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Walter Gräff,
von England namhaft machte6). Dies brachte Wratislaw dem Kaiser auch bei,
der sich, da ja aus anderer Leute Haut gut Riemen schneiden ist, dazu bereit-
finden ließ und um die Mitte September 1706 dem Reichshofratpräsidenten,
Grafen Wolfgang von Oettingen-Wallerstein7) eigenhändig die Anweisung gab,
einige Bilder der Münchnerischen Kunstkammer, besonders das erwähnte, durch
den Administrator, Grafen von Löwenstein, auszuliefern8). Den Erfolg seines
Schrittes teilte Wratislaw dem Engländer am 15. September mit, der ihm am
29. September dafür dankt9). Gleichzeitig machte er davon dem englischen Ge-
sandten Sir George Stepney Mitteilung10); dies tat er jedenfalls auch auf Ersuchen
von Marlborough. Stepney war englischer Gesandter am Kaiserlichen Hofe und
wurde Ende August auf Betreiben des Feldmarschalls, der einen besonders tüch-
tigen Diplomaten zu den schwierigen Verhandlungen mit den Generalstaaten zur
Seite zu haben wünschte, nach den Niederlanden berufen"). Er reiste über
München und sollte nach Marlboroughs Willen die übrigen Gemälde für ihn aus-
suchen und für ihre Versendung sorgen. Dies gelang ihm auch nach Wunsch,
denn er fand alles vorbereitet.
Am 24. September hatte Oettingen dem Grafen von Löwenstein den Brief des
Kaisers im Original übersandt und ihn aufgefordert, demgemäß zu handeln12).
Stepney war Ende September in München eingetroffen, hatte sich die Gemälde
der Kunstkammer, die unter Kaiserlichem Siegel lag, angesehen und zwei Bilder
von Rubens für Marlborough ausgesucht. Es waren „Mars und Venus" und
„Loth und seine Töchter". Am 1. Oktober schrieb Stepney „aus dem Wirtshaus"
an Löwenstein, der Graf von Wratislaw habe ihm mitgeteilt, daß der Kaiser
beabsichtige, dem Herzog von Marlborough drei bis vier Bilder, darunter das
des Königs Karl zum Geschenk zu machen. Er bitte ihn daher, den Befehl zu
geben, außer diesem noch die beiden von ihm ausgesuchten Rubens abzugeben.
Wenn er dies ohne Befehl von Wien nicht tun könne, so möge er an den Kaiser
oder an Wratislaw um Aufklärung schreiben und dann die Bilder zusammen an
den Bankier Behagel nach Frankfurt schicken13).
Wir dürfen wohl annehmen, daß der Brief Oettingens mit dem Befehl des
Kaisers inzwischen Löwenstein zu Händen gekommen ist; aber er scheint von
6) Dies geht aus dem Brief Ms. an W. vom 29. 11.06, Murray III, 156 und aus W. an L. vom 21. 10.06
in Anlage VII hervor, der Brief Ms. an W. ist nicht erhalten. Wer sich einen Begriff davon machen
will, wie der große Herzog derartige Wünsche vorbrachte, der lese die späteren Briefe Ms. an W.
vom 24. 12. 06 und an Zinzendorf vom 27. 12. 06. bei Murray III, 265.
7) Wolfgang IV Graf von Oettingen-Wallerstein, 1629—1708, war besonderer Vertrauensmann des
Kaisers.
8) Anlage I und VII.
9) M. an W. 29. 9. 06, Murray III, 156.
10) St. an L. 1. 10. 06, Anlage III. — Stepney war englischer Gesandter an verschiedenen deutschen
Höfen und zuletzt beim Kaiser gewesen. Von ihm wurde gerühmt, kein Engländer, ja kaum ein
Deutscher habe die Verhältnisse in Deutschland besser beurteilen können und verstanden, als
er. Er starb 1707.
") M. an St. 18. 8. 06, Murray III, 91.
12) Anlage II.
13) Anlage III.
