329
Hans Hartl, Essen
Sektstube auf einem Wohltätigkeitsfest in Essen
HANS HARTL-ESSEN, EIN SCHÖPFER MODERNER RAUMKUNST
Wieder wartet Hans Hartl in dieser Zeitschrift mit einem
üppigen Strauß seiner raumkünstlerischen Arbeiten
auf. Der Reichtum dieser schöpferischen Phantasie überrascht,
die lebendige Produktivität dieses Innenarchitekten erweckt
Bewunderung, sie fordert zur grundsätzlichen Stellungnahme
heraus.
Überblickt man die in diesem Heft publizierten Arbeiten
und vergleicht man sie mit den verschiedenen früheren Ver-
öffentlichungen in den Modernen Bauformen, so tritt die
außerordentliche Begabung dieses Künstlers auf dem Ge-
biete der Raumgestaltung offensichtlich in Erscheinung. Und
zwar prägt sich hier eine ausgesprochene Vielseitigkeit aus,
die all den Arbeiten ein lebendiges Fluidum verleiht. Grund-
legend für die Tätigkeit Hartls ist sein starkes Empfinden
für den Raum als solchen, für die Gesamtraumwirkung.
Nicht das Einzelmöbel, nicht die Dekoration, nicht die Wand-
gestaltung sprechen für sich als isolierte Erscheinungen,
sondern gerade in der Erfassung aller einzelnen Raumfaktoren
zu einer Gesamtwirkung, zur Einheit des Raumes liegt die
hohe künstlerische Bedeutung.
Es ist daher für Hartl eine selbstverständliche Voraus-
setzung, daß er in einem Raume nicht das abstrakte oder
rationale Gebilde sieht, sondern daß er das Raumerlebnis be-
tont, d. h. die Wohnlichkeit in erster Linie zur Geltung bringt.
Er schafft damit im wahrsten Sinne des Wortes das Heim.
Eine solche Leistung ist aber nur möglich, wenn der Innen-
architekt bis zum letzten kleinen Gerät liebevoll alles durch-
denkt und selbst plant. Nur im Zusammenklang aller Er-
scheinungen und Gegenstände im Raum ist eine vollkommene
Harmonie möglich. Hans Hartl weiß nicht nur die Wände
in sich farbig wundervoll abzustimmen, sondern setzt auch
die Möbel selbst in unmittelbare ästhetisch-wohnliche Be-
ziehung zu den begrenzenden Wänden, zur abschließenden
Decke, zu den lichtspendenden Fenstern und zu den origi-
nellen Beleuchtungskörpern. In diesem Sinne vermögen die
Abbildungen keine unmittelbare Vorstellung von den Räumen
zu geben, sie bieten nur Ausschnitte und Einzelstücke. Das
beglückende Raumerlebnis läßt sich im Bilde nicht wider-
spiegeln.
Betrachtet man die Möbel selbst, so erkennt man hier
die drei grundlegenden Bedingungen wirklichen Kunst-
gewerbes in glücklicher Vereinigung vertreten: Zweckmäßig-
keit, Materialgerechtigkeit und Wohlgefälligkeit. Mit anderen,
einfachen Worten gesagt: die Möbel sind praktisch, gut
und schön, sie sind handwerklich wie künstlerisch vollendet.
Dabei ist alle Strenge der Form vermieden zugunsten
größerer Lebendigkeit und froher behaglicher Wohnlichkeit.
Auch hier lassen die Abbildungen Farbe und Material-
wirkung vermissen, obgleich die meisterlichen Darstellungen
der Entwürfe in ihrer graphischen Technik — übrigens eine
künstlerische Leistung für sich — ein Höchstmaß an An-
schaulichkeit erreichen. Trotz aller Mannigfaltigkeit der
Formen ist die Grundform der Möbel schlicht. Die Art der
Verarbeitung verschiedener Hölzer, die Verwendung farbigen
Schleiflacks und vor allem die Ausgeglichenheit der Propor-
tionen bedingen den reichen Ausdruck ihrer Gestaltung.
Diese Möbel füllen nicht die Zimmer, sondern beleben sie
und schaffen behagliche Atmosphäre. Dr. W. R.
