Münchener Punsch: humoristisches Originalblatt — 18.1865

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Da über Hrn. Hans von Bülow noch nrcht viel geschrieben wnrde,
so freut es nns Anlaß zu haben auf denselben noch einmal znrückzn-
kommen. Er wendet sich in einem artigen Briefchen vom 4. Juni an die
Redaction des Punsch mit dcr Mittheilung, daß verläsfige genealogische
Notizen über seincn Stammbanm in dem „Familienbuch derer vcn Bü-
low" zu fiuden seien, wclches ein Oberst dieses Namens vor einigen
Jahren in der Berliner Hofbuchhandlung von A. Dunker erscheinen
ließ. Der Großvater des Hm. Vorspielers starb in Dresden als kgl.
sächsischer Major, ebendaselbst lebtc auch sein Vater, Eduard v. Büloiv,
als Schriftsteller und Freund Ludwig Tieks bekannt; Hans ist gleichfalls
in der schonen Elbestadt geboren und zwar am 30. Januar 1830, also noch
nicht 40 Jahre alt. Eduard v. Bülow, auhalt. Kammerherr, prcuß.
Johanniterritter, vermählte sich später in zweiter Ehe mit der Tochter
des Grafen v. Bülow-Deunewitz und starb auf seiuem Gute Oetlis-
hauseu im Cantou Thurgau im Jahre 1853. Die Devise uuserer
Linie, schreibt Hans v. Bülow, lautet: „Alle Bülow'n ehrlich."*)
Herr v. Bülow ist also durcbaus edleu Geblüts uud die Sage, die uns
zu Ohren kam: sein Vater sei Bnch- und Musikalienhäudler gewesen,
irrthümlich, vielleicht nur aus der schöugeistigen Beschäftiguug Hru.
Eduard v. Bülow's entstandeu. Schließlich nimmt der Briefschreiber
auch seinen Schwager, den bekannten französischen Depntirten Ollivier
in Schutz und erklärt das Gerücht, derselbe habe sich mit einer Tochter
Meyerbeer's vermählt, für Klatsch uud erlogen. Letzteres Wort ist
ihm schon wieder in der Hitze entfahren, denn zur Lüge gehört die
Absicht zu täuscheu uud zu einer solchen ist im gegebenen Falle kein
Grund deukbar. „Die Auklage politischer Apostasie," schreibt Hr. Haus
v. Bülow, „kann am besten durch Kenntnißnahme seiner Iteden i«n
gesetzgebenden Körper entkräftet werden, welch' letztcre ich gerue erbötig
bin, Jnteressenten mitzutheilen." Um über die parlamentarische Tbätig-
keit des Herrn Ollivier Nachrichten einzuholen, dazu braucht mau uicht
Hans v. Bülow aufzusuchen; dieselben sind u. A. auch in allen Zeitun-
gen zu finden. Uebrigens gratuliren wir Hrn. v. Bülow zu seiuer schö-
nen Familiendevise. Niemand zweifelt daran, daß auch er ehrlich ist;
wie lange er (dahier) währen wird, steht wohl zunächst bei ihm selber.

*) Das Bülow'sche Motto von der Höflichkeit steht im „genealo-
gischen Tascheubuch" der freihcrrlicheu Häuser, Jahrgang !864. Nach
demselben sind die Bülowen von altem wendischen Geblüt und zähl-
ten ihre Vorfahren sogar zu deu Dyuasteuge schlechteru des-Obo-
tritenvolkes; später verbreiteten sie sich über mehrere deutschc Länder.
Zwischen der Zeit, wo der älteste Bülow in Meklenburg hauste
und derjenigen, wo einer derjüngsten einen Clavierauszug aus
„Tristan und Jsolde" fertigte, liegt ein Zeitraum vou 600 Jahren.

Mit dem nächsteu Monat beginnt die zweite Hälfte des
achtzchnteli Jahrganges.

Alle Postanstalten Deutschlands, welches großer scin
sollte, und Bayerns, wclches in kcinem Fall mehr kleiner
werden darf, erledigen halbjährige Bestellungen.

Druck der vi. Wild'schen Buchdruckerei (ParcuS).
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