Verband Deutscher Kriegssammlungen [Editor]
Mitteilungen — Leipzig, 1920

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Die Katalogisierung der Uriegs-
sammlungen.

von Gberbibliothekar prof. vr. Walther Zchultze, Lerlin.

Ls ist das Ligentümliche des Rriegsschrifttums, datz es nicht nur an
Umfang alle Lrwartungen weit übertroffen hat, sondern auch inhaltlich
wesentlich über den Uahmen hinausging, den man von früheren Rriegen her
gewohnt war. Oer Urieg zog vinge in seinen Ureis, von denen man es nie
hätte vermuten können, und demgemätz mutzte sich auch das Uriegsschrifttum
mit ihnen befchäftigen. vor allem aber: der Urieg wirkte auch literarisch
direkt produktiv: nicht nur datz er wie früher der Literatur Llnlatz gab, sich
mit ihm zu befassen, sondern unmittelbar aus ihm heraus erwuchs ein Uieder-
schlag an Orucksachen von einer äutzerlich wie innerlich geradezu faszinieren-
den vielgestaltigkeit. Wieviel neue Typen da entstanden sind, davon legt ja
jede Uriegssammlung lZeugnis ab: Schützengraben-, Lefangenen-, Lazarett-,
Firmenzeitungen, heimatgrütze, Fliegerabwürfe, Werbe-, Uriegsanleihen-
plakate, Lreuelpropaganda u. a. m., wer hätte an solche Oinge vorher gedacht?
viese Ligenartigkeit des Uriegsschrifttums mehr noch als sein äußerer Um-
fang erschwert es, seiner in dem Waße habhaft zu werden, wie es im Interesse
der vollständigkeit wenigstens unserer grötzeren Sammlungen erwünscht wäre.
Oiese Ligenartigkeit aber erschwert es auch, das gesammelte Waterial der
Benutzung so rasch und bequem zugänglich zu machen, wie dies sonst bei den
von den Bibliotheken erworbenen Zchätzen möglich ist. Tilt es sonst, diese
einfach nach den gewohnten Uegeln so schnell wie möglich zu verzeichnen,
so tauchen bei der Uatalogisierung des Uriegsschrifttums, die ja auch hier
die unerlätzliche vorbedingung für seine wissenschaftliche Benutzung und ver-
wertung ist, eine Ueihe von Fragen auf, die sich bloß auf Grund der bibliothe-
karischen Tradition nicht beantworten lassen, sondern die eine selbsttätige
Lösung erfordern. Teder, der berufen ist, eine ttriegssammlung zu katalogi-
sieren, hat sich mit solchen Fragen abfinden müssen. Ls kann deshalb nicht
meine Vufgabe sein, den Fachgenossen viel Neues zu bieten, sondern es kann
nur meine Llbsicht sein, Fragen, die sich aus der praxis im Linzelfall ergeben
haben und da sicher sehr verschieden beantwortet sind, einmal im Zusammen-
hange vorzuführen und zu erörtern.

Oa ist gleich die erste Frage: wieviel Bataloge sind nötig. Oie klassische
Bibliothekslehre sagt uns: mit zwei Katalogen, dem alphabetischen und dem
spstematischen, kommt jede Bibliothek aus. Oas ist richtig unter der voraus-
setzung, datz systematischer Batalog und Vufstellung zusammenfallen. Llber diese
Voraussetzung trifft für Briegssammlungen nicht zu. Llls die Briegssamm-
lungen der grotzen Bibliotheken ins Leben gerufen wurden, war es absolut
unmöglich, auch sogleich das Schema eines spstematischen Uatalogs zu entwerfen,
das der ölufstellung hätte zugrunde gelegt werden können. Ls lietz sich un-
möglich voraussehen, wie sich die Briegsliteratur entwickeln würde; selbst
wenn man sich auf die 5chaffung grotzer hauptabteilungen hätte beschränken

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