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Moderne Bauformen: Monatshefte für Architektur und Raumkunst — 29.1930

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Nr. 11
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Drei Kaufhäuser Schocken in Nürnberg Stuttgart und Chemnitz von Erich Mendelsohn
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https://doi.org/10.11588/diglit.75582#0563

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461

DREI KAUFHÄUSER SCHOCKEN in Nürnberg
Stuttgart und Chemnitz von ERICH MENDELSOHN
Mit 30 Photographien und 18 Grundrissen, Aufrissen und Konstruktionsblättern. Eingeleitet von Karl Konrad Düssel, Stuttgart

Erich Mendelsohn ist der Schöpfer der modernen Warenhaus-
form. Ich sage mit guten Gründen Form, nicht Typ des Waren-
hauses unserer Zeit. Einen Typ für das moderne Warenhaus, also
einen einwandfreien nüchternen Nutz- und Zweckbau zu erreichen,
der in allen Teilen vorbildlich rationell dem Betrieb und Ge-
schäftsablauf angepaßt ist, das wäre leichter gewesen. Leichter,
aber auch weniger. Mendelsohn wollte und erreichte mehr: die
architektonische Form für das moderne Warenhaus. Die Form
und Raumgestaltung, die alles zweckhaft Funktionelle in sich
einschließt und darüber hinaus dem nüchternen Begriff Waren-
haus architektonische Geltung und Schönheit schafft. Man darf
auch sagen: Poesie.
„Die Baukunst kündet sich an durch eine poetische Begabung",
heißt es bei Le Corbusier. Nun in Mendelsohns Warenhausbauten
ist diese poetische Begabung am Werke. Möglich und legitimiert
wird die Schönheit, die Poesie dieser Warenhausbauten, diese
neue Schönheit moderner Zweckarchitektur einzig und allein,
weil sie ganz von der Bestimmung dieser Bauten her gefunden
ist. Also keine Spur von Anleihen an Historisches. Keine roman-
tische Kulisse. Keine Warenhaus-Kathedralik.
Eine Schönheit des gutproportionierten Baukörpers zunächst.
Breit und wuchtig gelagert. Denn ein Warenhaus ist nun einmal
nichts Bescheidenes. Es braucht darum noch lange nicht protzig
zu sein. Eine Schönheit weiter, die den konstruktiven Gedanken
nicht verdeckt und negiert, sondern in sich aufnimmt und hervor-
hebt. Eine Schönheit, die sich des großen Mittels richtig gesehener
und richtig verwendeter Kontraste bedient. Und schließlich eine
Schönheit, die zu modernem Zauber wird, wenn sie das Licht, die
Beleuchtungsmöglichkeiten des Großstadtbaues verwendet. Wenn


Kaufhaus Schocken in Nürnberg. Hauptansicht des neuen
Teils vom Aufseßplatz. — Links unten Ansicht bei Nacht


das Band der Fenster zum flutenden Lichtband
wird und (wie in Mendelsohns Stuttgarter Schocken-
bau) der gläserne Treppenturm magisch hell im abend-
lichen Dämmer der Straße hervortritt, so wird hier
das Licht als gestaltendes Element der Architektur
und als herrliches Geschenk der modernen Technik
erkannt und verwendet. Zugleich wird mit dieser
schon durch ihre grandiose Einfachheit auffallenden
Beleuchtung dem Geltungsbedürfnis des Warenhauses
Genüge getan.
Nürnberg-Stuttgart-Chemnitz: Drei Waren-
hausbauten für die Firma Schocken. Für jede dieser
Städte eine besondere architektonische Note. Für
Erich Mendelsohn ein fortschreitender Erfolg. Mendel-
sohn ist als der Schöpfer der modernen Warenhaus-
form ganz konsequent seinen Weg gegangen. Konse-
quent in der Entfaltung und Durchbildung des
KAUFHAUS SCHOCKEN-NURNBERG UMBAU 1926
Umbau eines Fabrikgebäudes, erster Bauteil. Platzecke. Platz-
wand mit Treppenturm über dem Eingang. Niedriger Vorbau
ausgekragt — provisorisch in Holz — als Eingangserweiterung.
Neuer Warenhaustyp. Fenster über den Regalen der Außenwand
sturzfrei bis zur Decke. Daher Horizontalführung der Fenster-
bänder, ungebrochener Lichteinfall, gleichmäßiger Deckenreflex.
Im Rauminnern kein Regal über 1,50 m, daher freie Übersicht.
Material: Eisenkonstruktion mit Steinverkleidung und Putzflächen

MOD. BAUFORMEN 30. XI, 1
 
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