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DIE HOLZHÄUSER DER DEUTSCHEN WERKSTÄTTEN HELLERAU
ARCHITEKT EUGEN SCHWEMMLE
Besprochen von Baurat G. Schleicher, Stuttgart. Mit 8 Abbildungen
Warum Holzhäuser? Die Einwände, die man sofort zu hören
bekommt, beziehen sich auf die Feuersgefahr, die Schwamm-
gefahr und auf die Furcht vor Ungeziefer. Im Unterton schwingt
die Vorstellung mit, daß Holzhäuser leicht gebaut sind und
ein Provisorium darstellen. Tatsache ist, daß Holzhäuser von
300 und mehr Jahren Alter keine Seltenheit sind. In Norwegen
stehen ca. 30 Holzkirchen aus dem 12. und 13. Jahrhundert.
Daß Holz ein erstklassiges Baumaterial ist, wird man wahr-
scheinlich von neuem erkennen, wenn sich die Anschauungen
über die neuen Bauma-
terialien abgeklärt haben.
Daß es ein Material ist,wel-
ches arbeitet, wird man da-
bei nie vergessen dürfen.
Dieses Nähersein am Or-
ganischen ist wohl der
Grund dafür, daß Holz
wohnlichere Gefühle er-
weckt als Materialien wie
Beton, Eisen, Glas.
Als Tatsache ist ferner
festzustellen, daß von 135
Millionen Amerikanern in
den Vereinigten Staaten
80 Millionen in Holzhäu-
sern wohnen. Die Verhält-
nissesind dort andere,aber
so ganz unpraktisch sind
Holzhäuser offenbar doch
nicht. Auch in Japan, in
Schweden, in Norwegen,
in der Schweiz und in
Österreich werden immer
wieder Holzhäuser gebaut
und man kann nicht be-
haupten, daß die Men-
4. Rauhspund 7. Auffüllung
5. Plattenbelag 8. Isolierstreifen gegen
6. Tragbalken Schall
Bezeichnungen:
1. Pfosten 6/12
2. Bitumenpappeverkleidung
3. Äußere jalousie-Brettverkleidung
schen in diesen Ländern kein hohes Kulturniveau hätten. Die
Herstellung des amerikanischen Normalwohnhauses ist wie
bekannt vollständig industrialisiert. Man bestellt Haus Nr. so
und so aus dem Katalog. Das Haus ist billig, weil es normiert
ist. Der Amerikaner hat allerdings bei weitem keine so indivi-
duellen Ansprüche wie der Deutsche. In Deutschland lassen sich
die Häuser nicht in dem Maß normieren wie in Amerika. Jeder
Deutsche, der sich einmal ein Haus baut, will auch seine beson-
deren Wünsche erfüllt haben. Gegen das Holzhaus spricht
häufig noch mit, daß das Besitztum möglichst massiv und vor
allem möglichst städtisch aussehen soll, auch wenn es mitten in
einem Garten oder am Waldrand steht. Man beobachte einmal
z. B. die „Villen" am Rande oder inmitten biederer Dörfer
und Städtchen. Demgegenüber die Auffassung anderer Länder,
sich bescheiden, schlicht und natürlich zu geben, auch im Aus-
sehen des eigenen Hauses.
Die Feuergefährlichkeit wird übertrieben. Statistisch ist
Dies
nachgewiesen, daß von 100 Ziegelhäusern mehr abbrennen als
von 100 Holzhäusern. Die Versicherungsprämie ist für Holz-
häuser die gleiche wie für Holzfachwerk; sie beträgt in Würt-
temberg ungefähr das Doppelte von massiven Steinhäusern.
Die Ungeziefergefahr ist Sache der Kultur. Auch im
Massivbau sind Fugen nicht zu vermeiden.
Die Schwammgefahr kann durch Aufmerksamkeit beim
Bau und durch einwandfreie Konstruktion gebannt werden,
durch die Herstellung in der Fabrik erleichtert.
