Blinder Eifer schadet nnr
Frühlingssonne schien so warm.
Pv Hinaus zog munter reich und arm.
Weil — wenn die Lüfte milder weh'n —
Die Menschen gern spazieren gch'n.
Papa, Mama, der Kinder drei
Und auch der Vetter war dabei!
Der kleine Fritz bat lange schon
Einmal um einen Luftballon.
Da stand ein Mann just vor der Stadt,
Der solche feilgeboten hat.
Weshalb Papa denn auch sofort
Dem Kinde einen kaufte dort.
Doch alle sprachen warnend d'ranf:
„Nun aber gib recht acht darauf;
Denn leicht entschlüpft ein Luftballon
Und fliegt dann rettungslos davon!"
Der Kleine aber dachte sich:
„Das gibt's nicht — dafür sorge ich!"
Doch Plötzlich draußen auf der Flur
Entglitt dem Fritz die dünne Schnur.
Uud alle riefen gleich entsetzt:
„O Weh — er fliegt — da hast
Du's jetzt!"
Indes gebot dem Flüchtling bald
Ein Baum mit seinen Ästen halt.
Der Kleine heulte los darauf.
Die andern sah'n zum Baum hinauf
Und dachten emsig hin und her.
Wie der Ballon zu kriegen wär'.
„ Ich hab's!" sprach kühn der Vater dann
Und schlenderte den Stock hinan.
Der Luftballon erbebte zwar;
Das Ende aber davon war.
Daß auch der Stock jetzt oben blieb —
Das war dem Vater gar nicht lieb.
Denn einen Nutzen hat man kaum
Bon.einem Stock hoch ans dem Baum.
Der Vetter sprach: „Geduldet Euch!
Die hab' ich alle beide gleich!"
Er zielte mit dem Finger scharf.
Dann bog er sich zurück und warf.
3.
Doch alle sah'n bestürzt gar sehr:
Der zweite Stock kam auch nicht
mehr!
Fritz heulte nun erst schauderbar.
Die Mutter rang die Hände gar
Und rief: „O Männer, haltet ein!"
Die aber schrie'n voll Hitze: „Nein!
Das Alles muß herunter da!"
Nach Laura's Schirm griff gleich Papa;
Doch ach, von Freunden in der Not
Geh'n ihrer dreißig auf ein Lot:
Dem Schirm gefiel's im Baume hoch
Viel besser als bei Laura noch!-
Und nun begann ein wilder Streit:
Die Männer, voll Verwogenheit,
Erfaßten was nur werfbar war —
Schuh, Stiefel, Tasche, Puppen gar!
Fritz schrie nunmehr gerad' hinaus;
Auch Lieschen hielt es nicht mehr ans
Und heulte wie der Wetterwind.
Die Mutter rief: „Seid Ihr denn blind?
4.
Ihr werft uns ja, daß Gott erbarm'.
In Eurer wilden Wut noch arm!"
Doch ach, da gab es keinen Halt;
Der letzte Stiefel folgte bald.
In Strümpfen standen beide da
Und Vetter's Hut zertrat Papa,
Und dennoch schrie'n sie wütend noch:
„Herunter muß er aber doch!"
Da Plötzlich flog der Luftballon —
Durch einen Wurf befreit — davon!
Da kamen erst die Männer jetzt
Zu sich und sahen ganz entsetzt.
Wie der Familie Eigentum
Verloren hing am Bann: herum.
Die Kinder heulten fürchterlich —
Selbst Laura weinte still für sich.
Den Vetter schmerzte sehr sein Hut.
So standen sie mit trübem Mut
Und traurig da ans weiter Flur-
Den« blinder Eifer schadet nur!
Münchener Bilderbogen.
(Alle Rechte Vorbehalten.)
Nro 1133.
Kgl. Hof- und Universiläts-Buchdruckerei von Or. C. Wolf L Sohn in München.
Herausgegeben und verlegt von Braun L Schneider in München.
