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Miethke, Jürgen [Hrsg.]
Geschichte in Heidelberg: 100 Jahre Historisches Seminar, 50 Jahre Institut für Fränkisch-Pfälzische Geschichte und Landeskunde — Berlin, Heidelberg [u.a.], 1992

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https://doi.org/10.11588/diglit.2741#0079
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Die neuzeitliche Geschichte im 19. Jahrhundert

Werner Giesselmann

Ein Bericht über die neuzeitliche Geschichte im 19. Jahrhundert in Heidelberg
wirft ein doppeltes Abgrenzungsproblem bezüglich des zu untersuchenden Perso-
nenkreises auf- Einmal wird das Fach Geschichte nicht nur von den Ordinarien ge-
lehrt, und bei einer Beschränkung auf sie müßten einige solide Reputationen und
sogar Zelebritäten unberücksichtigt bleiben. Zum anderen lassen sich die Neuzeit-
Historiker im 19. Jahrhundert noch nicht mit Sicherheit von ihren übrigen Kollegen
unterscheiden. Zwar zeichnen sich seit den 1860er Jahren erste Ansätze einer in-
stitutionellen Differenzierung zwischen neuzeitlicher und mittelalterlicher Ge-
schichte ab und verselbständigt sich gegen Ende der 80er Jahre die alte Geschichte.
Aber in ihrem Selbstverständnis und ihren Neigungen zeigen sich die Heidelberger
Historiker auch noch gegen Ende des 19. Jahrhunderts als Polyhistoriker und be-
grenzen ihre Forschungs- und Lehrtätigkeit nicht auf einen Teilbereich. Dieses
doppelte Abgrenzungsproblem läßt folgende Vorgehensweise geraten erscheinen:
An den Anfang gestellt wird eine prosopographisch-sozialbiographische Analyse
aller Heidelberger Geschichtsprofessoren, also Ordinarien, Extraordinarien und
Honorarprofessoren, die im ersten Jahrhundert nach den Reformen Karl Friedrichs,
genauer gesagt im Zeitraum von 1805-1907, das Fach Geschichte gelehrt haben.
Die sich anschließenden Untersuchungen wenden sich dann der geistig-politischen
Biographie, dem Denken und Handeln, zu und sollen das Wesen dessen bestim-
men, was man als die „politische Heidelberger Geschichtsschreibung" oder die
„Heidelberger Schule" bezeichnet hat Diese im engeren Sinne historiograpbie-ge-
schichtlichen Betrachtungen konzentrieren oder beschränken sich auf einige promi-
nente Neuzeithistoriker und gliedern sich in zwei Abschnitte, von denen der erste
sich auf die Jahre zwischen Restauration und Reichsgründung, die klassische Zeit
der politischen Historiographie, erstreckt, und der zweite die sich anschließenden
gut drei Jahrzehnte unter dem Gesichtspunkt möglicher Kontinuitäten und Re-
visionen des Geschichtsverständnisses und Geschichtsbildes behandelt. Es wird
also auf eine chronologische Aneinanderreihung von Individualbiographien ver-
zichtet und statt dessen versucht, anhand eines bestimmten Fragenrasters einen sy-
stematischen Längsschnitt zu ziehen.

Das Fach Geschichte ist im Zeitraum von 1805-1907 von insgesamt 29 Professo-
ren vertreten worden: 12 Ordinarien, 15 Extraordinarien und 2 Honorarprofesso-
 
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