Dee Bävenfann
LI »4
Mtzaef liegt der Schnee. Der Hunger Plagt.
Es macht der Bär auf Beute Jagd.
'kt'" Da plötzlich sieht er — welch' ein Glück! —
Das allerschönstc Rippenstück.
Es wässert ihm vor Gier der Mund;
Die Zunge hängt ihm aus dem Schlund.
So trabt er in dem schnellsten Lauf
Ganz unbesorgt das Brett hinauf.
Deu Braten freilich fing er nicht.
Der Bär verlor sein Gleichgewicht
lind kam zu Fall. Das Brett schlug um.
Jetzt merkt' er's erst: „Wie war ich dumm!"
Wenn man einmal im Rollen isst
Hilft aber weder Mut noch List.
Hinab im Fluge ging's die Bahn,
Und ringsum hängte Schnee sich an.
Der Ball wuchs immer fort jedoch.
Man sah auch kaum die Schnauze noch.
Als er jetzt in die Kiste sprang.
Die unten stand am Bergeshang.
Der Bär sah immer runder aus.
„He", rief er, „langsam! Ich will 'raus!
Jetzt wär's mir wirklich angenehm.
Wenn Plötzlich warm die Sonne keim'!"
Kaum lag die Beute sicher d'rin,
Lief Iwan her mit frohem Sinn,
Sprach: „Petzchen, gingst du auf den Leim?"
Und fuhr den Fang vergnüglich heim.
Die Sonne kam indessen nicht.
Der Schnee verhüllte sein Gesicht —
Die schwarze Nase nur blieb frei
Uud außer ihr der Füße zwei.
Dort kam die Svune auf einmal
Und schmolz den Schnee mit warmem Strahl;
Doch der Befreite sah entsetzt
Den Mann mit seiner Knute jetzt.
Gar freundlich legte dieser Mann
Dem Bären einen Maulkorb au
Und lächelte: „'s ist nur, weil's heißt.
Daß hie und da Ihr Bären beißt!" —
So kam es, daß jetzt fein dressiert
Im Zirkus Petz einherspaziert
Und dort, vom Publikum belacht.
Die allerschönsten Künste macht.
Wohl ärgert er sich heimlich sehr.
Doch hilft die Reue jetzt nichts mehr.
Wenn man Gefahren will entgeh'».
Muß man auf Weg und Stege seh'n!
Münchener Bilderbogen.
(Alle Wechte Vorbehalten.)
Nr-s. 1194.
Kgl. Hof- und Universitäts-Buchdrnckerei von vr. C. Wolf L Sohn in München.
Herausgegeben und verlegt von Braun K Schneider in München.
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Mtzaef liegt der Schnee. Der Hunger Plagt.
Es macht der Bär auf Beute Jagd.
'kt'" Da plötzlich sieht er — welch' ein Glück! —
Das allerschönstc Rippenstück.
Es wässert ihm vor Gier der Mund;
Die Zunge hängt ihm aus dem Schlund.
So trabt er in dem schnellsten Lauf
Ganz unbesorgt das Brett hinauf.
Deu Braten freilich fing er nicht.
Der Bär verlor sein Gleichgewicht
lind kam zu Fall. Das Brett schlug um.
Jetzt merkt' er's erst: „Wie war ich dumm!"
Wenn man einmal im Rollen isst
Hilft aber weder Mut noch List.
Hinab im Fluge ging's die Bahn,
Und ringsum hängte Schnee sich an.
Der Ball wuchs immer fort jedoch.
Man sah auch kaum die Schnauze noch.
Als er jetzt in die Kiste sprang.
Die unten stand am Bergeshang.
Der Bär sah immer runder aus.
„He", rief er, „langsam! Ich will 'raus!
Jetzt wär's mir wirklich angenehm.
Wenn Plötzlich warm die Sonne keim'!"
Kaum lag die Beute sicher d'rin,
Lief Iwan her mit frohem Sinn,
Sprach: „Petzchen, gingst du auf den Leim?"
Und fuhr den Fang vergnüglich heim.
Die Sonne kam indessen nicht.
Der Schnee verhüllte sein Gesicht —
Die schwarze Nase nur blieb frei
Uud außer ihr der Füße zwei.
Dort kam die Svune auf einmal
Und schmolz den Schnee mit warmem Strahl;
Doch der Befreite sah entsetzt
Den Mann mit seiner Knute jetzt.
Gar freundlich legte dieser Mann
Dem Bären einen Maulkorb au
Und lächelte: „'s ist nur, weil's heißt.
Daß hie und da Ihr Bären beißt!" —
So kam es, daß jetzt fein dressiert
Im Zirkus Petz einherspaziert
Und dort, vom Publikum belacht.
Die allerschönsten Künste macht.
Wohl ärgert er sich heimlich sehr.
Doch hilft die Reue jetzt nichts mehr.
Wenn man Gefahren will entgeh'».
Muß man auf Weg und Stege seh'n!
Münchener Bilderbogen.
(Alle Wechte Vorbehalten.)
Nr-s. 1194.
Kgl. Hof- und Universitäts-Buchdrnckerei von vr. C. Wolf L Sohn in München.
Herausgegeben und verlegt von Braun K Schneider in München.



