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DER ADMIRALSPALAST UND SEINE BÄDER
von MAX WAGENFÜHR, Berlin
Berlin hat drei künstliche Eisbahnen. Die erste
wurde im neuen Westen erbaut. Es fanden
sich anfangs Stimmen, die dem neuartigen Unter-
nehmen skeptisch gegenübertraten. Als es aber
über Erwarten glänzend einschlug, versuchte sofort
die Konkurrenz den Gedanken zu übertrumpfen.
Im Südwesten, in der Nähe des alten botanischen
Gartens entstand die riesenhafte Arena des Sport-
palastes, die wegen ihrer Lage und ihrer über-
triebenen Masse bisher nur an Ausnahmetagen die
weiten Hallen mit Menschen gefüllt sah. V
V Als die Admiralsgartenbadgesellschaft ihre finan-
zielle Umformung vollzog, stand sie vor der Auf-
gabe, für ihr günstig im Mittelpunkt des Verkehrs,
am Eingang vom Zentrum der Stadt zum Quartier
latin gelegenes Terrain eine Bauaufgabe zu finden,
die der Lage gerecht wurde und zugleich den alten
Ruf, der sich an das Admiralsgartenbad knüpfte,
wahrte. Ein Schwimmbad allein hätte selbst in
unerhörter Form nicht befriedigt, da die Kommunen
Gross-Berlins überall ausreichend für die Bedürf-
nisse des Volkes gesorgt hatten. Man beschränkte
sich daher auf russisch-römische Bäder, die mit
raffiniertestem Luxus ausgestattet wurden, und nutzte
den übrig bleibenden Raum zur Schaffung zeit-
gemässer Stätten für Körperpflege und Erholung:
Eine Eislaufarena versprach in der günstigsten Lage
mitten im Strom des grosstädtischen Nachtlebens
ständigen Besuch und durfte trotz der vorhandenen
gleichartigen Unternehmungen auf sicheren Erfolg
rechnen, ein Kinotheater besten Stils hat auch
noch immer genügend Zugkraft, nahm man dazu
Cafe, Bar, Kegelbahnen und Klubräume, so war
die Rentabilität jedes Quadratmeters des Grund-
stückes gesichert. Der Erfolg des Unternehmens
nach der Fertigstellung hat die Richtigkeit der
Kalkulation bewiesen. V
V Man muss ehrlich bewundern, wie geschickt die
mannigfachen Teile der Anlage, ohne sich gegen-
seitig zu stören und doch im bequemen Zusammen-
hang auf dem ungewöhnlich geschnittenen Terrain
untergebracht sind. Das vordere Rechteck mit
seiner an die Friedrichstrasse grenzenden Front
von 32,48 m und einer Tiefe von rund 50 m enthält
an der Strasse in den beiden unteren Stockwerken
das Cafe, darüber das Lichtbildtheater mit den
rechts vom Hauptein- und Durchgang gelegenen
gesonderten Aufgängen und ganz oben Klubzimmer.
Im schmalen Seitenflügel liegen Wirtschaftsräume
und die Aufgänge zu den Bädern. Der hintere Teil
desselben und ebenso der gleichfalls den in der
Mitte liegenden Ehrenhof umgrenzende imposante
Querbau dient den einleitenden und begleitenden
Räumen der Arena und der Bäder. Diese nehmen
ein Areal ein, das etwas keilförmig oblong mit
einer Front von 76 m bei durchschnittlicher Breite
von 45 m an die Prinz Louis Ferdinandstrasse
grenzt und an beiden Seiten Wirtschaftshöfe zu-
liess. Dieser Gebäudeteil hat sein besonderes
Interesse weniger durch die nach modernsten tech-
nischen Prinzipien konstruierte Eislaufbahn, als
durch die Anordnung der Bäder über der hohen,
durch kräftigeVouten künstlerisch getragenen Decke.
