Mitteilungen des Württembergischen Kunstgewerbevereins — 2.1903-1904

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F>. f mkbemcr, Stuttgart.

Bucbr/cbmuclt.

6in Slort über die Gefahren des
pflanzenftüifierens.

Der freundlichen Hufforderung, untere Hnficbtcn über das
i Stilifieren der pflanzen in kurzer form niederzulegen, find
" wir nicht ohne gewiffe Bedenken nachgekommen. Bei der
Verbreitung, welche diefer Zweig der Ornamentik auf allen
unferen Schulen und bei vielen Künftlern gefunden bat und bei der
Citeratur, die fcbon darüber vorbanden ift, erfcbeint es faft unmöglich,
noch etwas JVeues über diefes Cbema zu Tagen. 80 glauben wir denn
nichts weiter angeben zu können, als was wir unferen eigenen
Schülern ftets vor Hugen halten. — 6s liegt, kurz gefagt, eine ge-
wiffe Gefahr vor, das pflanzenftilifieren zu übertreiben. Viele feben
darin das HUeinfeligmacbende in der Ornamentik. Dem gegenüber
mufs gerade bei Gelegenheit einer Husftellung der pflanze im Orna-
ment darauf bingewiefen werden, dafs das Pflanzenornament doch
nur eine von den vielen Möglichkeiten des Ornaments überhaupt dar-
ftellt und nicht einmal diejenige, in der die Kunft früherer Zeiten das
ölertvollfte geleiftet bat, und dafs es aufserdem Künftler genug gibt,
die felber Vorzügliches leiften und dennoch prinzipielle Gegner des
pflanzenftilifierens find, önd gerade, weil die Gegner in einer foleben
Husftellung nicht zu Slorte kommen, ift es angezeigt, auf das Be-
rechtigte ihrer abweichenden Hrt binzuweifen. ferner berrfebt trotz
allen Nachdruckes und aller jMetbode, die auf unferen Schulen jetzt
diefem fache gewidmet werden, eine folebe Ratlofigkeit und Ver-
wirrung unter unferen jungen Zeichnern und JHodelleuren in den
Älcrkftätten, fobald fie den febützenden Bort der Klaffe verlaffen haben
und allein entwerfen follen, dafs es vielleicht nicht unangebracht ift,
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