Moderne Kunst: illustrierte Zeitschrift — 15.1902

Page: iy
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/moderne_kunst1902/0443
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
MODERNE KUNST.

LIX


,argarethe Abränyi-Wein. Eines der beliebtesten Mitglieder der
Köriigl. Oper in Budapest, Frau Abränyi verabschiedete sich von der
Bühne um einem ehrenden Rufe" als Professorin an der Königl. Landes-Musik-
akademie in Budapest zu folgen. An dieser Akademie wirkte Franz Liszt vom
Jahre 1875 bis zu seinem Tode (1886) als Präsident und hatte im Palaste der
Akademie eine ständige Wohnung. In einem Salon derselben hält Frau Abränyi
ihre Vorträge. Die Künstlerin selbst hat ihre Ausbildung nebst der Theater-
schule den Professoren Käldy (Budapest) und Ress (Wien) zu verdanken. Seit
1884 gehörte sie als Mitglied der Budapester Königl. Oper an. Sie war ein
Liebling des Publikums, das ihren wohlgeschulten klangvollen Sopran und ihre
treffliche Darstellungsgabe stets mit Beifall belohnte. Die Rosine im „Barbier
von Sevilla“, Ophelia, Zerline, Frau Fluth, Nedda, Gilda („Rigoletto“), Hansel
(in Ilumperdincks Oper), Mathilde („Wilhelm Teil“), Carmen, Manon Lescault,
Marie („Verkaufte Braut“) und die Giamina im „Geiger von Cremona.“ Ihre
Vielseitigkeit zeigte sich so recht, als sie auch in ungarischen Volksstücken,
wie der „Dorflump“ und „Die rote Geldtasche“ auftrat und diese gesanglich
und schauspielerisch eigenartigen Aufgaben mit grosser Bravour löste. M. //.

•ü *

*

Bruno Iieydrich. Einen überaus vielseitig gebildeten und in deutschen

Bühnenkreisen bestens akkreditierten Künst-
ler bieten wir unseren Lesern in dem Portrait
des bekannten Tenoristen und Wagner-
sängers Bruno Iieydrich. Als Contra-
bassspieler in der Königl. Dresdener Ilof-
kapelle begann Iieydrich seine praktische
Musikerlaufbahn. Im Besitze hervorragend
schöner Stimmmittel fühlte er sich bald für
die Laufbahn des Bühnensängers berufen.
In den Theatern zu Mainz, Frankfurt, Köln,
Braunschweig u. s. w. übte der Künstler mit
stets wachsendem, bedeutendem Erfolg seine
Thätigkeit als Heldentenor aus. Bald zählte
iieydrich zu den gefeiertsten Vertretern
der Wagner’schen Reckengestalten. Ins-
besonders als Tristan hat der Künstler aller-
orten ganz aussergewöhnliche Erfolge zu
verzeichnen gehabt. Seine bedeutende musi-
kalische Intelligenz wie seine universelle
Bildung verwiesen iieydrich bald auch auf
eine emsige produktive Thätigkeit als Dichter
und Komponist. Seine erste Oper „Amen“ hat bereits an einem Dutzend
deutscher Bühnen die Feuertaufe glänzend bestanden. Unser Bild zeigt den
Künstler in der Hauptrolle dieser Oper, als Reinhardt. Eine zweite Oper
Ileydrichs „Frieden“ betitelt, soll demnächst an die
Oeffentlichkeit gelangen. Gegenwärtig wirkt der
Künstler als Vertreter erster Tenorparthien am Stadt-
theater zu Halle. Daneben ist er hier auch als Gesangs-
pädagoge und dramatischer Lehrer eifrig thätig. C. D.

Die vorstehende Abbildung einer interessanten
Postkarte wird bei allen Briefmarkensammlern
grosses Interesse erregen. Sie ist von einem Buren-
gefangenen auf Ceylon an seine Schwester in Berlin
gerichtet. Derselbe war als Photograph, in Transvaal
beschäftigt als der Krieg ausbrach, wurde nach
kurzer Zeit gefangen und auf Ceylon interniert. Die
Postkarte trägt, wie man sieht, den englischen Passier-
stempel, der in einiger Zeit natürlich eine grosse
Seltenheit sein wird.

