Basel Illustration zu Terenz
der schönsten Zeugnisse der Lehre bei Michael Wolgemut, in die er 1486 für vier Jahre
eintrat, nachdem ihn der Vater zum Goldschmied ausgebildet hatte, und unter dessen
Knechten er, wie er selbst sagt, viel leiden mußte, ist die erst vor einer Anzahl von Jahren
entdeckte Federzeichnung einer Kreuzigung im Louvre. Sie beweist, daß der junge Dürer
sich vom Durchschnitt der übrigen Werkstattgenossen abgehoben haben muß. Vielleicht
hatte Wolgemut einen Blick für das Außerordentliche des jungen Mannes und rührt daher
dessen späte Dankbarkeit (Bildnis von 1516).
Liber Martin Schongauer1, den er »peragrata Germania« nach zweijähriger, wahrscheinlich
zum Teil in den Niederlanden verbrachter Abwesenheit von Nürnberg 1492 in Kolmar
vergeblich noch lebend anzutreffen hoffte 2, stürmt er - ein brausender Jüngling - rück-
sichtslos hinaus, als wolle er dessen tiefer Vergeistigung eine Vitalität entgegenstellen, die
1 Zu dem am Mittelrhein tätigen, vielleicht aus den Niederlanden stammenden Hausbuchmeister
lassen sich, soviel ich sehe, bisher keine direkten Beziehungen nachweisen. Eher scheint ein Zu-
sammenhang mit der wohl dem Umkreis Schongauers zuzuzählenden Marter des hl. Sebastian
in Berlin zu bestehen. Wenigstens müßte man dies auf Grund der Zeichnungen W 16 und 17 in
Bremen annehmen.
2 Wahrscheinlich gehörten Dürer seit dieser Zeit die drei Zeichnungen (W 13, 14, 15), deren
Beschriftung zu der irrigen Annahme führte, es handle sich um Kopien Dürers nach Schongauer.
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der schönsten Zeugnisse der Lehre bei Michael Wolgemut, in die er 1486 für vier Jahre
eintrat, nachdem ihn der Vater zum Goldschmied ausgebildet hatte, und unter dessen
Knechten er, wie er selbst sagt, viel leiden mußte, ist die erst vor einer Anzahl von Jahren
entdeckte Federzeichnung einer Kreuzigung im Louvre. Sie beweist, daß der junge Dürer
sich vom Durchschnitt der übrigen Werkstattgenossen abgehoben haben muß. Vielleicht
hatte Wolgemut einen Blick für das Außerordentliche des jungen Mannes und rührt daher
dessen späte Dankbarkeit (Bildnis von 1516).
Liber Martin Schongauer1, den er »peragrata Germania« nach zweijähriger, wahrscheinlich
zum Teil in den Niederlanden verbrachter Abwesenheit von Nürnberg 1492 in Kolmar
vergeblich noch lebend anzutreffen hoffte 2, stürmt er - ein brausender Jüngling - rück-
sichtslos hinaus, als wolle er dessen tiefer Vergeistigung eine Vitalität entgegenstellen, die
1 Zu dem am Mittelrhein tätigen, vielleicht aus den Niederlanden stammenden Hausbuchmeister
lassen sich, soviel ich sehe, bisher keine direkten Beziehungen nachweisen. Eher scheint ein Zu-
sammenhang mit der wohl dem Umkreis Schongauers zuzuzählenden Marter des hl. Sebastian
in Berlin zu bestehen. Wenigstens müßte man dies auf Grund der Zeichnungen W 16 und 17 in
Bremen annehmen.
2 Wahrscheinlich gehörten Dürer seit dieser Zeit die drei Zeichnungen (W 13, 14, 15), deren
Beschriftung zu der irrigen Annahme führte, es handle sich um Kopien Dürers nach Schongauer.
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