581
MAX HEIDRICH UND DIE WERKSTÄTTEN VON BERNARD STADLER
IN PADERBORN
Von Dr. W. SÖRRENSEN, Berlin
Die Ausstellung der Paderborner Werkstätten
von Bernard Stadler in Hamburg führt in
geschlossenen Räumen neue Arbeiten von Max
Heidrich vor. Es ist kaum nötig zu sagen, wieviel
der Bund dieses Künstlers und der Paderborner
Werkstätten für das moderne Kunstgewerbe be-
deutet, und ebenso bekannt ist es wohl, dass alles,
was diese Werkstätten verlässt, von dem sicheren
Geiste der modernen deutschen, im besten Sinne
bürgerlichen Tendenz durchdrungen ist, der einmal,
wie wir glauben, die Zukunft gehört; und nicht nur
für Deutschland, sondern auch darüber hinaus. Die
abstrakten Forderungen vom Material und der
Zweckmässigkeit der Formen, die uns halfen, tabula
rasa zu machen, um neu beginnen zu können, haben
in den Arbeiten Heidrichs ihre ruhige Weiterent-
wickelung gefunden. Er ist gottlob unberührt von den
Strömungen, wie sie jetzt, hauptsächlich in Berlin,
gemacht werden, wo die hastige Nachfrage nach
immer Neuem und eine gewisse Vorliebe für, vor-
sichtig gesagt, prunkvolleren Luxus in den bemit-
teltsten Kreisen den notwendigen ruhigen Ent-
wickelungsgang schon wieder unterbrochen hat, um
einer Produktion Platz zu geben, die ihre Zuflucht
wiederum zur Nachahmung vergangener Stile (1850
ist jetzt an der Reihe) suchen muss, die durch
gelegentliches Mischen mit modernen Elementen
zeitgemäss gemacht werden. Das Aufnehmen der
nachklassizistischen Formen nennt man in Berlin
beschönigend „Anknüpfen an die Berliner Tradition“.
Wird dieser Mode nicht vielleicht bald ein Aufleben
der berüchtigten Muschel folgen? Wer weiss! V
V Es ist ja fast unnötig, von dieser momentanen
Episode zu reden. Aber als Gegensatz zu dem
ruhigen und gesunden Fortschreiten gottlob vieler
Werkstätten und Künstler im Reiche ist es nicht
ohne Bedeutung. Denn es klärt von neuem den
Standpunkt, den uns diese pseudomodernen Dinge
wieder zu verschleiern drohen. t V
V Heidrich hat die Grundlagen des modernen
Kunstgewerbes nicht verlassen, sondern hat sie
weitergebildet. Es hat ihm nicht an Erfindung ge-
mangelt, seine fest umrissene Eigenart sich immer
neu aussprechen zu lassen und neue Wirkungen
zu erzielen. Die noch neue Ausstellung in Ham-
burg zeigt reichere und kostbarere Arbeiten. Der
Künstler hat aber nicht zu äusserem aufgelegten
Schmucke gegriffen, sondern seine Möbel von innen
heraus wertvoll gemacht, durch schönes Material,
wohlerwogene Formen und eine musterhafte, teil-
weise sogar absichtlich schwierige Verarbeitung,
zu der sich noch eine sparsame flache Schnitzerei
gesellt. Diese Hamburger Ausstellung zeigt, wie
viel Schönheit und, für erzogene Augen, wahre
Genüsse da zu holen sind. Heidrichs Vorliebe für
abgerundete Ecken und gebogene Flächen, die er
gerne mit anderem Holz (so z. B. flachgeschnitzten
Makassar-Ebenholzleisten) begrenzt, lässt schöne
Holzstruktur oft überraschend lebendig werden,
wenn der Glanz der Politur erwacht und in den
Schatten das Holz ganz tief erscheint. V
V In Raum I, dem Eingangsraume, wirkt das schöne
goldbraune Nussbaum-Wurzelmaser, von Makassar-
Ebenholzstäben gefasst, auf Möbeln und Paneelen
mit seinem interessanten Spiele der wie strudelnden
Struktur, die oft fast wie Marmor wirkt, in seiner
