Verband Deutscher Kriegssammlungen [Editor]
Mitteilungen — Leipzig, 1919

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Llmfassende Kriegssammlungen
im Mhmen umfaffender Bibliotheken.

<Zine (Lrläuierung und eine Anregung.

Von Äiblioihekar Or. Oiio Glauning in München.

^6^ei dem kurzen Siegreifreferai, das ich auf der zweiien Tagung deuischer KriegSsammler
in Äerlin am 43. April diefes Zahres über die Organisaiion der öffenilichen KriegS-
sammlungen in Äayern hieli, habe ich für zwei unier den deuischen Kriegssammlungen eine
Sonderstellung in Anspruch genommen, nämlich für die Königliche Äiblioihek in Berlin
und für die K. Hof- und Siaaisbiblioihek in München. Nichi daß ste in ihrer Sammel-
iäiigkeii so viel erfolgreicher gewesen wären als andere Sammlungen, die ieils dasselbe
weiigesteckie Ziel anstreben, ieils in freier Beschränkung auf ein selbstgewählies Teilgebiei
anderen Aufgaben stch widmen. Was die beiden meinerMeinung nach vor ihren deuischen
Schwestersammlungen auszeichnei, ist der weiie Rahmen einer umfassenden Biblioihek, in
den ste ihre Kriegssammlung hineinstellen und der es ihnen ermöglichi, für die allseiiige AuS-
schöpfung ihrer Sammlungen durch die wissenschafiliche Forschung — und diese wird, wie
stcher zu erwarien stehi, nach dem glücklichen Abschluß des Krieges mii besonderer Lebhaftig-
keii einsetzen — günstigere Arbeiisbedingungen als anderswo zu bieien. Oie Wissenschafi
hai von jeher großen Fragen gegenüber das ckivicke et impera zum Grundsatz erhoben, und
an ihm wird ste erst rechi bei der allmählichen Lösung des so außergewöhnlich vielgesialiigen
problems „Welikrieg" festhalien müssen. Wie der Krieg nach und nach alle Zweige unseres
Volkslebens in seinen Wirbel gezogen hai, so wird man auch, wenn der Ciniriii des Friedens
einen Abschluß der stürmischen Ereignisse deö Welikrieges herbeigeführi hai, auf allen Ge-
bieien der Srforschung seiner Auswirkungen und der Lösung der durch ihn aufgeworfenen
und brennend gewordenen Fragen stch zuwenden. Dazu wird man des in den zahlreichen
Kriegssammlungen aufgespeicherien Schriftiums bedürsen, um durch seine Sichiung und
Verarbeiiung zunächst ein möglichst umfassendes und klares Liild davon zu bekommen, wie
die Oinge stch zugeiragen haben. Die dabei zu berücksichiigenden einzelnen Zweige unseres
Volkslebens haben zwar jedes für stch seine eigene Kriegsgeschichie erlebi, ste stnd aber dabei
doch von einander nichi so völlig scharf geschieden, daß ste nichi gebend und nehmend mii
den verschiedensten Nachbargebieien in lebhafier Wechselwirkung gestanden häiien. Äei der
engen Verknüpfung der Fäden dieses GewebeS wird schon für die beschreibende Oarstellung
des Welikrieges die umfassende Kriegssammlung vielfach den Vorrang vor der Teilsamm-
lung davoniragen, da ste es ermöglichi, die noiwendigen Srücken hinüber und herüber zu
schlagen und neue fruchibare Verbindungen herzusiellen. Die Wissenschaft kann aber nichi
dabei siehen bleiben, den Welikrieg, wenn auch so eifrig, umsichiig und eindringlich, als eine
Sinzelerscheinung für stch zu erforschen und darzustellen. Zur Gewinnung iieferer und
wirklich fördernder Erkenninis muß ste ihn im Vahmen des ganzen Weligeschehens be-
irachien und ihn als daS Srgebnis seiner geschichilichen Voraussetzungen zu verstehen und
zu erklären irachien, auf die wiederum er seinerseiis auch ganz neue, klärende O'chier zurück-
wirfi. Ze mehr also die Forschung in das Verständnis dieser iiefer liegenden Zusammen-
hänge einzudringen strebi, in um so größerem Ausmaß wird es noiwendig sein, auf allen
Gebieien die Vorkriegsliieraiur heranzuziehen und zwar, was von jeher eine grundsätzliche
Forderung und ein besonderer Vuhmesiiiel deuischer Wissenschast gewesen isi, nichi nur daö

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