Miethke, Jürgen / Lutzmann, Heiner [Editor]
Die Rektorbücher der Universität Heidelberg (Band 1): 1386 - 1410 (zugleich das erste Amtsbuch der Juristischen Fakultät) — Heidelberg, 1986-1999

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Vorwort

sich aber nicht ohne weiteres als Auftragswerk in Gang setzen, erst recht hätte niemand
den bedeutenden Wurf Gerhard Ritters schlicht „fortsetzen" können. Als eine ange-
messenere Aufgabe der Wissenschaftsorganisation erschien daher die Publikation
historischer Quellen, die jeder Darstellung und Untersuchung vorarbeiten kann. Peter
Classen, damals Ordinarius für mittelalterliche und neuere Geschichte, Mitglied der
Akademie seit 1968, Sekretär ihrer Philosophisch-Historischen Klasse von 1974 bis
1978, war es, der energisch daraufhinwies, daß ein wertvoller Bestand des Heidelberger
Universitätsarchivs bisher zwar immer wieder, auch von Toepke und Winkelmann,
herangezogen worden war, aber in seinem eigenen Zusammenhang nicht zur Geltung
kommen konnte, die Amtsbücher des Rektors und der Fakultäten. Diese hier so
genannten „Libri actorum universitatis", die im Falle der Rektorbücher (hier als iyActa
universitatis" bezeichnet) seit der frühen Neuzeit irreführend „Annales universitatis"
genannt wurden, stellen nach Gattung und Informationsgehalt eine hochwichtige
Quelle dar, enthalten sie doch Niederschriften, Rechenschaftslegungen, Aktenstücke,
eingehende oder ausgehende Briefe und überhaupt alle Texte, die der verantwortliche
Leiter, der Rektor für die Universität oder der Dekan für die Fakultät, für aufzeichnens-
wert hielt.

Solche Amtsbücher haben sich im Archiv der Universität Heidelberg in erfreulich brei-
tem Umfang erhalten. Naturgemäß eignen sich zunächst die ältesten Bände für eine
Publikation am besten, und darum wird jetzt mit dem ältesten Rektorbuch der
Universität auch der Anfang gemacht. Leider freilich, schon G. Toepke hat das darge-
legt (Bd. I, 623f.), hat sich das ursprünglich von dem Gründungsrektor Marsilius von
Inghen angefangene offenbar stattliche Papiermanuskript des ersten Rektorbuches von
mindestens 143 Folien, von dem in den Quellen bis zum 17. Jahrhundert die Rede ist,
nicht über den Stadtbrand von 1693 retten lassen; es muß als verloren gelten. Ein
glücklicher Umstand hat jedoch einen Großteil des Textbestandes bewahrt: Einer der
Dekane der Juristischen Fakultät des ersten Jahrzehnts des 15. Jahrhunderts hat in sein
Fakultätsbuch, das seit 1390 als Pergamentkodex geführt wurde, offenbar aus verschie-
denen Quellen wichtige Dokumente, Privilegien, Aktenstücke und Protokollnotizen
abschreiben lassen. Die Hauptquelle für seine Texte war unzweifelhaft das Amtsbuch
des Rektors, das in langen Auszügen somit zu einem Gutteil erhalten blieb. Dieses
Amtsbuch der Juristischen Fakultät wird hier in vollem Wortlaut vorgelegt.

Nach reiflicher Überlegung wurde darauf verzichtet, nur die eindeutig aus dem Rektor-
buch ausgezogenen Teile des juristischen Fakultätsbuches (fol. SS'-IOOO hier zu
präsentieren. Grund für diese Entscheidung war einmal die Unsicherheit darüber,
welche Stücke im Dekansbuch der Juristischen Fakultät schon unabhängig vom
Bestand des Rektorbuchs enthalten waren und daher bei der Kopie des Auszugs über-
gangen worden sind. Außerdem haben auch die Dokumente aus der Juristischen
Fakultät ein hohes eigenes Interesse. Daher haben wir uns entschlossen, der kom-
plexen Überlieferungslage entsprechend den vollständigen Band der Juristenfakultät,
so wie er uns vorliegt, dem Benutzer in die Hand zu legen. Was aus dem ältesten
Rektorbuch auf uns gekommen ist, wird jedenfalls damit in dieser Ausgabe präsentiert,
und zugleich hat der Leser das Dekansbuch der Juristischen Fakultät in Händen.
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