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Ansicht vom See. Rauh verputzte Mauerflächen und rotes Pfannenziegeldach
DAS KURGARTENHOTEL IN FRIEDRICHSHAFEN
Erbaut von EISENLOHR & WEIGLE. Mitarbeiter O.PFENNIG, Stuttgart
Während Konstanz, Lindau und Bregenz sich seit Jahr-
zehnten eines gewaltigen Fremdenverkehrs erfreuen,
lag das idyllische Friedrichshafen, der Ort, von wo aus sich
das Schwäbische Meer am mächtigsten präsentiert, still und
unbeachtet abseits. Erst das Unternehmen des Grafen Zeppelin
hat die allgemeine Aufmerksamkeit auch auf die landschaft-
liche Schönheit dieses bezaubernden Fleckchens Erde hin-
gelenkt. Es zeigte sich bald, dass für die Ansprüche der
Friedrichshafener Gäste die alten Gasthöfe, die zum Teil noch
aus der Epoche der Reichsstadt Buchhorn stammen, nicht
genügten. So wurde denn im Jahre 1909 der Bau eines
neuen Hotels in grossem Stile beschlossen. Innerhalb eines
Jahres ward das Werk durch die Stuttgarter Architekten
Eisenlohr & Weigle unter Mitarbeit von Architekt O. Pfennig
erstellt. Mit ihm hat der Bodensee, ja, ganz Württemberg
seine schönste Gaststätte erhalten. Das neue Kurgartenhotel
in Friedrichshafen wetteifert in bezug auf Eleganz und
Bequemlichkeit mit den ersten deutschen Gasthöfen, wie
Esplanade in Berlin und Continental in München. Bei
bescheidenerem Umfang ist es durch eine um so schönere
Lage im alten Kurgarten, unmittelbar am See, ausgezeichnet.
Es ist der Typus des modernen Kurhotels. V
V Die Anlage ist ungefähr symmetrisch. Die Mitte bildet
eine grosse, behagliche, mit Marmor verkleidete und mit
Wanddekorationen von Eduard Pfennig versehene Halle. Von
ihr führt eine zweiflügelige, breite Treppe mit prächtigem
Schmiedeeisengitter in das erste Stockwerk. An die Halle
schliessen sich auf der Westseite ein kleiner und ein reich
geschmückter grösserer Speisesaal, denen östlich ein Musik-
zimmer und mehrere Konversationsräume entsprechen. In
diesen Zimmern geht die delikate farbige Zusammenstimmung,
wie auch die formale Durchbildung aller Möbel und Beleuch-
tungskörper auf den Entwurf des Architekten Oskar Pfennig
zurück. V
V Die Gastzimmer des ersten und zweiten Stockes, durch-
gängig mit Veranden versehen, und selbst die Dienerschafts-
zimmer des Obergeschosses weisen, bei aller Vornehmheit
der Ausstattung, jede Bequemlichkeit auf, die man in moder-
nen Gasthöfen zu finden gewohnt ist. Herrlich ist von hier
der Blick auf den See. V
V An den grossen Speisesaal schliesst sich nach rückwärts
ein gemütliches Restaurationszimmer an, das auch Nicht-
hotelgästen zugänglich ist. Ueber ihm befindet sich die
Wohnung des Grafen v. Zeppelin. V
V Das Aeussere des Baues zeigt die gleiche wohltuende
Einfachheit und die geschmackvolle Anordnung wie das
Innere. Mit Glück ist, durch Herunterziehung des mit zwei
kleinen Giebeln geschmückten Daches, der Cottagecharakter
nach Möglichkeit gewahrt. Eine halbrunde Säulenhalle von
edlen Verhältnissen umschliesst den Ausgang gegen den See
hin. Rings um sie dehnt sich, bis unmittelbar an das
Wasser, eine wohlgepflegte Terrasse mit Tischen und Stühlen.
