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UMGESTALTUNG DES PALMENGARTENS IN FRANKFURT
Architekten Stadtrat Ernst May, Professor Martin Elsässer, Reg.-Bau-
meister W. Hebebrand, Mit 7 Aufnahmen von Grete Leistikow und 1 Iso-
metrie, dazu ein Fensterschnitt und der Erdgeschoßgrundriß auf Seite 222
Auch wenn man nochmals ein Menschenalter mit der Erneuerung des
Frankfurter Palmengartens gewartet hätte, so wäre für seine Bauten
wohl nicht der Zeitpunkt eingetreten, in dem man ihre unveränderte
Erhaltung als ehrfurchtgebietendes Denkmal einer früheren Kunstepoche
gefordert hätte. Die große Tat seiner Schaffung und Eröffnung im
Jahre 1871 wird nicht verkleinert, wenn man eingesteht, daß die Form-
sprache seiner Baulichkeiten uns heute schlechterdings unerträglich ist
und uns geradezu hindert, in ihrem Schutz Natur zu genießen. Zur
Verbindung mit den Pflanzenschätzen war der alte Saalbau an seiner
Nordseite mit einer Glaswand abgeschlossen, die einen gewissen Ein-
blick in das große Palmenhaus gewährte. Unserer heutigen Stellung
zur Natur entspricht das ganz andere Vorgehen beim Umbau: An der
Südseite des alten Saales wurde ein neuer Restaurationssaal angebaut,
dessen breite südliche Außenwand ganz als Glashaus ausgebildet ist.
Zwölf bogenförmige Einsprünge im Abstand von je 2,10 m sind eben-
falls doppelseitig verglast und in ihrem Innern zum Anpflanzen und
Aufstellen von Gewächsen bestimmt. Sie flankieren die Ausgänge zu
der tiefer liegenden offenen Terrasse und bilden 9 Nischen für bevor-
zugte Tische. Uber die Saalbreite hinaus ziehen sich die Pflanzenfenster
auch nach rechts vor dem sog. „Kakteenzimmer" entlang, insbesondere
aber nach links, wo sie das „Hochzeitszimmer" im Bogen umschließen.
Uber ihre sorgfältige technische Ausbildung gibt der perspektivische
Schnitt auf Seite 222 erschöpfend Auskunft. Er zeigt die Ausführung
bis zum Fußboden des ersten Obergeschosses, das zurückgenommen
wurde und als verglaste Veranda mit vorgelagerter offener Terrasse
ausgebildet ist. Von dieser letzten ragt eine Pergola aus 10 m hohen
Betonpfählen auf, die zur Bewachsung mit Schlingpflanzen bestimmt
sind. Sie tragen ebenso wie die klaren kubischen Hausflächen weißen
Edelputz; auch das große Restaurant ist in hellen Tönen gehalten. Es
wird also der Pflanzenwelt weder in Farben noch in Formen Konkurrenz
gemacht, sondern ihr nur taktvoll ein guter Hintergrund geboten. Das
Terrassensystem setzt sich in Form von Garten- und Hausterrassen in
ausgedehnten Flächen fort, auf denen die Besucher ganz im Freien
zwischen Blumen und Pflanzen bewirtet werden können. Sie sind in
nächster Nachbarschaft des Gebäudes in strengen Rabatten angeordnet
Oben und links die Südseite mit dem neuen zweigeschossigen
Terrassenbau, darunter das Bierlokal. An den Enden der Ter-
rassen vierseitig umschlossene, nach oben offene Nebensäle
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UMGESTALTUNG DES PALMENGARTENS IN FRANKFURT
Architekten Stadtrat Ernst May, Professor Martin Elsässer, Reg.-Bau-
meister W. Hebebrand, Mit 7 Aufnahmen von Grete Leistikow und 1 Iso-
metrie, dazu ein Fensterschnitt und der Erdgeschoßgrundriß auf Seite 222
Auch wenn man nochmals ein Menschenalter mit der Erneuerung des
Frankfurter Palmengartens gewartet hätte, so wäre für seine Bauten
wohl nicht der Zeitpunkt eingetreten, in dem man ihre unveränderte
Erhaltung als ehrfurchtgebietendes Denkmal einer früheren Kunstepoche
gefordert hätte. Die große Tat seiner Schaffung und Eröffnung im
Jahre 1871 wird nicht verkleinert, wenn man eingesteht, daß die Form-
sprache seiner Baulichkeiten uns heute schlechterdings unerträglich ist
und uns geradezu hindert, in ihrem Schutz Natur zu genießen. Zur
Verbindung mit den Pflanzenschätzen war der alte Saalbau an seiner
Nordseite mit einer Glaswand abgeschlossen, die einen gewissen Ein-
blick in das große Palmenhaus gewährte. Unserer heutigen Stellung
zur Natur entspricht das ganz andere Vorgehen beim Umbau: An der
Südseite des alten Saales wurde ein neuer Restaurationssaal angebaut,
dessen breite südliche Außenwand ganz als Glashaus ausgebildet ist.
Zwölf bogenförmige Einsprünge im Abstand von je 2,10 m sind eben-
falls doppelseitig verglast und in ihrem Innern zum Anpflanzen und
Aufstellen von Gewächsen bestimmt. Sie flankieren die Ausgänge zu
der tiefer liegenden offenen Terrasse und bilden 9 Nischen für bevor-
zugte Tische. Uber die Saalbreite hinaus ziehen sich die Pflanzenfenster
auch nach rechts vor dem sog. „Kakteenzimmer" entlang, insbesondere
aber nach links, wo sie das „Hochzeitszimmer" im Bogen umschließen.
Uber ihre sorgfältige technische Ausbildung gibt der perspektivische
Schnitt auf Seite 222 erschöpfend Auskunft. Er zeigt die Ausführung
bis zum Fußboden des ersten Obergeschosses, das zurückgenommen
wurde und als verglaste Veranda mit vorgelagerter offener Terrasse
ausgebildet ist. Von dieser letzten ragt eine Pergola aus 10 m hohen
Betonpfählen auf, die zur Bewachsung mit Schlingpflanzen bestimmt
sind. Sie tragen ebenso wie die klaren kubischen Hausflächen weißen
Edelputz; auch das große Restaurant ist in hellen Tönen gehalten. Es
wird also der Pflanzenwelt weder in Farben noch in Formen Konkurrenz
gemacht, sondern ihr nur taktvoll ein guter Hintergrund geboten. Das
Terrassensystem setzt sich in Form von Garten- und Hausterrassen in
ausgedehnten Flächen fort, auf denen die Besucher ganz im Freien
zwischen Blumen und Pflanzen bewirtet werden können. Sie sind in
nächster Nachbarschaft des Gebäudes in strengen Rabatten angeordnet
Oben und links die Südseite mit dem neuen zweigeschossigen
Terrassenbau, darunter das Bierlokal. An den Enden der Ter-
rassen vierseitig umschlossene, nach oben offene Nebensäle