Ganz kurz seien die
unbestrittenen Vorteile
angeführt. Es kann sehr
rasch gebaut werden und
dies auch im Winter bei
jedem Kältegrad. Es wird
vollständig trocken ge-
baut. Die Häuser sind
sofort beziehbar und
vom 1. Tag ab hygienisch
ausgezeichnet. Man baut
billiger als beim Massiv-
bau. Den Holzhäusern
eignet eine außergewöhn-
liche Wohnlichkeit.
Die Deutschen
Werkstätten in Heller-
au, von denen hier einige
Häuser gezeigt werden,
haben seit Jahrzehnten
den Ruf, die Wege für
eine verfeinerte, neue
deutsche Wohnkultur ge-
ebnet zu haben. Sie ha-
ben als erstes Unterneh-
men das in der Fabrik
hergestellte und doch indi-
viduelle Haus in Deutschland durchgesetzt.
Als Konstruktion wurde von den Hellerauer Werkstätten
eine Plattenbauweise durchgebildet, im Gegensatz zu
der Blockbauweise, deren Nachteile darin bestehen, daß sich
durch Schwinden der Bohlen die Höhe des Hauses verän-
dert. Das regelrecht abgebundene Zimmergerüst gibt dem
Haus den sicheren, unveränderlichen Stand. Alle Bauteile
können unter sich arbeiten, ohne einen schädlichen Einfluß
auf den Gesamtbau auszuüben. Normiert sind die einzelnen
Bauteile einschließlich der Zimmerhölzer. Dadurch ist es
möglich, sich nicht an bestimmte Typen binden zu müssen;
den verschiedenartigsten Wünschen des Bauherrn kann ent-
sprochen werden. Das Fundament wird massiv ausgeführt.
Die Isolierung zwischen Holz und Sockel ist wichtig. Die
Außenwände bestehen aus geschlossenen Luftzellen, die aus-
gezeichnet gegen Kälte und Wärme isolieren. Die so aus-
geführte Außenwand ist etwa 20% wärmehaltiger als eine
MOD. BAUFORMEN 30. VI, 2
DIE HOLZHÄUSER DER DEUTSCHEN WERKSTÄTTEN HELLERAU
ARCHITEKT EUGEN SCHWEMMLE
Besprochen von Baurat G. Schleicher, Stuttgart. Mit 8 Abbildungen
Warum Holzhäuser? Die Einwände, die man sofort zu hören
bekommt, beziehen sich auf die Feuersgefahr, die Schwamm-
gefahr und auf die Furcht vor Ungeziefer. Im Unterton schwingt
die Vorstellung mit, daß Holzhäuser leicht gebaut sind und
ein Provisorium darstellen. Tatsache ist, daß Holzhäuser von
300 und mehr Jahren Alter keine Seltenheit sind. In Norwegen
stehen ca. 30 Holzkirchen aus dem 12. und 13. Jahrhundert.
Daß Holz ein erstklassiges Baumaterial ist, wird man wahr-
scheinlich von neuem erkennen, wenn sich die Anschauungen
über die neuen Bauma-
terialien abgeklärt haben.
Daß es ein Material ist,wel-
ches arbeitet, wird man da-
bei nie vergessen dürfen.
Dieses Nähersein am Or-
ganischen ist wohl der
Grund dafür, daß Holz
wohnlichere Gefühle er-
weckt als Materialien wie
Beton, Eisen, Glas.
