Moholy-Nagy, László
Malerei, Fotografie, Film — Muenchen, 1927

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VON TECHNISCHEN
MÖGLICHKEITEN UND
FORDERUNGEN

Praktische Vorbedingung einer absoluten Filmgestaltung sind vorzügliche Präparate
und bestentwickelte Apparatur.

Eine Schwierigkeit für die Verwirklichung bestand bisher vor allem darin, daß
die absoluten Lichtspiele entweder durch mühsame Tricktisch*Zeichnungen oder
mit schwer aufnehmbaren Licht»Schattenspielen hergestellt wurden. Notwendig
wäre ein mechanisch kurbelbarer oder anders kontinuierlich arbeitender Apparat.

Die Vielfältigkeit der Lichterscheinungen kann auch durch Benutzung mechanisch
beweglicher Lichtquellen gesteigert werden.

Die Analogie einer Lichtgestaltung im Stehbilde mit oder ohne Kamera muß
in der Herstellung eines ähnlich organisierten Filmes zu verschiedenen Erfin»
düngen führen. So kann man zwischen die Lichtquelle und den lichtempfind»
liehen Streifen kleine bewegliche Schablonen mit Schlitzformen (Mustern usw.)
einschalten und dadurch eine wechselnde Belichtung des Streifens fortlaufend
ermöglichen. Dieses Prinzip ist sehr dehnbar, und sowohl bei darstellerischen
(Objekt»)Aufnahmen als auch bei absoluter Lichtgestaltung anzuwenden.

Man könnte — auf Grund einer Prüfung des Vorhandenen und durch richtige
Fragestellung — zu zahllosen technischen Neuerungen und Möglichkeiten kommen.
Schon allein die Analyse der opto»fonetischen Beziehungen muß zu radikal
veränderten neuen Formen führen. Aber alle Prüfungen, Versuche, Spekulationen
sind nichts, wenn sie nicht aus Neigung und Konzentration, die die Grundlage
einer jeden schöpferischen Arbeit, auch der Fotografie und des Films gewesen
sind, entstehen. Das unvermeidlich gewesene Herumtaumeln in traditionellen

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