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„Die Minnelehre“, formal von den Pariser Elfenbeinen beeinflußt,
auf denen Amor auf Burg oder Baum mit Pfeil in der Hand
erscheint. Man vergleiche Koechlin, Les ivoires gothiques francais
1924 no 1068, 1071, 1079, 1105, 1148 und darauf die ‘schon
von Wilhelm Voege erkannte gleichzeitige englische Nachahmung
Nr. 1204a, eine durchbrochene Platte im Kaiser Friedrich-Museum,
Berlin, bei der Amor in die Höhe zwischen Spitzbögen gerückt ist.
Noch mehr schließt der stilistische Befund eine Fälschung aus.
Der Kavalier der Rückseite des Kästchens stürzt der Geliebten mit
der gleichen eckig die Glieder einknickenden Hast entgegen, wie
der auf Blatt 27 des sogenannten Braunschweiger Skizzenbuches.
Seltene kostümliche Details wie die Kopfbedeckung des Herrn rechts
vom Amorturm kehren auf einem der Berliner Kästchen ähnlich
wieder. Zur inhaltlichen Übereinstimmung der Inschriften ver-
gleiche Sigmaringen Rückseite:
ich mein dich in tr(y)we
das sol dich nit ger(v)we.
Berlin Quintanakästchen, linke Schmalseite:
dich - min - ich - in - trvwen,
dz - mag - dich - nit - zgervwen.
Ausschlaggebend ist natürlich der Oberflächenbefund, der in
Schnitzerei und Patina durchaus einwandfrei ist.
Bemerkt sei noch, daß nach einer alten Kaufnotiz in Sigma-
ringen dieses schon von Franz Bock inventarisierte Kästchen in
Mägdeberg, nordwestlich Radolfzell am Bodensee, in einem Grabe
gefunden sein soll. Das Kästchen gehört auch stilistisch an den
Oberrhein, wo es um 1400 entstanden sein muß. Höhe 10,5 cm,
Länge 19,5 cm, Tiefe 14 cm.
Bemerkung: Da ich beim Abschluß einer Arbeit über die
europäischen Minnekästchen des Mittelalters (13.—15. Jahrhundert)
bin, bitte ich die Leiter der von mir nicht besuchten Sammlungen
(Böhmen) um freundlichen Hinweis auf ihnen bekannte Stücke.
Dr. Heinrich Kohlhaussen,
wissenschaftl. Hilfsarbeiter am Museum für Kunst und Gewerbe
Hamburg.
3564. Steinerne Löwenkonsolen romanischen Stiles.
(Mitteilung bei der Züricher Tagung, 6. September 1926; vgl. Prot.
S. 6 Nr. IV und Archiv Nr. 1086 bis 1088.)
„Die Minnelehre“, formal von den Pariser Elfenbeinen beeinflußt,
auf denen Amor auf Burg oder Baum mit Pfeil in der Hand
erscheint. Man vergleiche Koechlin, Les ivoires gothiques francais
1924 no 1068, 1071, 1079, 1105, 1148 und darauf die ‘schon
von Wilhelm Voege erkannte gleichzeitige englische Nachahmung
Nr. 1204a, eine durchbrochene Platte im Kaiser Friedrich-Museum,
Berlin, bei der Amor in die Höhe zwischen Spitzbögen gerückt ist.
Noch mehr schließt der stilistische Befund eine Fälschung aus.
Der Kavalier der Rückseite des Kästchens stürzt der Geliebten mit
der gleichen eckig die Glieder einknickenden Hast entgegen, wie
der auf Blatt 27 des sogenannten Braunschweiger Skizzenbuches.
Seltene kostümliche Details wie die Kopfbedeckung des Herrn rechts
vom Amorturm kehren auf einem der Berliner Kästchen ähnlich
wieder. Zur inhaltlichen Übereinstimmung der Inschriften ver-
gleiche Sigmaringen Rückseite:
ich mein dich in tr(y)we
das sol dich nit ger(v)we.
Berlin Quintanakästchen, linke Schmalseite:
dich - min - ich - in - trvwen,
dz - mag - dich - nit - zgervwen.
Ausschlaggebend ist natürlich der Oberflächenbefund, der in
Schnitzerei und Patina durchaus einwandfrei ist.
Bemerkt sei noch, daß nach einer alten Kaufnotiz in Sigma-
ringen dieses schon von Franz Bock inventarisierte Kästchen in
Mägdeberg, nordwestlich Radolfzell am Bodensee, in einem Grabe
gefunden sein soll. Das Kästchen gehört auch stilistisch an den
Oberrhein, wo es um 1400 entstanden sein muß. Höhe 10,5 cm,
Länge 19,5 cm, Tiefe 14 cm.
Bemerkung: Da ich beim Abschluß einer Arbeit über die
europäischen Minnekästchen des Mittelalters (13.—15. Jahrhundert)
bin, bitte ich die Leiter der von mir nicht besuchten Sammlungen
(Böhmen) um freundlichen Hinweis auf ihnen bekannte Stücke.
Dr. Heinrich Kohlhaussen,
wissenschaftl. Hilfsarbeiter am Museum für Kunst und Gewerbe
Hamburg.
3564. Steinerne Löwenkonsolen romanischen Stiles.
(Mitteilung bei der Züricher Tagung, 6. September 1926; vgl. Prot.
S. 6 Nr. IV und Archiv Nr. 1086 bis 1088.)


