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Schwäbische Kunde

8»4

Als Kaiser Rotbart lobesain Da mußt' er mit dem frommen Heer Daselbst erhub sich große Not,
Zum hcil'gen Land gezogen kam, Durch ein Gebirge wüst und leer. Biel Steine gab's und wenig Brot,



Und mancher deutsche Rcitersmauu
Hat dort den Trunk sich abgethnn;
Ten Pferden war's so schwach im Magen,

Nun war ein Herr aus Schwabenland
Bon hohem Wuchs und starker Hand,
Tcß' Rößlein war so krank und schwach,

Fast mußt' der Reiter die Mähre tragen. Er zog es nur am Zaume nach


Ließ sich den Schild mit Pfeilen spicken
Und thät nur spöttisch um sich blicken,

Bis einer, dem die Zeit zu laug,
Auf ihn den krummen Säbel schwang,

Hinter dem Heereszug zurück.
Da sprengten plötzlich in die Quer'
Fünfzig türkische Reiter daher.
Die Huben an, auf ihn zu schießen,
Nach ihm zu werfen mit den Spießen.
Der wack're Schwabe forcht sich uit,
Ging seines Weges Schritt vor Schritt,

Da wallt dem Deutschen auch sein Blut,
Er trifft des Türken Pserd so gut;





Er haut ihm ab mit einem Streich
Die beiden Bordersüß' zugleich.
Als er das Tier zu Fall gebracht,
Da faßt er erst sein Schwert mit Macht;

Er schwingt cs auf des Reiters Kops,
Haut durch bis aus den Sattelknopf,
Haut auch den Sattel noch zu Stücken
Und tief noch in des Pferdes Rücken.


Zur Rechten fielst man, wie zur Linken,
Einen halben Türken heruntersinkcn.
Da packt die ander n kalter Graus,
Sie fliehen in alle Welt hinaus,


'i,

Und jedem ist's, als würd' ihm mitten
Durch Kopf und Leib hindurch geschnitten.
D'rauf kam des Wegs 'ne Christenschar,
Die auch zurückgeblieben war,
Münchener Bilderbogen.
2. Auflage.
(Alle Rechte Vorbehalten.)

Die sahen nun mit gutem Bedacht,
Was Arbeit unser Held gemacht.
Bon denen hat's der Kaiser vernommen.
Der ließ den Schwaben vor sich kommen,
Und sprach: „Sag' an, mein Ritter wert,

Nro. 834.

Kgl. Hof-und Universitäts-Buchdruckerei von I)r. C. Wolf L Sohn in München.

Wer hat Dich solche Streich' gelehrt?"
Der Held bedacht' sich nicht zu lang:
„Die Streiche sind bei uns im Schwang;
Sie sind bekannt im ganzen Reiche,
Man nennt sie halt nur Schwabenstreiche."

Mhlmld.

Herausgegeben und verlegt von Brau» L Schneider in München.
 
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