Moholy-Nagy, László
Malerei, Fotografie, Film — Muenchen, 1927

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TYPOFOTO

Nicht Neugier, nicht wirtschaftliche Rücksichten allein, sondern ein tiefes mensch»
liches Interesse an den Vorgängen in der Welt haben die ungeheuere Verbreitung
des Nachrichtendienstes: der Typografie, des Films und des Radio geschaffen.

Die gestaltende Arbeit des Künstlers, die Versuche des Wissenschaftlers, die
Kalkulation des Kaufmanns, des heutigen Politikers, alles was sich bewegt, alles
was formt, ist in der Kollektivität der aufeinanderwirkenden Geschehnisse
gebunden. Das im Augenblick aktuelle Tun des Einzelnen wirkt stets gleich»
zeitig auf lange Sicht. Der Techniker hat die Maschine in der Hand: Befrie»
digung momentaner Bedürfnisse. Aber im Grunde weit mehr: er ist Initiator
der neuen sozialen Schichtung, Zukunftebnender. Eine solche Wirkung auf
lange Sicht hat z. B. die heute noch immer nicht genügend beachtete Arbeit des
Druckers: internationale Verständigung mit ihren Folgerungen.

Die Arbeit des Druckers ist ein Teil des Fundamentes, auf dem die neue Welt
aufgerichtet wird.

Das konzentrierte Werk der Organisation ist geisterfüllte Konsequenz, die alle
Elemente menschlichen Schaffens in eine Synthese bringt: Spieltrieb, Anteil»
nähme, Erfindungen, wirtschaftliche Notwendigkeiten. Der eine erfindet das Druk»
ken mit beweglichen Lettern, der andere die Fotografie, ein Dritter Rasterver»
fahren und Klischee, ein Nächster die Galvanoplastik, den Lichtdruck, das mit
Licht gehärtete Zelluloidklischee. Die Menschen schlagen einander noch tot,
sie haben noch nicht erfaßt, wie sie leben, warum sie leben; Politiker merken
nicht, daß die Erde eine Einheit ist, aber man erfindet das Telehor: den Fernseher—
man kann morgen in das Herz des Nächsten schauen, überall sein und doch allein
sein; man druckt illustrierte Bücher, Zeitungen, Magazine — in Millionen. Die

I Eindeutigkeit des Wirklichen, Wahren in der Alltagssituation ist für alle
Schichten da. Langsam sickert die Hygiene des Optischen, das Gesunde des
Gesehenen durch.

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