* *

*

Für die Münchener Lehr- und Versuchs-
Anstalt für Photographie hat sich erfreulicher-
weise ein grosses Interesse gezeigt, so dass die
junge Anstalt, über deren Einrichtung wir in Heft 11
ausführlich berichteten, mit Zuversicht in die Zukunft
schauen kann. Wir veröffentlichen nebenstehend die
Porträts der Herren des Kuratoriums, die sich um
das Zustandekommen und die Weiterentwickelung
der segensreichen Neuschöpfung die grössten Ver-
dienste erworben haben.

*

Otto Borngräber, ein werdender Dichter, dessen
künstlerisches Schaffen nicht ohne tiefen Eindruck
geblieben ist, erlebte am 3. März die Erstaufführung
seiner neuen Giordano-Bruno-Tragödie: „Das

F. Freund, Braunschweig, phot.
Bruno Heydrich.


neue Jahrhundert“ an
einer öffentlichen Bühne:
am fast ausverkauften Stadt-
theater zu Halle. Der erst
26jährige Dichter, eines alt-
märkischen Lehrers Sohn,
beginnt seine grosse Tra-
gödie mit dem Aufenthalte
Brunos im Hause des Grafen
Mocenigo zu Venedig, schil-
dert dessen Zusammen-
treffen mit anderen Geistes-
helden: Galilei, Fra Paoli
Sarpi, Capanello, Morosini
und vielen andern. „Unter
diesen freien Geisteshelden
steht in erster Linie, ein-
sam in seiner Grösse,

Giordano Bruno, der ge-
waltige italienische Domini-
kanermönch, der schon vor
300 Jahren die Grundsätze
des heutigen Monismus mit
der Glut der Leidenschaft
verkündete und mit seinem
Flammentod besiegelte.“

Die Verbrennungsscene war
bei der Erstaufführung ge-
strichen und die treffliche
Aufführung, die mit grossem Beifall aufgenommen wurde, endete mit einer
ergreifende)? Kerkerscene, die wir unsern Lesern im Bilde vorführen.

* *

*

Das neue „Kaiserabzeichen“ des Deutschen-Flotten-Vereins. Mehr und
mehr ist es auch in Deutschland gebräuchlich geworden, die Mitglieder von
Vereinen durch äussere Abzeichen erkenntlich zu machen und — es mag das
gesagt sein — mit einem gewissen Stolz trägt wohl jeder Mann gerade die Er-
kennungsmarke seines Vereines — um so mehr, wenn dieser, wie z. B. alle
Kriegervereine, aus dem Boden gemeinsamen patriotischen Strebens emporwuchs.
Mit dem Umfange solcher Männerverbände und mit deren Zielen wächst nun
natürlich auch deren Bedeutung und mitderBedeutung selbstredend auch das Selbst-
gefühl, das durch die Zugehörigkeit wachgerufen wird. Nach beiden oben berührten
Richtungen kann sich nun wohl kaum eine andere Vereinigung mit dem Deutschen
Flotten-Vereine messen, denn dem Umfange nach sind dessen fast 600000

F. Bimpage, Halle a. S., phot.
P. Wiecke, Dresden. Frl. Ch. v. Schultz, Halle.
Kerkerscene aus Otto Borngräbers Tragödie
„Das neue Jahrhundert“.

13. Dittmar, München,

N Vorsitzender.

K. Hahn, A. Adolf,
München. Passau.

W. Pöllot, Schulrat G. Michel,

Darmstadt. Dr. Kerschensteiner. Strassburg i. Eis.
Ober-Regierungs- Th. Schumann, G. H. Emmerich,
rat Jul. Blaul. Karlsruhe. Direktor der Anstalt.

Dittmar, München, phoU
M. Brunner, München. •
Schriftführer.

K. Kubico, Heilbronn.

Das Kuratorium der Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie in München.
loading ...