Die Anlage erforderte zwar eine ungewöhnliche
Konstruktionshöhe der Gitterträgerdecke, ergab
aber die Möglichkeit zur Oberlichtbeleuchtung der
Bäder und somit einer raffinierten Ausnützung der
Bodenfläche. In den etwa 58X45 m grossen Raum
über der Eislaufhalle konnten so untergebracht
werden: ein grösseres Herrenbad mit Halle (mit
drei 3,4m im Quadrat messenden Bassins), grossem
Ruheraum, Büfett, Frisierraum, orthopädischem
Saal, elektrischen Bädern, Brausen, Massageraum,
Wannen- und Heissluftbädern, Abtrockenraum,
Dampfbad und weiteren Nebenräumen. Ferner das
Damenbad mit Halle, Ruheräumen, Luxusbädern,
Heiss- und Warmluft-, Dampf- und elektrischen
Bädern mit orthopädischem und Massageraum nebst
Frisierraum und sonstigen Nebengelassen, dazu
noch grosse Räume für Wäsche und Bügelarbeiten
und die notwendigen Treppenhäuser. V
V Von der Ausstattung dieses Teiles und der künst-
lerischen Wirkung geben die beigefügten Darstel-
lungen ein deutliches Bild. Der leuchtende Glanz
der Farben im Aquarellentwurf ist durch die Majo-
lika-Aussattung nahezu erreicht. Geplant, aber
bisher nicht zur Ausführung gekommen, war die
Abdämpfung des oben einfallenden direkten Sonnen-
lichts durch Velarien. Einzelne Unebenheiten, wie
der unorganische Uebergang von Säulenarchitektur
zum Gewölbe im Herrenschwimmbad und verschie-
dene Masstabsdifferenzen finden ihre Entschuldigung
in der jagenden Hast der Fertigstellung. Auch für
die übrige künstlerische Gestaltung der Gesamt-
anlage mögen im wesentlichen die Bilder sprechen.
Es muss aber in wenigen Worten auf etwas Prin-
zipielles eingegangen werden. V
V Dem Architekten ist die Benützung der Stil-
merkmale römischer Bäderarchitektur von der Kritik
zum Vorwurf gemacht worden. Man wünschte für
eine neuzeitliche Anlage eigene, moderne Formen.
Abgesehen von der Benutzung dieser Stilmerkmale
bemängelte man die Art ihrer Verbindung mit den
aus der Aufgabe und der modernen Technik not-
wendig erwachsenen Konstruktionsformen. Dem-
gegenüber sei folgendes gesagt. Die Enge des
DER ADMIRALSPALAST UND SEINE BÄDER
von MAX WAGENFÜHR, Berlin
Berlin hat drei künstliche Eisbahnen. Die erste
wurde im neuen Westen erbaut. Es fanden
sich anfangs Stimmen, die dem neuartigen Unter-
nehmen skeptisch gegenübertraten. Als es aber
über Erwarten glänzend einschlug, versuchte sofort
die Konkurrenz den Gedanken zu übertrumpfen.
Im Südwesten, in der Nähe des alten botanischen
Gartens entstand die riesenhafte Arena des Sport-
palastes, die wegen ihrer Lage und ihrer über-
triebenen Masse bisher nur an Ausnahmetagen die
weiten Hallen mit Menschen gefüllt sah. V
V Als die Admiralsgartenbadgesellschaft ihre finan-
zielle Umformung vollzog, stand sie vor der Auf-
gabe, für ihr günstig im Mittelpunkt des Verkehrs,
am Eingang vom Zentrum der Stadt zum Quartier
latin gelegenes Terrain eine Bauaufgabe zu finden,
die der Lage gerecht wurde und zugleich den alten
Ruf, der sich an das Admiralsgartenbad knüpfte,
wahrte. Ein Schwimmbad allein hätte selbst in
unerhörter Form nicht befriedigt, da die Kommunen
Gross-Berlins überall ausreichend für die Bedürf-
nisse des Volkes gesorgt hatten. Man beschränkte
sich daher auf russisch-römische Bäder, die mit
raffiniertestem Luxus ausgestattet wurden, und nutzte
den übrig bleibenden Raum zur Schaffung zeit-
gemässer Stätten für Körperpflege und Erholung:
Eine Eislaufarena versprach in der günstigsten Lage
mitten im Strom des grosstädtischen Nachtlebens
ständigen Besuch und durfte trotz der vorhandenen
gleichartigen Unternehmungen auf sicheren Erfolg
rechnen, ein Kinotheater besten Stils hat auch
noch immer genügend Zugkraft, nahm man dazu
Cafe, Bar, Kegelbahnen und Klubräume, so war
die Rentabilität jedes Quadratmeters des Grund-
stückes gesichert. Der Erfolg des Unternehmens
nach der Fertigstellung hat die Richtigkeit der
Kalkulation bewiesen. V
V Man muss ehrlich bewundern, wie geschickt die
mannigfachen Teile der Anlage, ohne sich gegen-
seitig zu stören und doch im bequemen Zusammen-
hang auf dem ungewöhnlich geschnittenen Terrain
untergebracht sind. Das vordere Rechteck mit
seiner an die Friedrichstrasse grenzenden Front
von 32,48 m und einer Tiefe von rund 50 m enthält
an der Strasse in den beiden unteren Stockwerken
das Cafe, darüber das Lichtbildtheater mit den
rechts vom Hauptein- und Durchgang gelegenen
gesonderten Aufgängen und ganz oben Klubzimmer.
