Das neue Frankfurt: internationale Monatsschrift für die Probleme kultureller Neugestaltung — 2.1928

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DER MALER OSKAR SCHLEMMER

Von Will Grohmann, Dresden

OSKAR SCHLEMMER, Elifabeth

Für Schlemmer find die Bilder nicht einziges Mittel der Mitteilung, er ift nicht
Maler im üblichen Sinne, feine fchöpferifche Begabung tendiert nach derGe-
ftaltung fchlechthin. Er erfand im „Triadifchen Ballett" räumlich - plaftifche
Möglichkeiten für das Tanztheater, bereitete in feinen Infzenierungen zu
Hindemith und Grabbe ein architektonifches Bewegungstheater vor, gab in
feinen Reliefs die Anfänge einerdergegenwärtigenArchitekturentfprechenden
dekorativen Bewältigung der Wandfläche, in Zeichnungen und Graphiken
die Grundlagen eines neuen linearen Stils. Zur Malerei findet Schlemmer
von Zeit zu Zeit zurück, und dann erfüllt fich in ihr die Zielftrebigkeit feiner
totalen Veranlagung, in der hoheSenfibilität für Mafj und Gewicht, Proportion
und Spannung auf der einen Seite, abftrahierende Verwirklichung der menfch-
lichen Figur in Raum und Fläche auf der anderen Seite kontrapunktifch fich
verbinden. So logifch und rationell der Aufbau feiner Bildkompofitionen ift,
fo wenig entbehrt das Refultat der Sinnlichkeit und der Natur. Denn im Werk
treffen fich fehlerfrei intuitive Erkenntnis der Seinsgefetje und Präzifion der
fugenmäfjig fich bedingenden Darftellungsmittel.

Zweimal hat Schlemmer die Oeffentlichkeit ftark befchäftigt: 1923 mit den
Wandmalereien im Treppenhaus des zum Bauhaus gehörigen Werkftattge-
bäudes und 1925 mit der Sonderkollektion von zehn Gemälden auf der
Juryfreien Kunftfchau Berlin. Die Wandbilder von 1923, figurale, in Propor-

Mitte: Wandmalerei im Werkftattgebäude
des ehem. ftaatl. Bauhaufes in Weimar

Rechts: Tänzer

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