Frühlingssonne schien so warm.
Pv Hinaus zog munter reich und arm.
Weil — wenn die Lüfte milder weh'n —
Die Menschen gern spazieren gch'n.
Papa, Mama, der Kinder drei
Und auch der Vetter war dabei!
Der kleine Fritz bat lange schon
Einmal um einen Luftballon.
Da stand ein Mann just vor der Stadt,
Der solche feilgeboten hat.
Weshalb Papa denn auch sofort
Dem Kinde einen kaufte dort.
Doch alle sprachen warnend d'ranf:
„Nun aber gib recht acht darauf;
Denn leicht entschlüpft ein Luftballon
Und fliegt dann rettungslos davon!"
Der Kleine aber dachte sich:
„Das gibt's nicht — dafür sorge ich!"
Doch Plötzlich draußen auf der Flur
Entglitt dem Fritz die dünne Schnur.
Uud alle riefen gleich entsetzt:
„O Weh — er fliegt — da hast
Du's jetzt!"
Indes gebot dem Flüchtling bald
Ein Baum mit seinen Ästen halt.
Der Kleine heulte los darauf.
Die andern sah'n zum Baum hinauf
Und dachten emsig hin und her.
Wie der Ballon zu kriegen wär'.
„ Ich hab's!" sprach kühn der Vater dann
Und schlenderte den Stock hinan.
Der Luftballon erbebte zwar;
Das Ende aber davon war.
Daß auch der Stock jetzt oben blieb —
Das war dem Vater gar nicht lieb.
Denn einen Nutzen hat man kaum
Bon.einem Stock hoch ans dem Baum.
Der Vetter sprach: „Geduldet Euch!
Die hab' ich alle beide gleich!"
Er zielte mit dem Finger scharf.
Dann bog er sich zurück und warf.
3.
Doch alle sah'n bestürzt gar sehr:
Der zweite Stock kam auch nicht
mehr!
Fritz heulte nun erst schauderbar.
Die Mutter rang die Hände gar
Und rief: „O Männer, haltet ein!"
Die aber schrie'n voll Hitze: „Nein!
Das Alles muß herunter da!"
Nach Laura's Schirm griff gleich Papa;
Doch ach, von Freunden in der Not
Geh'n ihrer dreißig auf ein Lot:
Dem Schirm gefiel's im Baume hoch
Viel besser als bei Laura noch!-
Und nun begann ein wilder Streit:
Die Männer, voll Verwogenheit,
Erfaßten was nur werfbar war —
Schuh, Stiefel, Tasche, Puppen gar!
Fritz schrie nunmehr gerad' hinaus;
Auch Lieschen hielt es nicht mehr ans
Und heulte wie der Wetterwind.
Die Mutter rief: „Seid Ihr denn blind?
4.
Ihr werft uns ja, daß Gott erbarm'.
In Eurer wilden Wut noch arm!"
Doch ach, da gab es keinen Halt;
Der letzte Stiefel folgte bald.
In Strümpfen standen beide da
Und Vetter's Hut zertrat Papa,
Und dennoch schrie'n sie wütend noch:
„Herunter muß er aber doch!"
Da Plötzlich flog der Luftballon —
Durch einen Wurf befreit — davon!
Da kamen erst die Männer jetzt
Zu sich und sahen ganz entsetzt.
Wie der Familie Eigentum
Verloren hing am Bann: herum.
Die Kinder heulten fürchterlich —
Selbst Laura weinte still für sich.
Den Vetter schmerzte sehr sein Hut.
So standen sie mit trübem Mut
Und traurig da ans weiter Flur-
Den« blinder Eifer schadet nur!
Münchener Bilderbogen.
(Alle Rechte Vorbehalten.)
Nro 1133.
Kgl. Hof- und Universiläts-Buchdruckerei von Or. C. Wolf L Sohn in München.
Herausgegeben und verlegt von Braun L Schneider in München.