Hans Hartl, Essen
Sektstube auf einem Wohltätigkeitsfest in Essen
HANS HARTL-ESSEN, EIN SCHÖPFER MODERNER RAUMKUNST
Wieder wartet Hans Hartl in dieser Zeitschrift mit einem
üppigen Strauß seiner raumkünstlerischen Arbeiten
auf. Der Reichtum dieser schöpferischen Phantasie überrascht,
die lebendige Produktivität dieses Innenarchitekten erweckt
Bewunderung, sie fordert zur grundsätzlichen Stellungnahme
heraus.
Überblickt man die in diesem Heft publizierten Arbeiten
und vergleicht man sie mit den verschiedenen früheren Ver-
öffentlichungen in den Modernen Bauformen, so tritt die
außerordentliche Begabung dieses Künstlers auf dem Ge-
biete der Raumgestaltung offensichtlich in Erscheinung. Und
zwar prägt sich hier eine ausgesprochene Vielseitigkeit aus,
die all den Arbeiten ein lebendiges Fluidum verleiht. Grund-
legend für die Tätigkeit Hartls ist sein starkes Empfinden
für den Raum als solchen, für die Gesamtraumwirkung.
Nicht das Einzelmöbel, nicht die Dekoration, nicht die Wand-
gestaltung sprechen für sich als isolierte Erscheinungen,
sondern gerade in der Erfassung aller einzelnen Raumfaktoren
zu einer Gesamtwirkung, zur Einheit des Raumes liegt die
hohe künstlerische Bedeutung.
Es ist daher für Hartl eine selbstverständliche Voraus-
setzung, daß er in einem Raume nicht das abstrakte oder
rationale Gebilde sieht, sondern daß er das Raumerlebnis be-
tont, d. h. die Wohnlichkeit in erster Linie zur Geltung bringt.
Er schafft damit im wahrsten Sinne des Wortes das Heim.
Eine solche Leistung ist aber nur möglich, wenn der Innen-
architekt bis zum letzten kleinen Gerät liebevoll alles durch-
denkt und selbst plant. Nur im Zusammenklang aller Er-
scheinungen und Gegenstände im Raum ist eine vollkommene
Harmonie möglich. Hans Hartl weiß nicht nur die Wände
in sich farbig wundervoll abzustimmen, sondern setzt auch
die Möbel selbst in unmittelbare ästhetisch-wohnliche Be-
ziehung zu den begrenzenden Wänden, zur abschließenden
Decke, zu den lichtspendenden Fenstern und zu den origi-
nellen Beleuchtungskörpern. In diesem Sinne vermögen die
Abbildungen keine unmittelbare Vorstellung von den Räumen
zu geben, sie bieten nur Ausschnitte und Einzelstücke. Das
beglückende Raumerlebnis läßt sich im Bilde nicht wider-
spiegeln.
Betrachtet man die Möbel selbst, so erkennt man hier
die drei grundlegenden Bedingungen wirklichen Kunst-
gewerbes in glücklicher Vereinigung vertreten: Zweckmäßig-
keit, Materialgerechtigkeit und Wohlgefälligkeit. Mit anderen,
einfachen Worten gesagt: die Möbel sind praktisch, gut
und schön, sie sind handwerklich wie künstlerisch vollendet.
Dabei ist alle Strenge der Form vermieden zugunsten
größerer Lebendigkeit und froher behaglicher Wohnlichkeit.
Auch hier lassen die Abbildungen Farbe und Material-
wirkung vermissen, obgleich die meisterlichen Darstellungen
der Entwürfe in ihrer graphischen Technik — übrigens eine
künstlerische Leistung für sich — ein Höchstmaß an An-
schaulichkeit erreichen. Trotz aller Mannigfaltigkeit der
Formen ist die Grundform der Möbel schlicht. Die Art der
Verarbeitung verschiedener Hölzer, die Verwendung farbigen
Schleiflacks und vor allem die Ausgeglichenheit der Propor-
tionen bedingen den reichen Ausdruck ihrer Gestaltung.
Diese Möbel füllen nicht die Zimmer, sondern beleben sie
und schaffen behagliche Atmosphäre. Dr. W. R.