Beziehung zu der schwarz-violettgemusterten Wand-
bespannung und dem gleichfarbigen Teppich ganz
ausgezeichnet. Ein grosses Sofa aus braunem
Sämischleder fügt sich kostbar ein. Ein besonders
schönes Stück (eines der besten, das die Stadlerschen
Werkstätten überhaupt gemacht haben!) ist der
Schmuckschrank in diesem Raume, auf dessen
Flächen das wundervolle Holz mit den Ebenholz-
leisten ganz herrlich wirkt. V
V Etwas unerhört Schönes ist das Holz, aus dem
das „Arbeitszimmer einer tätigen Dame“ gebaut
ist (Raum IV). So etwas hat man in der Tat noch
nicht gesehen. Das Holz wirkt — unpoliert, nur
geschliffen — wie Seide und ist silbergrau mit
dunkeler ganz bizarrer Maserung. Es ist nämlich
sogenanntes Jindai-Sugi, eine japanische Moor-
Zeder, die im Sumpfe durch Jahrhunderte grau und
fest geworden ist. Alle Kanten, Füsse und tragen-
den Glieder sind wiederum aus dem warmbräun-
lichen Makassar-Ebenholze gebildet, dessen grosse
Härte eine leichte, etwas japanische Zierlichkeit
der Formen gestattete. Mit dem grünen Tone der
Möbelbezüge und der Wandbespannung bildet dieses
Zimmer einen wahren Augenschmaus und man kann
sich fürein Damenzimmernichts Köstlicheresdenken,
als dieses wunderbare Holz in diesen feinen Formen.
V Das Musikzimmer (Raum VI) mit abgerundeten
Ecken gibt Heidrich Gelegenheit, in seinen geliebten
runden Flächen zu schwelgen. Das leuchtend rote
Paduk-Holz unterstützt ihn dabei sehr. Der sand-
farbige Ton der Wand, der schöne bunte rundge-
knüpfte Teppich helfen das Ganze zu froher Wir-
kung zu steigern. Nur die vordere Stütze der bei-
den ovalen Eckschränke will uns nicht ganz ge-
lungen erscheinen. Die gebogenen Türen der Zier-
schränke sind übrigens technische Meisterstücke.
MAX HEIDRICH UND DIE WERKSTÄTTEN VON BERNARD STADLER
IN PADERBORN
Von Dr. W. SÖRRENSEN, Berlin
Die Ausstellung der Paderborner Werkstätten
von Bernard Stadler in Hamburg führt in
geschlossenen Räumen neue Arbeiten von Max
Heidrich vor. Es ist kaum nötig zu sagen, wieviel
der Bund dieses Künstlers und der Paderborner
Werkstätten für das moderne Kunstgewerbe be-
deutet, und ebenso bekannt ist es wohl, dass alles,
was diese Werkstätten verlässt, von dem sicheren
Geiste der modernen deutschen, im besten Sinne
bürgerlichen Tendenz durchdrungen ist, der einmal,
wie wir glauben, die Zukunft gehört; und nicht nur
für Deutschland, sondern auch darüber hinaus. Die
abstrakten Forderungen vom Material und der
Zweckmässigkeit der Formen, die uns halfen, tabula
rasa zu machen, um neu beginnen zu können, haben
in den Arbeiten Heidrichs ihre ruhige Weiterent-
wickelung gefunden. Er ist gottlob unberührt von den
Strömungen, wie sie jetzt, hauptsächlich in Berlin,
gemacht werden, wo die hastige Nachfrage nach
immer Neuem und eine gewisse Vorliebe für, vor-
sichtig gesagt, prunkvolleren Luxus in den bemit-
teltsten Kreisen den notwendigen ruhigen Ent-
wickelungsgang schon wieder unterbrochen hat, um
einer Produktion Platz zu geben, die ihre Zuflucht
wiederum zur Nachahmung vergangener Stile (1850
ist jetzt an der Reihe) suchen muss, die durch
gelegentliches Mischen mit modernen Elementen
zeitgemäss gemacht werden. Das Aufnehmen der
nachklassizistischen Formen nennt man in Berlin
beschönigend „Anknüpfen an die Berliner Tradition“.