Im schmalen Seitenflügel liegen Wirtschaftsräume
und die Aufgänge zu den Bädern. Der hintere Teil
desselben und ebenso der gleichfalls den in der
Mitte liegenden Ehrenhof umgrenzende imposante
Querbau dient den einleitenden und begleitenden
Räumen der Arena und der Bäder. Diese nehmen
ein Areal ein, das etwas keilförmig oblong mit
einer Front von 76 m bei durchschnittlicher Breite
von 45 m an die Prinz Louis Ferdinandstrasse
grenzt und an beiden Seiten Wirtschaftshöfe zu-
liess. Dieser Gebäudeteil hat sein besonderes
Interesse weniger durch die nach modernsten tech-
nischen Prinzipien konstruierte Eislaufbahn, als
durch die Anordnung der Bäder über der hohen,
durch kräftigeVouten künstlerisch getragenen Decke.
Die Anlage erforderte zwar eine ungewöhnliche
Konstruktionshöhe der Gitterträgerdecke, ergab
aber die Möglichkeit zur Oberlichtbeleuchtung der
Bäder und somit einer raffinierten Ausnützung der
Bodenfläche. In den etwa 58X45 m grossen Raum
über der Eislaufhalle konnten so untergebracht
werden: ein grösseres Herrenbad mit Halle (mit
drei 3,4m im Quadrat messenden Bassins), grossem
Ruheraum, Büfett, Frisierraum, orthopädischem
Saal, elektrischen Bädern, Brausen, Massageraum,
Wannen- und Heissluftbädern, Abtrockenraum,
Dampfbad und weiteren Nebenräumen. Ferner das
Damenbad mit Halle, Ruheräumen, Luxusbädern,
Heiss- und Warmluft-, Dampf- und elektrischen
Bädern mit orthopädischem und Massageraum nebst
Frisierraum und sonstigen Nebengelassen, dazu
noch grosse Räume für Wäsche und Bügelarbeiten
und die notwendigen Treppenhäuser. V
V Von der Ausstattung dieses Teiles und der künst-
lerischen Wirkung geben die beigefügten Darstel-
lungen ein deutliches Bild. Der leuchtende Glanz
der Farben im Aquarellentwurf ist durch die Majo-
lika-Aussattung nahezu erreicht. Geplant, aber
bisher nicht zur Ausführung gekommen, war die
Abdämpfung des oben einfallenden direkten Sonnen-
lichts durch Velarien. Einzelne Unebenheiten, wie
der unorganische Uebergang von Säulenarchitektur
zum Gewölbe im Herrenschwimmbad und verschie-
dene Masstabsdifferenzen finden ihre Entschuldigung
in der jagenden Hast der Fertigstellung. Auch für
die übrige künstlerische Gestaltung der Gesamt-
anlage mögen im wesentlichen die Bilder sprechen.
Es muss aber in wenigen Worten auf etwas Prin-
zipielles eingegangen werden. V
V Dem Architekten ist die Benützung der Stil-
merkmale römischer Bäderarchitektur von der Kritik
zum Vorwurf gemacht worden. Man wünschte für
eine neuzeitliche Anlage eigene, moderne Formen.
Abgesehen von der Benutzung dieser Stilmerkmale
bemängelte man die Art ihrer Verbindung mit den
aus der Aufgabe und der modernen Technik not-
wendig erwachsenen Konstruktionsformen. Dem-
gegenüber sei folgendes gesagt. Die Enge des


