise waren wohl die Veranlassung, dass französische Offiziere, welche unter
Leitung Graviers d'Otieres die Küsten der Levante zu militärischen Zwecken unter-
suchen sollten, auch auf die Alterthümer ihre Aufmerksamkeit richteten2411). So
entstanden im Jahre 1686 noch einmal Zeichnungen nach dem Partheiion. Die West-
seite mit dem Giebelfeld (Taf. VII, 6) und eine Anzahl Metopen (Süd XXVII—XXXII.
Nord B—Ei. Sind sie auch schlecht und allem Anschein nach theilweise aus dem
Gedächtnis skizziert, so ward doch namentlich die ganze nördliche Metopenreihe
hier zum erstenmale berücksichtigt. Vielleicht entstand damals auch eine grössere
Abbildung des Westgiebels (Taf. VII, 3) 2M).

Es war unmittelbar vor Thorschluss; andre als französische Ingenieure hätten 52
überhaupt kaum so ungestört diesen Studien obliegen können zu einer Zeit, wo ganz
Murea in Kriegsflammen stand und das Söldnerheer der Lagunenrepublik den Türken
eine Position nach der anderen entriss : die Zeit schien gekommen, wo der Musel-
mann Europa räumen sollte251). Die Türken begannen allmählich auch in Athen
sich unsicher zu fühlen und den Aufgang zur Burg besser zu verschanzen. Das
Tempelchen der Athena Nike war das erste Opfer: es ward abgebrochen und Block
für Block in die neue grosse Schanze vermauert. Zu gleicher Zeit sandten die
Griechen der unteren Stadt Boten an den allgewaltigen, schon seit Kandias heroi-
scher Vcrtheidigung (1669) hochberühmten Generalkapitän Francesco Morosini,
welcher seit dem Siege von Patras (24 Juli 1687) den Beinamen des Peloponnesiers
führte, und kündigten ihre Bereitwilligkeit an sich ihm zu unterwerfen. Am
9 August 1687 war Korinth von den Venetianern besetzt; am 13 September nahm

2U1) Laborde II, 27 f.

247) Ebda S. 41 ff. Laborde betont mit Recht Spons Originalität, beurtheilt aber Wheler allzu
geringschätzig.

m) S. darüber Laborde II. 2S ff.

*•*) Ebda S. 55 ff.
• *9 S. Absehn. II § 6.

S51) Auch hier hat Laborde II, 65 ff. ein reiches (luellenmaterial verarbeitet: ihm schliessf sich
die folgende Darstellung bis auf wenige Abweichungen an.
loading ...