Wird dieser Mode nicht vielleicht bald ein Aufleben
der berüchtigten Muschel folgen? Wer weiss! V
V Es ist ja fast unnötig, von dieser momentanen
Episode zu reden. Aber als Gegensatz zu dem
ruhigen und gesunden Fortschreiten gottlob vieler
Werkstätten und Künstler im Reiche ist es nicht
ohne Bedeutung. Denn es klärt von neuem den
Standpunkt, den uns diese pseudomodernen Dinge
wieder zu verschleiern drohen. t V
V Heidrich hat die Grundlagen des modernen
Kunstgewerbes nicht verlassen, sondern hat sie
weitergebildet. Es hat ihm nicht an Erfindung ge-
mangelt, seine fest umrissene Eigenart sich immer
neu aussprechen zu lassen und neue Wirkungen
zu erzielen. Die noch neue Ausstellung in Ham-
burg zeigt reichere und kostbarere Arbeiten. Der
Künstler hat aber nicht zu äusserem aufgelegten
Schmucke gegriffen, sondern seine Möbel von innen
heraus wertvoll gemacht, durch schönes Material,
wohlerwogene Formen und eine musterhafte, teil-
weise sogar absichtlich schwierige Verarbeitung,
zu der sich noch eine sparsame flache Schnitzerei
gesellt. Diese Hamburger Ausstellung zeigt, wie
viel Schönheit und, für erzogene Augen, wahre
Genüsse da zu holen sind. Heidrichs Vorliebe für
abgerundete Ecken und gebogene Flächen, die er
gerne mit anderem Holz (so z. B. flachgeschnitzten
Makassar-Ebenholzleisten) begrenzt, lässt schöne
Holzstruktur oft überraschend lebendig werden,
wenn der Glanz der Politur erwacht und in den
Schatten das Holz ganz tief erscheint. V
V In Raum I, dem Eingangsraume, wirkt das schöne
goldbraune Nussbaum-Wurzelmaser, von Makassar-
Ebenholzstäben gefasst, auf Möbeln und Paneelen
mit seinem interessanten Spiele der wie strudelnden
Struktur, die oft fast wie Marmor wirkt, in seiner
Beziehung zu der schwarz-violettgemusterten Wand-
bespannung und dem gleichfarbigen Teppich ganz
ausgezeichnet. Ein grosses Sofa aus braunem
Sämischleder fügt sich kostbar ein. Ein besonders
schönes Stück (eines der besten, das die Stadlerschen
Werkstätten überhaupt gemacht haben!) ist der
Schmuckschrank in diesem Raume, auf dessen
Flächen das wundervolle Holz mit den Ebenholz-
leisten ganz herrlich wirkt. V
V Etwas unerhört Schönes ist das Holz, aus dem
das „Arbeitszimmer einer tätigen Dame“ gebaut
ist (Raum IV). So etwas hat man in der Tat noch
nicht gesehen. Das Holz wirkt — unpoliert, nur
geschliffen — wie Seide und ist silbergrau mit
dunkeler ganz bizarrer Maserung. Es ist nämlich
sogenanntes Jindai-Sugi, eine japanische Moor-
Zeder, die im Sumpfe durch Jahrhunderte grau und
fest geworden ist. Alle Kanten, Füsse und tragen-
den Glieder sind wiederum aus dem warmbräun-
lichen Makassar-Ebenholze gebildet, dessen grosse
Härte eine leichte, etwas japanische Zierlichkeit
der Formen gestattete. Mit dem grünen Tone der
Möbelbezüge und der Wandbespannung bildet dieses
Zimmer einen wahren Augenschmaus und man kann
sich fürein Damenzimmernichts Köstlicheresdenken,
als dieses wunderbare Holz in diesen feinen Formen.
V Das Musikzimmer (Raum VI) mit abgerundeten
Ecken gibt Heidrich Gelegenheit, in seinen geliebten
runden Flächen zu schwelgen. Das leuchtend rote
Paduk-Holz unterstützt ihn dabei sehr. Der sand-
farbige Ton der Wand, der schöne bunte rundge-
knüpfte Teppich helfen das Ganze zu froher Wir-
kung zu steigern. Nur die vordere Stütze der bei-
den ovalen Eckschränke will uns nicht ganz ge-
lungen erscheinen. Die gebogenen Türen der Zier-
schränke sind übrigens technische Meisterstücke.


