Moderne Bauformen: Monatshefte für Architektur und Raumkunst — 18.1919

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Bauinspektor Alfred Malpricht, Kattowitz O.-Schl.
Aus der Kolonie Ober-Lazisk. — Arbeiterwohnhäuser für je 8 Familien (Grundrisse vgl. S. 66)

ARBEITER- UND BEAMTENWOHNHÄUSER
Von Bauinspektor Alfred Malpricht, Kattowitz O.-Schl.

Der Krieg hat auch die umfassende Bautätigkeit
der Plessischen Berkwerksdirektion in Katto-
witz O.-S., über die in den „Modernen Bauformen“
bereits früher (1917, S. 65 f.) ausführlich berichtet
worden ist, gehemmt und unterbrochen. Immerhin
konnten in den letzten Jahren in den Kolonien
Ober-Lazisk und Boerschächte sowie auf der Prinzen-
grube eine Anzahl von Arbeiterwohnhäusern und in
Emanuelssegen wie auf der Prinzengrube in Ver-
bindung mit größeren Betriebsanlagen verschiedene
Beamtenwohnhäuser erbaut werden, die auf den
folgenden Seiten im Bilde dargestellt sind.
Bei den Arbeiterwohnhäusern ist fast durch-
gängignur ein Haustyp,das8-Familienhaus verwendet
worden, wobei durch die Stellung der Häuser zuein-
ander, durch die Anordnung der Giebel nach der
Straße zu und durch das Vor- und Zurücktreten
der Gebäude zur Straßenflucht verhältnismäßig
malerische Gruppierungen entstanden. Nur an Platz-
anlagen oder sonstigen besonders zu betonenden
Stellen der Siedelung sind größere zusammen-
hängendeGebäudegruppen mit 16 Arbeiterwohnungen
erstellt worden. Zu jeder Wohnung gehören 2 Stuben
von je ungefähr 15 m2 und eine Küche von rund
20 m2 Grundfläche. Die Aborte sind, da Trocken-
klosetts zur Ausführung kamen, bei den zu jeder
Wohnung gehörenden angebauten oder neben den
Wohnhäusern stehenden Ställen untergebracht. Jeder

Wohnung ist außerdem ein Garten von rund 150 m2
Grundfläche zugeteilt.
Die Beamtenwohnhäuser I und III auf der
Prinzengrube enthalten je 4 Wohnungen (je 1 größere,
3 kleinere), das Beamtenhaus II im Erdgeschoß
2 Meisterwohnungen und im Obergeschoß eineWoh-
nung für den Betriebsleiter. Die erforderlichen
Nebengelasse befinden sich jeweils im Dachgeschoß
und Keller. Baderäume sind nicht vorgesehen,
weil auf der Grubenanlage eine allgemeine Bade-
einrichtung vorhanden ist. Zu jeder Wohnung ge-
hören außerdem Stallungen für Ziegen, Schweine
und Federvieh, sowie ein ungefähr 300 bis 400 m2
großer Garten.
Das im Jahre 1916 erbaute Beamtenhaus des Knapp-
schaftslazaretts Emanuelssegen schließlich enthält
außer den beiden vierzimmerigen Wohnungen für den
Knappschaftssekretär und Lazarettverwalter noch 2
zweizimmerigeWohnungenundimDachgeschoß3Ein-
zelzimmer für unverheiratete Krankenwärter. Zu den
Wohnungen gehören ebenso wie bei den Beamten-
wohnhäusern derPrinzengrubeStallungenundGärten.
Eine Reihe weiterer Entwürfe, so für den Ausbau
der Siedelungen Ober-Lazisk und das Knappschafts-
lazarett in Emanuelssegen harren der Ausführung;
vielleicht haben wir später Gelegenheit, auch auf
diese, in vielfacher Hinsicht gleichfalls interessanten
Arbeiten zurückzukommen.

MOD. BAUFORMEN 1919. III, 1.
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