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Monatshefte der kunstwissenschaftlichen Literatur — 1.1905

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Sechstes Heft (Juni 1905)
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Simon, Karl: [Rezension von: Jarno Jessen, William Hogarth - Renoit, William Hogarth]
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Schottmüller, Frida: [Rezension von: Fritz Burger, Geschichte des florentinischen Grabmals von den ältesten Zeiten bis Michelangelo]
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https://doi.org/10.11588/diglit.50013#0140

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132

Monatshefte der kunstwissenschaftlichen Literatur.

Juni-Heft.

eine ausführliche Charakteristik des Künstlers
Platz, der sich im dritten Kapitel seine „Feld-
züge“ auf moralischem, sozialem, politischem und
künstlerischem Gebiet anschiessen. Das Schluss-
kapitel, das „der Kunst“ des Meisters gewidmet
ist, befriedigt weniger als die gleichen Aus-
führungen bei J. Jessen; da wird in grösserer
Kürze Besseres gesagt. Die entgegengesetzten Ur-
teile über die Komposition bei Hogarth sind
interessant als Dokumente national verschiedener
Anschauung. Wiederholungen und Nachträge sind
bei der Anordnung unvermeidlich. Verweise
suchen dem Uebelstand nach Möglichkeit abzu-
helfen. Die Hauptliteratur ist kurz gegeben; dass
Lichtenberg nicht ein einziges Mal genannt wird,
muss doch wundernehmen.
Die Zinkotypien bringen dankenswerterweise
einen Cyklus, den „Lebenslauf des Liederlichen“
vollständig. Karl Simon

Italienische Kunst.
Fritz Burger: Geschichte des florentinischen
Grabmals von den ältesten Zeiten bis Michel-
angelo. 4°. 423 S., 288 Abb. Strassburg 1904.
J. H. E. Heitz. Preis 60 M.
Ein umfangreiches Buch über ein wichtiges
Thema. In ihm das ehrliche Streben, das in Frage
kommende Material nach Breite und Tiefe zu er-
schöpfen, dazu übersichtliche Gliederung des Stoffs
und eine Beihe neuer, guter Beobachtungen neben
der Zusammenfassung schon bekannter’ Dinge.
Das alles ist an dem Werk Fritz Burgers unbe-
dingt zu rühmen. Leider ist die volle Beherr-
schung des Materials nicht überall erreicht.
Speziell im ersten Kapitel, das schneller geschrieben
scheint, als die übrigen, finden sich Sätze wie
„Das Individuum tritt hier (im römischen Nischen-
grabmal des 13. Jahrhunderts) zum erstenmal —
bezeichnenderweise im Grabmal — seiner Gottheit
persönlich gegenüber“ (S. 10) und die Deutung
des gewickelten Christuskindes am Sarkophag in
S. Ambrogio in Mailand als „der ältesten Dar-
stellung des Toten“ (S. 12 und Abb. 1), Dinge, die
in einem Buch über italienische Kunst zum min-
desten verblüffen. — Zuverlässiger klingen die
Kapitel über das eigentliche Thema, die Entwick-
lung des Grabmals in Florenz. Vom einfachen
Avello und dem Grabmal Davanzati in Sta Trinitä
führt uns B. zum Konsolen- und Wandnischengrab
der Gotik, dann zur Renaissance. Hier geht der
Weg von dem malerischen Grabmal Johanns XXIII.
und dem Bruni-Grab im strengeren Brunelleschi-

Stil zum Ausgleich dieser zwei Aus drucks weisen in
Desiderios Marsuppini-Monument. Besonders ein-
gehend würdigt B. dies. Er sieht hier mit Recht
den Höhepunkt quattrocentistischer Zierkunst.
Dem Grabmal des portugiesischen Kardinals mit
seiner bedenklichen Lockerung des architektonischen
Organismus werden die architektonisch-strengen
Werke Mino da Fiesoles gegenübergestellt. Sie
leiten zu Sansovino hinüber, ja zu Michelangelo.
In den frühsten Entwürfen zum Julius-Monument
finden sich Anklänge an Minos — heut zerstörtes
— Grabmal Paul II. — Dann wird von den
Mediceer-Gräbern ausführlich gehandelt. Auf den
Arbeiten von Geymüllers, Thodes u. a. fussend
sucht B. die künstlerischen Intentionen Michel-
angelos für die so verschiedenen Entwürfe zu be-
greifen und die Umänderungen derselben aus den
inneren Hemmungen und Trieben des Künstlers
zu erklären. In besonderen Kapiteln sind die
Arcosolien-Gräber des Quattro- und Cinquecento
vereint. Allzu kurz sind die Grabplatten abge-
handelt worden. Schon als Einleitung zum Grab-
mal Sixtus IV. waren sie notwendig; dann auch
als wichtige Typen bei der Geschichte des psycho-
logischen Ausdrucks.
Ob bei der Umdatierung der Grabplatten
Crivellis und Martins V., die beide unter Donatellos
Aufsicht 1432|3 in Rom entstanden, Druckfehler
oder Absicht vorlag, wird nicht ersichtlich. — Die
Zusammenstellung der in- und aussertoskanischen
Grabmäler, die in Abhängigkeit von florentinischen
— speziell im Quattrocento — geschaffen worden
sind, ist im ganzen dankenswert, im Detail nicht
immer einwandfrei.
Eine Reihe längerer Exkurse, die Publikation
von Urkunden über Begräbniswesen, von Zeich-
nungen und Beschreibungen zerstörter Grabdenk-
mäler hat B. an den Schluss gebracht, damit der
Gedankengang des ganzen Buchs nicht zu häufig
unterbrochen würde. Denn der Verfasser — hier
liegt für mich das Bedeutungsvolle von B’s Werk
— sieht eine Geschichte des florentinischen Grab-
mals nicht in der Registrierung der Bestände und
der Aufzählung der dazugehörigen Literatur. Die
Entwicklung, die das Grabmal in seiner äusseren
Form und dem gedanklichen Inhalt seiner Deko-
ration durch die Jahrhunderte hindurch genommen
hat, versucht er klar zu legen; das Auftaucheu
eines formalen und eines gedanklichen Motivs, seine
Umbildung durch eine anders geartete Generation,
sein Absterben oder das Verschmelzen von zwei
heterogenen Formmotiven zu einer neuen Bildung,
der Einfluss der antiken Ueberreste auf Kompo-
sition, auf Form-Detail und den Ideen-Inhalt: das
sind die Fragen, die B. interessieren. Dass er sich
 
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