Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Overview
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
Der Nazi und sein Heu.

RL32


1.
Nazi Heu geladen hat —
Los werden möcht' er's in der Stadt.
Schwül ist der Tag; doch so zu liegen
Im weichen Heu, ist ein Vergnügen.
Heut' ist nran auch nicht ganz allein —
Noch Mancher zieht zur Stadt hinein.
Da fährt inan, Wagen dicht an Wagen,
Man raucht und plaudert voll Behagen . .

Halloh, da kommt der Herr Baron.
„Ausweichen, Bauer!" — „Thu's ja schon!"
O, Nazi, Nazi, das war dumm,
Perdauz — da kippt der Wagen nur!


2.
Jetzt heißt's ihn wieder anfzurichten —
O je, o je, sind das Geschichten! —
So so, das wäre auch gescheh'«.
Nun kann die Fuhre weiter geh'n.
Schwül ist's. Den Nazi schläfert sehr -—
Auch Hunger quält ihn, Durst noch mehr.
Gottlob, ein Wirtshaus! „Heda, halt!
Ein Bier und Essen — aber bald!"
Das hat geschmeckt! das Bier dazu!
Und nun — ein Viertelstündchen Ruh.
Der Nazi schläft. Wie sich das ruht
Im dnft'gcu Heu — ach, wnndergnt!


Und neue Wagen treffen ein —
Schon stehen sie in dichten Rcih'n.

Und immer wieder kommen neue —
Die Pferde zupfen an dem Heue.


Der Nazi schläft in guter Ruh,
Die Pferde zupfen immerzu.

Der Nazi schläft und schnarcht dabei —
Und immer wen'ger wird das Heu.



Die Fnhrlent' stell'» sich ans im Kreis.
Und stoßen sich und flüstern leis.

Mit einem mal wird laut gelacht
Und „Nazi!" rnft's. Und der — erwacht.

Verwundert schaut er ringsumher:
Im Wagen sitzt er. Der ist leer!

6.
I „Mein Heu! Wo ist's in aller Welt?"
Los ist er's worden — ohne Geld!

Münchener Bilderbogen.
(Alle Rechte Vorbehalten.)

Siro, l 132.
Kgl. Hof- und Universitäts-Buchdruckerei von 2r. C. Wolf L Sohn in München.

Herausgegeben und verlegt von Braun H Schneider in Münch en.
 
Annotationen