Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Künstler-Gesellschaft Zürich [Editor]
Neujahrsblatt der Künstlergesellschaft in Zürich — 46.1886

DOI issue:
IV. München, 1850 - 1869
DOI issue:
V. Salzburg, 1869 - 1881
DOI Page / Citation link:
https://doi.org/10.11588/diglit.43103#0032
Overview
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
26

In der Luzerner «permanenten» Kunstausstellung dieses Jahres (1885) war der Verstorbene
auch (vgl. weiter unten) durch ein Bild vertreten, das eine zerfallene Kapelle hoch oben in einer Berg-
schlucht darstellt, zu welcher in Prozession eine Anzahl Mönche emporsteigen. Die Auffassung ist
frisch und kräftig, der grossartige Ernst der Hochgebirgsnatur trefflich wiedergegeben, die Ausführung
dagegen derart, dass wir wohl eher eine Studie als ein vollendetes Bild vor uns haben; störend wirkt
zudem der allzu grosse Raum, der diesem zerfallenen Gemäuer, in dem wir kaum mehr eine Kapelle
erkennen können, zu Theil geworden ist, und die liebevolle Behandlung vermag den Kontrast nur
zu erhöhen.
Unbedeutend ist ein im Besitze der Kunstgesellschaft Luzern befindliches Bild «Bei Greppen»,
das indess aus früherer Zeit stammen muss: die Poesie des ersten Entwurfes ist durch die Ausführung
wie weggewischt, als ob ein Schwamm darüber gegangen wäre; wie das Bild übrigens zu seiner Be-
zeichnung gekommen, ist uns unverständlich. — Flüchtig in der Ausführung und ohne besondern Werth
sind vier Bilder, die Herrn Kunsthändler Appenzeller in Zürich gehören: Schloss Trausnitz im Mond-
schein, Neuhabsburg am Vierwaldstättersee (zum dritten Male), Herbstmorgen am Vierwaldstättersee,
Am Thunersee.
Sehr hübsch dagegen ist eine Bleistiftzeichnung im Besitze von Herrn Kunstmaler Xaver Schwegler
in Luzern: ein von Bergen umgebener See, darüber charakteristische Wolkengebilde — das Ganze
ernst stylvoll.
In den Studien und Skizzen, die uns einzusehen vergönnt war, spiegelt sich natürlich der Ent-
wicklungsgang des Künstlers wieder; es sind landschaftliche, architektonische und kunstgewerbliche
Motive, unter denen besonders Ansichten von Schlössern und Burgen uns bemerkenswerth erschienen;
weiter geht daraus auch das lebhafte Interesse hervor, das Schiffmann in den Jahren 1868 und 1869
dem Bodensee und seiner Umgebung (Konstanz, Lindau u. s. w.) gewidmet haben muss.
V.
Salzburg. 1869—1881.
Beziehungen zu der schönen Stadt an der Salza hatte unser Künstler natürlich längst: Hier hatte
er ja seine Gattin gefunden und öfters scheint er — vor- und nachher —■ die Stadt besucht zu haben,
so für längere Zeit im Jahre 1861. Aber bei seiner Anhänglichkeit an München bedurfte es doch
eines ganz besonderen Anlasses, um ihn zu einem Aufgeben des bisherigen Wohnortes zu bestimmen.
Er kam mit dem Tode seines geliebten Knaben Jost (1868?). Die Leiche des Kindes wurde —- wohl
auf besonderen Wunsch der Mutter — in der Rüssemayer’schen Familiengruft bei St. Peter in Salz-
burg beigesetzt. Bald darauf folgten die schwergeprüften Eltern nach, wohl um dem todten Liebling
nahe zu sein, zugleich aber in verwandtschaftlicher Theilnahme und in einer herrlichen Natur Trost
zu finden. Die ganze Ausstattung seines Münchener Heims wurde veräussert; sie gieng an Makart
über, der inzwischen ein berühmter Mann geworden und in Wien sich ein mit fürstlicher Pracht aus-
gestattetes Atelier geschaffen hatte.
In Salzburg nun trat Schiffmann dem Custos des dortigen Museums, Hauptmann Riedl, näher,
als dieser gerade damit beschäftigt war, in der Aufstellung der Museumsgegenstände gewisse Ver-
 
Annotationen