Mitteilungen des Württembergischen Kunstgewerbevereins — 1908-1909

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Mitteilungen des Württembergischen Kunstgewerbeverems.

Gustav Siegle-Haus für Kunst und "Wissenschaft. Am 1. Juli meldeten die
Blätter: Frau Geh. Kommerzienrat v. Siegle hat, im Verein mit ihren Töchtern und
Schwiegersöhnen zum ehrenden Andenken an ihren verstorbenen Gatten und in Er-
füllung eines von ihm letztwillig ausgesprochenen Wunsches den Betrag von 500000 Mk.
einer Gustav-Siegle-Stiftung gewidmet, die den Zweck verfolgt, Bildungsbestrebungen
auf allen Gebieten von "Wissenschaft und Kunst vorurteilslos, insbesondere ohne
Unterscheidung religiöser und politischer Richtungen zu fördern. Zur Erreichung dieses
Zwecks soll in Stuttgart ein eigenes Gebäude, das den Namen Gustav Siegle-Haus
führt, errichtet und es sollen in demselben öffentliche, der Kunst und "Wissenschaft
dienende und allen Kreisen des Volkes zugängliche Veranstaltungen getroffen, ins-
besondere öffentliche Vorträge auf den verschiedensten Gebieten des "Wissens gehalten
werden. Behufs der Erwerbung eines geeigneten, zentral gelegenen Bauplatzes für
dieses Volksbildungshaus um einen den Mitteln der Stiftung entsprechenden Preis
waren zeitraubende Verhandlungen erforderlich, die schließlich zu dem erfreulichen
Ergebnis führten, daß die Stadt Stuttgart in dankenswertem Entgegenkommen sich
bereit erklärte, die Grundfläche des auf dem Leonhardsplatz stehenden, als Ladehalle
für die Botenfuhrwerke und zu Lagerräumen dienenden Kornhauses unter der Bedingung,
daß auch für diese Zwecke in dem neu zu errichtenden Gebäude die geeigneten Räume
zur Verfügung gestellt werden, um den Preis von 100000 Mk. an die Stiftung abzu-
treten. Der St.-Anz. teilt hierzu noch mit: Der Kaufvertrag wurde Ende Mai d. J.
abgeschlossen, der Preis soll auf 1. Juli d. J. bezahlt werden und zu seiner Deckung
hat nunmehr Frau Geh. Kommerzienrat v. Siegle im Einverständnis mit ihren Töchtern
und Schwiegersöhnen der Stiftung den weiteren Betrag von 100000 Mk. zugewendet,
so daß der ganze ursprüngliche Stiftungsbetrag von 500000 Mk. zu den Baukosten
und zur Sicherung eines entsprechenden Betriebskapitals verwendet werden kann.
Die Anfertigung der Baupläne liegt in den bewährten Händen des Professors Theodor
Fischer und es ist daher alle Gewähr dafür geboten, daß das Sieglehaus auch in
seiner äußeren Erscheinung der Stadt zur Zierde gereichen wird. In allerhöchster
Anerkennung des hochherzigen Eintretens der Familie Siegle für das zur Förderung
der allgemeinen Volksbildung bestimmte Unternehmen und zugleich in Ehrung des
Andenkens an den verstorbenen hochverdienten Geh. Kommerzienrat Dr. v. Siegle
ist dem Schwiegersohn desselben, Fabrikant Karl Ostertag-Siegle, der erbliche Adel
von dem König verliehen worden.

Eine Batik-Ausstellung war vom 1. Juli ab wieder im Landesgewerbemuseum
zu sehen.

5. Juli. Einweihung des von Architekt Elsäßer-Stuttgart errichteten neuen Fach-
schulgebäudes für Edelmetallindustrie in Gmünd, das zugleich als Museum der
städtischen Sammlungen dient.

Für die K. Gemäldegalerie wurden im Laufe des Frühjahres neu erworben:
Pieter Codde (1600—1678) „Der Flüchtling"; Margarete v. Kurowski „Am Fenster".
An die Filialgalerie Gmünd wurden 29 Bilder der Gemäldegalerie abgegeben, darunter
ein Bild von Cranach, Franz Francken dem Aelteren, 2 Bilder von Rugendas, ein
Bild von Seybold, ein Marieschi. Von neuen Bildern Schendel „Gemüsehändlerin'',
Mayer „Italienische Landschaft", Pflug „Oberschwäbischer Jahrmarkt", "Wolff „Alter
Gang". Außerdem sind mehrere bisher magazinierte Bilder nach Gmünd geliehen
worden, darunter Bruckmann „Thusnelda in römischer Gefangenschaft", Eggel „Jagd
des "Wotan", Heinlein „Gebirgslandschaft", Kleyer „Madonna" und verschiedene
Bilder der Sammlung Barbini-Breganze.

Museum für Länder- und Völkerkunde. Bei der am 14. Juli abgehaltenen
Sitzung des Preisgerichts für die Entwürfe zur Erbauung des Museums für Länder-
und Völkerkunde wurde folgendes Ergebnis bekannt: Den 1. Preis im Betrag von
3000 Mk. erhielt die Nummer 21 mit dem Kennwort „Blümele"; Einsender: Georg
Eser; den 2. Preis zu 2000 Mk. die Nummer 33 mit dem Motto „Bumerang", eingesandt
von den Architekten Eisenlohr und "Weigle unter Mitarbeit von Architekt Oskar Pfennig;
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