Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Moderne Bauformen: Monatshefte für Architektur und Raumkunst — 29.1930

DOI issue:
Nr. 4
DOI article:
"Siedlungsreise"
DOI article:
Háy, Gyula: Die neuen freien von Ludwig Kozma
DOI Page / Citation link:
https://doi.org/10.11588/diglit.75582#0209

DWork-Logo
Overview
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
163


Warenhaus „Magyar Divatcsarnok", Budapest. Hauptansicht der großen Verkaufshalle. Ausführung der Luxfer-Decke:
Haas und Somogyi, Budapest. Sämtliche Aufnahmen von Prof. J. Pecsi, Budapest

DIE NEUEN ARBEITEN VON LUDWIG KOZMA
Von Gyula Hay (Budapest)

Ein Künstler, nach dessen Namen in seinem Vaterlande
ein Stil benannt wurde, hat es seelisch nicht leicht, eine neue
Richtung einzuschlagen und dies in aller Stille zu tun, ohne
Posaunenklänge und heroische Posen. Der in ungarischer
Volkskunst wurzelnde, sich auf barocke Reminiszenzen stüt-
zende, ornamentale, kunstgewerblich - architektonische Stil,
dessen Fahnenträger Ludwig Kozma bis vor kurzem war,
verlor im Laufe der letzten Jahre seine Stütze: nämlich eben
die Person Ludwig Kozmas. Was Kozma heute macht, ist
jedenfalls weniger geeignet, ihm die oberflächlichen Freuden
der Stilschöpfung und der Führerschaft einer Bestrebung zu
vermitteln, da in seinem neuen Schaffen viel weniger äußer-
liche Elemente sind als im alten. Die vollzogene Umwand-
lung bedeutet also für Kozma in diesem Sinne unzweifelbar
ein Opfer.
Ein junges Ungarn hat von ihm dieses Opfer erwartet.
Die Generation, die Krieg und Revolution hinter sich hat,
sich von der alten Welt abwendet und sich nach einer neuen
sehnt — diese Jugend fühlt immer weniger Gemeinschaft mit

den völkischen, romantischen, sich aus dem Vermächtnis einer
feudalen Gesellschaft nährenden Formschöpfungen. Diese sind
in ihren Augen Anachronismen geworden. Die große Sehn-
sucht unserer Generation nach der Kultur des Westens wußte
die speziellen lokalen Beziehungen, die der Kunst Kozmas
jene besondere, im Ausland hochgeschätzte Würze verliehen,
nicht sonderlich hoch zu werten.
Der Anschluß an die völkisch-nationale Formenwelt ent-
stammte, wie überall, auch in Ungarn, dem Bestreben der
Bürgerschaft, sich einen von der Aristokratie unabhängigen
Stil anzueignen. Während aber in anderen Ländern die feu-
dalen Klassen im Laufe der Geschichte nationale, zu mindest
aber lokale Formüberlieferungen pflegten, machte sich in
Ungarn die sich nach dem kaiserlichen Wien orientierende
Aristokratie von dem urtümlichen Formenschatz der un-
garischen Erde, des ungarischen Volkes, dem noch ein Hauch
aus der asiatischen Urheimat anhaftete, gar nichts zu eigen.
Aus der unversiegbar reichen Quelle ungarischer Volkskunst
schöpfen, hieß demnach mehr als die Suche nach neuem
 
Annotationen