Als Tatsache ist ferner
festzustellen, daß von 135
Millionen Amerikanern in
den Vereinigten Staaten
80 Millionen in Holzhäu-
sern wohnen. Die Verhält-
nissesind dort andere,aber
so ganz unpraktisch sind
Holzhäuser offenbar doch
nicht. Auch in Japan, in
Schweden, in Norwegen,
in der Schweiz und in
Österreich werden immer
wieder Holzhäuser gebaut
und man kann nicht be-
haupten, daß die Men-
4. Rauhspund 7. Auffüllung
5. Plattenbelag 8. Isolierstreifen gegen
6. Tragbalken Schall
Bezeichnungen:
1. Pfosten 6/12
2. Bitumenpappeverkleidung
3. Äußere jalousie-Brettverkleidung
schen in diesen Ländern kein hohes Kulturniveau hätten. Die
Herstellung des amerikanischen Normalwohnhauses ist wie
bekannt vollständig industrialisiert. Man bestellt Haus Nr. so
und so aus dem Katalog. Das Haus ist billig, weil es normiert
ist. Der Amerikaner hat allerdings bei weitem keine so indivi-
duellen Ansprüche wie der Deutsche. In Deutschland lassen sich
die Häuser nicht in dem Maß normieren wie in Amerika. Jeder
Deutsche, der sich einmal ein Haus baut, will auch seine beson-
deren Wünsche erfüllt haben. Gegen das Holzhaus spricht
häufig noch mit, daß das Besitztum möglichst massiv und vor
allem möglichst städtisch aussehen soll, auch wenn es mitten in
einem Garten oder am Waldrand steht. Man beobachte einmal
z. B. die „Villen" am Rande oder inmitten biederer Dörfer
und Städtchen. Demgegenüber die Auffassung anderer Länder,
sich bescheiden, schlicht und natürlich zu geben, auch im Aus-
sehen des eigenen Hauses.
Die Feuergefährlichkeit wird übertrieben. Statistisch ist
Dies
nachgewiesen, daß von 100 Ziegelhäusern mehr abbrennen als
von 100 Holzhäusern. Die Versicherungsprämie ist für Holz-
häuser die gleiche wie für Holzfachwerk; sie beträgt in Würt-
temberg ungefähr das Doppelte von massiven Steinhäusern.
Die Ungeziefergefahr ist Sache der Kultur. Auch im
Massivbau sind Fugen nicht zu vermeiden.
Die Schwammgefahr kann durch Aufmerksamkeit beim
Bau und durch einwandfreie Konstruktion gebannt werden,
durch die Herstellung in der Fabrik erleichtert.
Ganz kurz seien die
unbestrittenen Vorteile
angeführt. Es kann sehr
rasch gebaut werden und
dies auch im Winter bei
jedem Kältegrad. Es wird
vollständig trocken ge-
baut. Die Häuser sind
sofort beziehbar und
vom 1. Tag ab hygienisch
ausgezeichnet. Man baut
billiger als beim Massiv-
bau. Den Holzhäusern
eignet eine außergewöhn-
liche Wohnlichkeit.
Die Deutschen
Werkstätten in Heller-
au, von denen hier einige
Häuser gezeigt werden,
haben seit Jahrzehnten
den Ruf, die Wege für
eine verfeinerte, neue
deutsche Wohnkultur ge-
ebnet zu haben. Sie ha-
ben als erstes Unterneh-
men das in der Fabrik
hergestellte und doch indi-
viduelle Haus in Deutschland durchgesetzt.
Als Konstruktion wurde von den Hellerauer Werkstätten
eine Plattenbauweise durchgebildet, im Gegensatz zu
der Blockbauweise, deren Nachteile darin bestehen, daß sich
durch Schwinden der Bohlen die Höhe des Hauses verän-
dert. Das regelrecht abgebundene Zimmergerüst gibt dem
Haus den sicheren, unveränderlichen Stand. Alle Bauteile
können unter sich arbeiten, ohne einen schädlichen Einfluß
auf den Gesamtbau auszuüben. Normiert sind die einzelnen
Bauteile einschließlich der Zimmerhölzer. Dadurch ist es
möglich, sich nicht an bestimmte Typen binden zu müssen;
den verschiedenartigsten Wünschen des Bauherrn kann ent-
sprochen werden. Das Fundament wird massiv ausgeführt.
Die Isolierung zwischen Holz und Sockel ist wichtig. Die
Außenwände bestehen aus geschlossenen Luftzellen, die aus-
gezeichnet gegen Kälte und Wärme isolieren. Die so aus-
geführte Außenwand ist etwa 20% wärmehaltiger als eine
MOD. BAUFORMEN 30. VI, 2


