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Mojzer, Miklós
Werke deutscher Künstler in Ungarn — Studien zur deutschen Kunstgeschichte, Band 329: Baden-Baden: Heitz, 1962

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https://doi.org/10.11588/diglit.73091#0029
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V

Die Fäden der Organisation und die Ausarbeitung von Entwürfen für "amtliche" Bauarbeiten
liefen im Bauamt der Königlich-Ungarischen Hofkammer zusammen. Die hier angestellten
"Cameralarchitekten" waren fast ausnahmslos Österreicher, durch deren Tätigkeit tradi-
tionelle Bauformen und Lösungen in Ungarn zum Ausdruck kommen. Eigentlich stellen sich
beim Bau von Kasernen, Ämtern, Schulen, Kornmagazinen, Gasthäusern und herrschaftlichen
Verwaltungsgebäuden größtenteils nur kleinere künstlerische Ansprüche, aber ein gewisser
Bruchteil der hier beschäftigten Architekten wird durch die Kammer oder durch den Herrscher
auch für größere Aufgaben verwendet.
Der erste hervorragende Kameralmeister in dieser Reihe ist Johann Baptist Martinelli (gest.
1757); nach ihm wird Franz Anton Hillebrandt "Cameralarchitekt" und versieht sein Amt
bis zur Einrichtung der "Allgemeinen Oberhofbau-Direction", in der er auch weiterhin eine
führende Rolle spielt. Von 1788 an, seit der Organisierung der Landesbaudirektionen, hat
das von Stanislaus Heppe und Josef Tallherr geführte Zentralamt immer mehr nur admini-
strative Angelegenheiten zu regeln, während das Künstlerische neben dem Ingenieurmäßigen,
Hydrotechnischen und Schiffahrtsarbeiten gänzlich in den Hintergrund tritt.
Als der typische neue Baukünstler in Ungarn erscheint 1757 Hillebrandt im Vordergrund, ein
reiselustiger österreichischer "Architectus", im Westen geschult und gebildet, viel weniger
an italienischen und klassischen Vorbildern erzogen, als von österreichischen, niederländi-
schen und fast ausschließlich norddeutschen beeinflußt, so daß wir ihn von allen in Ungarn
beschäftigten Meistern als den am meisten der deutschen Tradition zugetanen österreichischen
Baukünstler wertschätzen. Ein Akademiker, nicht nur Mitglied der Wiener Akademie, der
seine Vorbilder mit einer beinahe pedantischen Strenge und sozusagen mit amtlichem Ernst
auswählt, und der seine Bauaufgaben mit einer gewissen Starrheit löst. Er gehört nicht zu
den Größten, steht auch in der zweiten Reihe nicht ganz vorn, er ist jedoch derjenige Bau-
künstler, der sich in seiner besonderen Kultiviertheit sowohl dem zum Zerfall neigenden
österreichischen Spätbarock als auch der ungarländischen Architektur widmete. Sein Werde-
gang ist deswegen vorn österreichischen und deutschen Barock untrennbar, jedoch ist Hille-
brandts Kunsttätigkeit besonders in Ungarn hochzuschätzen, da die Gesamtheit seiner Bau-
werke beinahe ausschließlich unserem Landesgebiet zufiel. Zudem wendet er sich mit Vorliebe
dem Zopfstil zu, welcher in österreichisch-böhmisch-ungarischen Gegenden als anziehende
Abart des Spätbarocks sich verbreitete und wohlgelitten war. Dieser östliche Verwandte des
Louis-XVI-Stils gestaltet sich gerade durch Hillebrandt in vielem selbstständig und lokal;
während am Anfang des französischen Louis XVI das neuartige Platzgreifen griechischer An-
tikisierung stand, verwandeln sich auf ungarischem Boden Resultate des deutschen Barocks
und schon klassisch gewordene Exempel in verwendbare und nachahmenswerte Vorbilder.
Verwendbarkeit und Zweckmäßigkeit beherrschen grundsätzlich die Gestaltungen des Zopf-
stils, und damit auch die von Hillebrandt. Diese bezeichnende Periode der Spätbarockkunst
zeigt sich als eine Art "angewandtes Barock", und gerade ihre manierhaften Züge, ja sogar
ihr manieristisches Wesen trennt es nicht nur von seinen französischen, sondern gewissermaßen
auch von den deutschen Entsprechungen. Hillebrandts künstlerischer Weg führt nicht in die
Richtung des Frühklassizismus, bedeutet aber die Voraussetzung desselben. Mit ihm endet
in Ungarn die große Epoche der Summierung des deutschen und österreichischen Barocks,
und die Verpflanzung ihrer manierhaft abgeleiteten Lehren.
Ebenso wie Hefele ist auch Hillebrandt vor allem Palaisbauer. In seinen Palästen für Hoch-
adelige in Preßburg leben Wiener Palaisbauelemente sparsamer, flacher und steifleiniger
fort, so als wären sie seiner zurückhaltenden, vornehm eklektischen und etwas müden Stilart
beredte Zeugen. Ihr Schöpfer ist ein wahrhaft befähigter Architekt, der die verschiedensten
 
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