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Mojzer, Miklós
Werke deutscher Künstler in Ungarn — Studien zur deutschen Kunstgeschichte, Band 329: Baden-Baden: Heitz, 1962

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https://doi.org/10.11588/diglit.73091#0032
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VI

In Hefeles ungarischem Kunstschaffen bedeutet Fertöd (Eszterhäza) die erste große Aufgabe.
An diesem großartigen und prachtvollen Schloßbau beteiligten sich vorwiegend Wiener Mei-
ster, und unter diesen scheint Hefele, der Zeichenlehrer der ungarischen Hofleibwache, eine
bedeutende Rolle gespielt zu haben. Zwar können Erweiterung und Umbau von Schloß Fertöd
(von 1762 bis in die sechziger Jahre das dritte Stockwerk im Hauptgebäude, das große äußere
Treppenwerk, beide bis heute erhalten) nur in Grenzen in Hefeles Stilentwicklung eingefügt
werden, angesichts seiner französischen Rokokoform, die durch Geschmack und Anweisung
Miklös Esterhazys des Glänzenden und durch das Vorhandensein des älteren Schlosses bestimmt
ist. Schloß Fertöd entspricht im großen und ganzen durchaus nicht Hefeles Kunstgesinnung,
die Ausführung konnte aber in vielem nur durch ihn so verwirklicht werden. Neben französi-
schen Vorbildern des "ungarischen Versailles" findet man ein österreichisches, nämlich Schloß
Schönbrunn: der Treppenaufgang im Hof (vermutlich Hefeles Werk) folgt den Grundsätzen
Schönbrunns, auch ist eine "kleinere" und "größere" Galerie wie in Schönbrunn angelegt.
Die Ausbildung der Gartenfassade, die Architektur der Innenseite der Hofflügel (Verwandt-
achaft mit Balthasar Neumanns* Plänen für das Schloß in Würzburg, dessen Mittelrisalit mit
der vorderen Domfront in Steinamanger eng verwandt ist) zeugt von deutsch abgeklärten
französischen Mustern. In Balthasar Neumanns Kreis ist der dort wirkungsvoll beschäftigte
junge Hefele, der eklektische Meister des österreichischen Spätbarocks, ebenso wie Hille-
brandt von gänzlich deutscher Schulung. Er ist ein deutscher, noch dazu nordischer Künstler,
in dessen Gestaltungen sich eine südliche, französische oder italienische Einwirkung nur
schwach bemerkbar macht. Ein Theoretiker durch und durch, Regeln und Gesetze erarbei-
tender und zur Geltung bringender Architekt, der später Palladios Grundsätze in der schwer-
fälligen Gemütsanlage des österreichischen Barocks verwirklicht. Gewiß legt er von seinem
Erstlingswerk, dem Hochaltar in Sonntagsberg (1755/56) und den Wiener Innendekorationen
bis zum Domumbau in Györ (Raab) - und besonders zur Ausstattung desselben - einen langen
Weg zurück; so wie sein vorzüglichster geistiger Vorgänger, Georg Raphael Donner, wächst
er immer mehr und mehr heran und wird durch seine Auftraggeber fortwährend gesetzter und
"klassische r".
Während in der bischöflichen Kirche in Györ (Raab) den damals schon namhaften Künstler
der italienischen Renaissancetraditionen folgende Baumeister Giovanni Rana beeinflußt haben
soll, unterstützt ihn in Szombathely (Steinamanger) - einst zur Römerzeit Pannoniens größte
Stadt - der eben zu dieser Zeit dort auflebende Patriotismus (Szily, Schönwiesner) bei der
Verwirklichung seines größten Lebenswerkes. Die großangelegte Raumgestaltung der Kathe-
drale zu Raab, auf welche er sich in seiner 1782 an die Kammer gerichteten Bittschrift mit
Recht beruft, ist in ihren Grundsätzen logischerweise ein stilverwandter Vorgänger von Stein-
amanger. Auch hier bestimmten mittelalterliche Bauten und die Umgestaltung durch Rana
gewisse Möglichkeiten; das geradlinig gezogene und betonte Hauptgesims, die Reihe der
rationell gegliederten Bögen und Pfeiler, die Ausbildung des säulenbekränzten Sanktuariums
und die mächtigen Fenster bringen Hefeles einzigartig übersichtliche Konstruktion zum Aus-
druck, wo schwellende Formen in umfangreichen Baumassen sich ineinanderdrängen und wo
rokokomäßige Verzierungen in der Baukonstruktion keine Rolle mehr spielen. Hefeles künst-
lerische Stimme hat beinahe etwas von militärischem Klang, seine abgegrenzte, glatte,
Einheitlichkeit anstrebende Bauidee ist mit der Strenge eines hochbegabten Autodidakten
gepanzert, der Kunsttugenden nur in dem Sinne duldet oder anerkennt, wie es aus seinen
an Käroly Esterhazy gerichteten Briefen hervorgeht, "daß er sich an die Bauregeln halte".
Wären seine handschriftlichen Aufzeichnungen über theoretische Baukunde erhalten geblieben,
käme man gewiß dem Verständnis näher, in welchem Sinne er diese Gesetze eigentlich auf-
faßte. Was ihm aus diesen zu verwirklichen gegeben war, ist zweifellos in seiner Residenz

* Vgl. die Anmerkung auf Seite 20.
 
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