Das neue Frankfurt: internationale Monatsschrift für die Probleme kultureller Neugestaltung — 2.1928

Page: 113
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/neue_frankfurt1928/0174
License: Free access  - all rights reserved Use / Order

0.5
1 cm
facsimile
CO
K

X

DAS NEUE

1 FRANKFURT

2 MONATSSCHRIFT FÜR DIE PROBLEME MODERNER GESTALTUNG

s

ö

et
<

HERAUSGEBER: "3

ERN ST MAY UND FRITZ WICHE RT ■ VERLAG ENGLERT UND SCHLOSSER ■ FRANKFURT AM MAIN

GRUNDLAGEN DER FRANKFURTER WOHNUNGSBAU«

POLITIK Von Stadtrat May, Frankfurt a. M.

Wohnungsbauprogramm |m Jahre 1925 wurde in Frankfurt a. M. ein auf 10 Jahre berechnetes Woh-
nungsbauprogramm aufgeteilt mit dem Ziele einer planmäßigen Befeitigung
der Wohnungsnot. Es galt hierbei nicht nur, die Folgen des Stilliegens der
Bautätigkeit in der Kriegs- und Nachkriegszeit auszugleichen, fondern auch
den Mehrbedarf an Wohnungen, der durch Neugründung von Familien und
Zuwanderung auftrat, zu befriedigen und die außerordentlich ungünftigen
Wohnungsverhältniffe in der Altftadt zu fanieren. Ein folches Programm konnte
naturgemäß bei der gänzlichen Unüberfichtlichkeit der Verhältniffe nicht mehr
fein als eine Zielfeßung, die fich jeweils der natürlichen Entwicklung der Ver-
hältniffe anzupaffen hatte. Tatfächlich wurden bereits im Jahre 1926 ftatt der
in Ausficht genommenen 1200 Wohnungen rund 2200 errichtet, im Jahre 1927
anftatt der in Ausficht genommenen 1400 Wohnungen rund 3000 Wohnungen
und im Jahre 1928 rund 2500. Zu diefen Zahlen treten im Jahre 1927 200,
im Jahre 1928 zunächft weitere 100 Notwohnungen. Heute ift bereits feftzu-
ftellen, daß die Jahresraten diefes Wohnungsbauprogramms in den kommen-
den Jahren noch ganz erheblich verftärkt werden müffen, da allein in dem
legten Halbjahr 4000 Neuanmeldungen von Wohnungsfuchenden hinzuka-
men. Wenn auch nur ein Teil diefer Anmeldungen als dringlich anerkannt
werden kann, fo fteht doch feff, daß Frankfurt von einer Überwindung der
Wohnungsnot noch immer weit entfernt ift.

113
loading ...