Künstler-Gesellschaft Zürich [Hrsg.]
Neujahrsblatt der Künstlergesellschaft in Zürich — 15.1855

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Lebeilsheschrei-ilng

dcs

^bilhelm Meier erblickte das Licht dieser Welt dcn 4. Dezember 1806 in Zürich und wurde den Ickten
gleichcn Monats daselbst getauft. Obglcich von schwächlichcr Constitution, war cr cincr der lebhaftcsten Knaben
dcr Stadt, hatte aber von scincn kräftigeren Altersgcnosscn viel zu lciden. Da ihn die wohlmeinenden Eltern
dcm Kaufmannsstandc bcstimmtcn, trat dcr 18jährige Jüngling in ein hiesiges Handlungshaus, zeigte aber auch
hier, wie früher iu dcn Schulcn, nicht die crforberliche Lust und Ausdauer. Uucudlich groß war daher sein Ju-
bcl, alö cr erfuhr, daß eine Offiziersstelle in der franzvsischcn Schweizergarde seiner warte. Eö war im Ansang
des Jahres 1826, als er zu seiucr neuen Bcstimmung nach Paris abreiste. Da er durch großen Diensteifer bald
die Aufmerksamkeit seincs Gcnerals auf sich zog, konnte cr schon nach drci Monateu das Offiziersbrevet im Rc-
gimcnt Salis gcltend machen. Mit dcm Eintritt in dcn Soldatcnstand beginnt für Meier eine wichtige Lebcnö-
pcriode, dic sich zunächst austs vorthcilhafteste durch die Ausbildung ciner festcn Willcnskraft ankündigtc. Die
uatürlichen Anlagen zu dcm ncucn Stand, mit Eifer und Flciß genahrt, zetgtcu sich bald im besten Lichte und
erwarben ihm die Achtung und Zuneigung seiner Umgebung. Auch außerhalb der militärischen Krctse war dcr
jungc, schmucke, lebcnsfrohe Offizier überall gerne geseheu, denn mit einer fcincn gcsellschaftlicheu Bilduug ver-
band er Bescheidenheit und Gutmüthigkeit. Von Besonnenheit uud Muth, den ersten Tugcnden eineö Militärs,
legte er viclfache Beweisc an dcn Tag. Sein ritterlicher, aufopferungssähiger Sinn zeigte sich namentltch bei cincr
Feuersbrnnst in Vcrsailles, wo er, schncll cntschlossen, in vollcr Uniform in das brennende Haus drang und mit
augenscheinlicher Lebensgefahr cine Mutter mit ihrcn bcidcn Kiudern rettcte. Nachdem cr die Frau, auf dem
Rückcn tragend, mehrere Treppcn hinuntcr durch Fcuer und Rauch in Sichcrheit gebracht hatte, cilte er zum
zwciten Mal hinaus, und hattc das Glück auch die Kindcr zu rettcn. Eiu ministcriclleö Belobungsschreibcn war
der äußere Lohn für dicsc That.

Der Dienst und die gcsellschaftlichcn Vergnügen nahmcn jedoch nicht die ganze Zeit dcs jungen Mannes in
Anspruch- Ein angeborncr Tricb zog ihn zu ciner hvhcren Thätigkcit hin. Künstlerische Regungen, die schon
früh in ihm erwacht waren, zogen ihn zur Malcrei hin. Der inncrn Stimme folgend, bcschäftigte sich Meier
in den Mußestunden in dcm Atclier eincs Pariser Künstlers mit Zeichncn und Malen. Bald hatte er die erstcn
tcchnischcn Schwierigkeitcn überwunden, und wenn auch scine damaligen künstlerischen Leistungen nur Arbciten
eines Dilcttanten waren, so zcugen doch mchrcre Oelgemälde aus dieser Periode von einem eutschiedcncn Talent.
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