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Der Hase und der Mensch.

S8»


„Ich sage Dir nur dieses Eine, mein Sohn," sprach der
alte Hase zum jungen Hasen; „hüte Dich immer und überall vor
den Menschen! denn das Geschlecht der Menschen meint es nie-
mals gut mit dem Geschlechte der Hasen!" — „Die Menschen!?
Was ist denn nur das: die Menschen?!" so dachte und smnirte
der junge Hase und befragte die alte Eule, die im Walde in
einem hohlen Baume wohnte und im Rufe großer Weisheit stand.


lich einen Menschen von Angesicht zu Angesicht sehen könnte.
Und der Fuchs war just bei guter Laune, und sprach: „Geh
mit mir!" Und sie kamen selbander an ein Feld, in dem eine
Vogelscheuche ausgerichtet war, und der junge Hase fragte den
Fuchs: „Ist das ein Mensch?" Und der Fuchs sprach darauf:


Fuchs einen Jäger von Ferne hcrankvmmen, und sprach zum
jungen Hasen: „Jetzt gicb Acht, Jüngling! Dort kömmt ein
Mensch! Schaue ihn nur recht genau an und lebe wohl!" Und
der Fuchs eilte davon in das tiefste Dickicht des Waldes. Der

Mnnehener Bilderbogen.



„Ah was!" sagte die Eule, „ein einfältiges Volk sind sie, die
Menschen, ohne Flügel und Krallen, die sich Nachts vor meinem
Gesänge fürchten!" — „Nun, dann ist's ja doch nicht so arg
damit, als es mein Vater gemacht hat!" dachte der junge Hase,
und fragte sodann den alten Bären, der in einer Höhle wohnte,
was denn die Menschen eigentlich seien? „Ein schwaches Gesindel
ist cs, das nicht einmal einen Pelz auf dem Leibe trägt! Wenn

ich Einem von ihnen begegne, so drücke ich ihn mit meinen
Bratzen todt!" sagte der Bär mit tiefem Brummen und legte
sich wieder an die Sonne. „O je," dachte der junge Hase,
dann ist's ja doch gar nichts so Gefährliches um diese Men-
schen! Aber sehen, sehen möchte ich'"'doch einmal Einen, aus
purer, bloßer Neugierde!" Und er befragte sodann den Fuchs,
der eben spazieren ging, ob und wo man denn einmal gelegent-


„Nein, das stellt nur Einen vor!" Und sic kamcn alsdann in
einen Wald nnd begegneten einem uralten Manne, der ein Bün-
del Reisig, das er gesammelt, mühselig fortschleppte. Und der
junge Hase fragte wiederum den Fuchs: „Das aber ist wohl ein
Mensch?" Und der Fuchs antwortete: „Das war einmal Einer."


Und wiederum nach einer Weile begegneten sie einem kleinen,
kleinen Büblcin, das Erdbeeren suchte, und der junge Hase fragte
abermals: „Das ist nun aber doch sicherlich ein Mensch?" Und
der Fuchs verneinte es abermals und sprach: „Das wird erst
einmal Einer!" Und wieder nach einer guten Weile sah der



junge Hase aber eilte freudig auf den Jäger zu, machte ein
Männchen über das andere, und schaute den Jäger voll Neu-
gierde an. Und der Jäger lachte, nahm sein Gewehr von der
Schulter und schoß den jungen Hasen todt. Darauf steckte er

ihn in seine Waidtaschc und ging seines Weges weiter. Ver-
jünge Hase aber hatte nun einen Menschen gesehen, und seines
Vaters, des alten Hasen, weise Warnung — zu spät — als
wahr erkennen gelernt.

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HeranSgegebcn und verlegt von K. Brann und F. Schneider in München.

Druck von C. N. Schnri ch in M n u ch e u.
 
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