Verband Deutscher Kriegssammlungen [Editor]
Mitteilungen — Leipzig, 1921

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Die Äteratur über die Marneschlacht/'

von Prof. vr. walther Zchultze, Gberbibliothekar an der preuß. 5taatsbibliothek.

Llls das eigentlich entscheidende Ereignis des weltkrieges stellt sich je länger je mehr die
warneschlacht heraus. vas deutsche volk erfuhr von ihr lediglich durch den heeresbericht vom
10. Zeptember 1914. 2r wußte nur zu berichten, daß „dis östlich paris in der versolgung an und
über die Marne vorgedrungenen peeresteile aus paris und zwischen weaux und wontmirail von
llberlegenen Krästen angegrissen seien. 5ie hätten in schweren zweitägigen Kämpsen den Tegner
ausgehalten und selbst Fortschritte gemacht; als der Vnmarsch einer starken seindlichen Rolonne
gemeldet wurde, sei ihr Flllgel zurückgenommen; der ^eind sei an keiner Ztrecke gesolgt."

vies blieb alles, was überhaupt von deutscher 5eite amtlich oder halbamtlich über die
Schlacht verösfentlicht wurde. vas wort „Marneschlacht" kommt überhaupt in der amtlichen
Literatur nicht vor. Zelbst in der 1918 begonnenen Sammlung „ver große Rrieg in Einzeldar-
stellungen. yerausgegeben im Vuftrage des Eeneralstabes des Feldheeres" war zwar ein yeft 7
sür die „Zchlacht am Gurcq", aber keins sür die „Marneschlacht" in Vussicht genommen. vabei
war allmählich allgemein bekannt geworden, daß an der warne nicht nur die veutschen eine
Schlacht verloren hatten, sondern daß damit der deutsche Feldzugsplan gescheitert war, der ge-
samte Itrieg eine sür veutschland ungünstige wendung genommen.

vergleicht man mit diesem auffälligen Totschweigen der INarneschlacht durch die amtlichen
Stellen, wie unbefangen von I^ranzosen und Engländern der Fehlschlag von Eharleroi-Mons, von
den Engländern der vardanellenfeldzug erörtert wurde, so mußte ganz unwillkürlich der verdacht
entstehen, daß die warneschlacht nicht einsach ein Mtzersolg war, wie ihn der launische Uriegsgott
kaum einem Feldherrn erspart, sondern hier etwas vorgekommen war, was das Licht zu
scheuen hatte.

vas merkwürdigste aber war, daß man sich auch von gegnerischer Zeite über die Schlacht
lange 2eit nicht so enthusiastisch äußerte, wie man es hätte erwarten sollen. vas ossizielle sran-
zösische „Lommuni<que" vom 10. September wußte nur von einem Llbbruch des Kampfes seitens
des Feindes, jenes vom 11. nur von einem Rückzug der veutschen zu berichten: erst das vom
14. Zeptember konstatierte einen „unbestreitbaren 2ieg," ohne ihn aber als entscheidend hinzu-
stellen und ohne große Tesangenen- oder Beutezahlen zu melden.

Oie offiziellen Berichte.

Bald folgten dann die ersten wirklichen Lerichte über die Schlacht. ven Llnsang machte jener
Frenchs vom 17. Zeptember 1914, erst in der presse erschienen, rasch auch als vroschüre ver-
össentlicht:

vie folgende Zusammenstellung sucht die Literatur über die warneschlacht in möglichster
vollständigkeit zu geben. voch macht sich bei der Zammlung des waterials sehr störend fühlbar,
datz seit 1919, zum Teil schon seit 1918 wegen des steten Linkens der valuta bis aus ihren
heutigen Tiesstand die sremdländische Literatur von deutschen vibliotheken nur in ganz ver-
schwindend geringem Maße erworben werden konnte; ich war deshalb hier unter verzicht auf
Llutopsie zum größten Teil auf sekundäre Guellen angewiesen. llch bin mir daher bswutzt, daß für
die Literatur der llahre 1919 und 1920 die wünschenswerte wenigstens relative vollständigkeit
nicht erreicht ist. — Llllgemeine varstellungen der Eeschichte des Rrieges sind nur aufge-
nommen, wenn in ihnen die warneschlacht eingehend, gewissermaßen halb monographisch behandelt
ist: die übrigen derartigen allgemeinen werke, soweit sie überhaupt ein leidliches Bild des ver-
lauss der Zchlacht geben, werden in dem zweiten Teil „Zekundäre Literatur" verzeichnet werden. —
Lluf Ilamhastmachung von Llrtikeln in den Tageszeitungen ist, da dies ins Uferlose sühren würde
und größte willkür unvermeidlich wäre, ganz verzichtet worden. — Lchriften, die ich nicht habe
selbst einsehen können, sind durch * kenntlich gemacht.

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