V Man kann sich schwerlich einen angenehmeren Rastort
vorstellen, als dieses mit allen Vorzügen grosstädtischer
Kultur, mit ländlicher Ruhe und Naturschönheit ausgestattete
Kurgartenhotei in Friedrichshafen. JULIUS BAUM
Ansicht vom See. Rauh verputzte Mauerflächen und rotes Pfannenziegeldach
DAS KURGARTENHOTEL IN FRIEDRICHSHAFEN
Erbaut von EISENLOHR & WEIGLE. Mitarbeiter O.PFENNIG, Stuttgart
Während Konstanz, Lindau und Bregenz sich seit Jahr-
zehnten eines gewaltigen Fremdenverkehrs erfreuen,
lag das idyllische Friedrichshafen, der Ort, von wo aus sich
das Schwäbische Meer am mächtigsten präsentiert, still und
unbeachtet abseits. Erst das Unternehmen des Grafen Zeppelin
hat die allgemeine Aufmerksamkeit auch auf die landschaft-
liche Schönheit dieses bezaubernden Fleckchens Erde hin-
gelenkt. Es zeigte sich bald, dass für die Ansprüche der
Friedrichshafener Gäste die alten Gasthöfe, die zum Teil noch
aus der Epoche der Reichsstadt Buchhorn stammen, nicht
genügten. So wurde denn im Jahre 1909 der Bau eines
neuen Hotels in grossem Stile beschlossen. Innerhalb eines
Jahres ward das Werk durch die Stuttgarter Architekten
Eisenlohr & Weigle unter Mitarbeit von Architekt O. Pfennig
erstellt. Mit ihm hat der Bodensee, ja, ganz Württemberg
seine schönste Gaststätte erhalten. Das neue Kurgartenhotel
in Friedrichshafen wetteifert in bezug auf Eleganz und
Bequemlichkeit mit den ersten deutschen Gasthöfen, wie
Esplanade in Berlin und Continental in München. Bei
bescheidenerem Umfang ist es durch eine um so schönere
Lage im alten Kurgarten, unmittelbar am See, ausgezeichnet.
Es ist der Typus des modernen Kurhotels. V
V Die Anlage ist ungefähr symmetrisch. Die Mitte bildet
eine grosse, behagliche, mit Marmor verkleidete und mit
Wanddekorationen von Eduard Pfennig versehene Halle. Von
ihr führt eine zweiflügelige, breite Treppe mit prächtigem
Schmiedeeisengitter in das erste Stockwerk. An die Halle
schliessen sich auf der Westseite ein kleiner und ein reich
geschmückter grösserer Speisesaal, denen östlich ein Musik-
zimmer und mehrere Konversationsräume entsprechen. In
diesen Zimmern geht die delikate farbige Zusammenstimmung,
wie auch die formale Durchbildung aller Möbel und Beleuch-
tungskörper auf den Entwurf des Architekten Oskar Pfennig
zurück. V
V Die Gastzimmer des ersten und zweiten Stockes, durch-
gängig mit Veranden versehen, und selbst die Dienerschafts-
zimmer des Obergeschosses weisen, bei aller Vornehmheit
der Ausstattung, jede Bequemlichkeit auf, die man in moder-
nen Gasthöfen zu finden gewohnt ist. Herrlich ist von hier
der Blick auf den See. V
V An den grossen Speisesaal schliesst sich nach rückwärts
ein gemütliches Restaurationszimmer an, das auch Nicht-
hotelgästen zugänglich ist. Ueber ihm befindet sich die
Wohnung des Grafen v. Zeppelin. V
V Das Aeussere des Baues zeigt die gleiche wohltuende
Einfachheit und die geschmackvolle Anordnung wie das
Innere. Mit Glück ist, durch Herunterziehung des mit zwei
kleinen Giebeln geschmückten Daches, der Cottagecharakter
nach Möglichkeit gewahrt. Eine halbrunde Säulenhalle von
edlen Verhältnissen umschliesst den Ausgang gegen den See
hin. Rings um sie dehnt sich, bis unmittelbar an das
Wasser, eine wohlgepflegte Terrasse mit Tischen und Stühlen.
V Man kann sich schwerlich einen angenehmeren Rastort
vorstellen, als dieses mit allen Vorzügen grosstädtischer
Kultur, mit ländlicher Ruhe und Naturschönheit ausgestattete
Kurgartenhotei in Friedrichshafen. JULIUS BAUM