Walter Gräff,
von England namhaft machte6). Dies brachte Wratislaw dem Kaiser auch bei,
der sich, da ja aus anderer Leute Haut gut Riemen schneiden ist, dazu bereit-
finden ließ und um die Mitte September 1706 dem Reichshofratpräsidenten,
Grafen Wolfgang von Oettingen-Wallerstein7) eigenhändig die Anweisung gab,
einige Bilder der Münchnerischen Kunstkammer, besonders das erwähnte, durch
den Administrator, Grafen von Löwenstein, auszuliefern8). Den Erfolg seines
Schrittes teilte Wratislaw dem Engländer am 15. September mit, der ihm am
29. September dafür dankt9). Gleichzeitig machte er davon dem englischen Ge-
sandten Sir George Stepney Mitteilung10); dies tat er jedenfalls auch auf Ersuchen
von Marlborough. Stepney war englischer Gesandter am Kaiserlichen Hofe und
wurde Ende August auf Betreiben des Feldmarschalls, der einen besonders tüch-
tigen Diplomaten zu den schwierigen Verhandlungen mit den Generalstaaten zur
Seite zu haben wünschte, nach den Niederlanden berufen"). Er reiste über
München und sollte nach Marlboroughs Willen die übrigen Gemälde für ihn aus-
suchen und für ihre Versendung sorgen. Dies gelang ihm auch nach Wunsch,
denn er fand alles vorbereitet.
Am 24. September hatte Oettingen dem Grafen von Löwenstein den Brief des
Kaisers im Original übersandt und ihn aufgefordert, demgemäß zu handeln12).
Stepney war Ende September in München eingetroffen, hatte sich die Gemälde
der Kunstkammer, die unter Kaiserlichem Siegel lag, angesehen und zwei Bilder
von Rubens für Marlborough ausgesucht. Es waren „Mars und Venus" und
„Loth und seine Töchter". Am 1. Oktober schrieb Stepney „aus dem Wirtshaus"
an Löwenstein, der Graf von Wratislaw habe ihm mitgeteilt, daß der Kaiser
beabsichtige, dem Herzog von Marlborough drei bis vier Bilder, darunter das
des Königs Karl zum Geschenk zu machen. Er bitte ihn daher, den Befehl zu
geben, außer diesem noch die beiden von ihm ausgesuchten Rubens abzugeben.
Wenn er dies ohne Befehl von Wien nicht tun könne, so möge er an den Kaiser
oder an Wratislaw um Aufklärung schreiben und dann die Bilder zusammen an
den Bankier Behagel nach Frankfurt schicken13).
Wir dürfen wohl annehmen, daß der Brief Oettingens mit dem Befehl des
Kaisers inzwischen Löwenstein zu Händen gekommen ist; aber er scheint von
6) Dies geht aus dem Brief Ms. an W. vom 29. 11.06, Murray III, 156 und aus W. an L. vom 21. 10.06
in Anlage VII hervor, der Brief Ms. an W. ist nicht erhalten. Wer sich einen Begriff davon machen
will, wie der große Herzog derartige Wünsche vorbrachte, der lese die späteren Briefe Ms. an W.
vom 24. 12. 06 und an Zinzendorf vom 27. 12. 06. bei Murray III, 265.
7) Wolfgang IV Graf von Oettingen-Wallerstein, 1629—1708, war besonderer Vertrauensmann des
Kaisers.
8) Anlage I und VII.
9) M. an W. 29. 9. 06, Murray III, 156.
10) St. an L. 1. 10. 06, Anlage III. — Stepney war englischer Gesandter an verschiedenen deutschen
Höfen und zuletzt beim Kaiser gewesen. Von ihm wurde gerühmt, kein Engländer, ja kaum ein
Deutscher habe die Verhältnisse in Deutschland besser beurteilen können und verstanden, als
er. Er starb 1707.
") M. an St. 18. 8. 06, Murray III, 91.
12) Anlage II.
13) Anlage III.


