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Mittheilungen des Museen-Verbandes als Manuscript für die Mitglieder — 1927

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https://doi.org/10.11588/diglit.35241#0026
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B Kunstbibliothek
staatliche Museen
zu Berlin

Diese Restaurationen unter Leitung und Aufsicht sachkundiger
Museumsorgane konnten geschickte Glasmaler geradezu zu routinierten
Fälschern erziehen. Das ist auch geschehen. Dazu kam, daß
auch die Anforderungen an die Technik neuer Glasgemälde in dem
Maße stiegen, als man darnach eiferte, es den alten Meistern gleich
zu tun. Dabei erstreckten sich diese Errungenschaften nicht nur
auf die ausübende Künstlerhand, sondern auch auf das Material und
dessen technische Behandlung. Anfänglich gab es mancherlei
Merkmale, die ohne allzu große Schwierigkeiten ermöglichten, neue
Zutaten aus den alten Beständen auszuscheiden. So wurden z. B.
von den früheren Meistern die farbigen Überfänge der naturfarbigen
Gläser, wenn man letztere mitbenutzen oder anderswie bemalen
wollte, der gewünschten Kontur nach mühsam ausgeschliffen. Sie
zeigten darum an diesen Stellen unregelmäßige, zerkritzte Ränder.
Neuerdings ätzt man sie mühelos mit chemischem Verfahren aus
und erzeugt infolgedessen glatte Ränder. Um aber über dieses
Verfahren hinwegzutäuschen, schleift man sie nachträglich rauh
und zerkratzt sie, wie dies früher ungewollt geschah. Einst wurden
die einzelnen Gläser zu den Formen, wie man sie brauchte, mit
dem Zahneisen mühsam abgekröst, heute werden sie mit dem
Diamant geschnitten, aber, um zu täuschen, nachträglich gekröst.
Die Bleiruten, mit denen man die einzelnen Glasstücke zum Bilde
vereinigt, zogen die alten Meister in besonderen Apparaten, heute
werden sie zwar ähnlich, aber mit besseren Hilfsmitteln hergestellt.
Noch bis vor 15 Jahren fiel es wenigstens dem Kenner nicht schwer,
die ursprünglichen Gläser zufolge ihrer Struktur von den neuen
zu unterscheiden. In der letzten Zeit ist die Technik in deren
Herstellung auch darin so weit vorgeschritten, daß dies kaum
geübten Glasmalern möglich wird. Die alten Glasgemälde zeigen
auf der Wetterseite einen durch die Einwirkung der Luft während
langer Dauer erzeugten, fluoreszierenden Überzug. Nun kann auch
dieser auf chemischem Wege mühelos hergestellt werden. So
kommt es denn tatsächlich vor, daß Fachleute und Techniker
nicht mehr immer imstande sind, mit voller Sicherheit bei gut
restaurierten Glasmalereien die neuen Bestandteile auszuscheiden.
Und doch gibt es einfache Mittel, welche dazu wenigstens einiger-
maßen die Hand bieten. Wohl lassen sich die neuen Gläser nach
Art der alten mit einer ihnen nicht nachstehenden Leuchtkraft
herstellen. Allein keine Glastafel, der die einzelnen Stücke ent-
nommen werden, ist bei gleicher Farbe in ihrer Struktur der
 
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