Das neue Frankfurt: internationale Monatsschrift für die Probleme kultureller Neugestaltung — 2.1928

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Die Finanzierung des Wohnungsbaues ift bei einer Überteuerung, die feit 1925 Finanzierung des

bis zum Frühjahr 1928 von 168 auf 185 Prozent der Vorkriegsbaukoften ge- Frankfurter

ftiegen ift, außerordentlich erfchwert, fodafj die Privatwirifchaff gegenwärtig Wohnungsbauprogramms

bei der Erlteilung von Kleinwohnungen nahezu ausfcheidet. Nur durch Be-
reitftellung geringverzinslicher Hypotheken durch die öffentliche Hand können
überhaupt Wohnungen mit tragbaren Mieten errichtet werden. Auch in dem
Wohnungsbauprogramm der Stadt Frankfurt a. M. bildet die Hauszinsfteuer-
hypothek, die in einer Höhe von durchfchniftlich 6000 Mark je Wohnung zur
Verfügung geftellt wurde, die mit 3 Prozent, in einer gewiffen Übergangs-
zeit nur 1 Prozent, verzinft wird, das Rückgrat der Finanzierung. Bedauer-
licherweife fliefjt noch immer die Hälfte des zu Bauzwecken zur Verwendung
gelangenden Anteils des ftädtifchen Hauszinsfteueraufkommens in den ftaat-
lichen Ausgleichsfonds, fodafj der verbleibende Betrag nicht ausreicht, um
den Wohnungsbau fo tatkräftig zu fördern, wie es auf Grund des ermittelten
Bedarfes notwendig wäre. Neben den Hauszinsfteuerhypotheken fpielten
Darlehen der ftädtifchen Sparkaffe, die zu 8 Prozent, im Jahr 1927 zu 7 Vi
Prozent bei 99 Prozent Auszahlung ausgeliehen wurden, und endlich Zu-
fchüffe aus laufenden Etatmitteln eine entfcheidende Rolle. Insgefamt hat
Frankfurt von 1924-1927 ca. 88V2 Millionen Mark für Zwecke des gemein-
nüfjigen Wohnungsbaues flüffig gemacht. Hiervon entfallen 48,5 Millionen
auf Hauszinsfteuerhypotheken, 15,5 Millionen wurden aus ordentlichen Etat-
mitteln befchafft, während 14,5 Millionen durch die Aufnahme von Anleihen
gedeckt werden.

Soweit Hauszinsfteuerdarlehen an Private und Genoffenfchaften vergeben
wurden, hatte der Bauherr aus eigenen Mitteln einen Anteil von 20 Prozent
der Gefamtbaukoften aufzubringen.

Die Verteilung der Hauszinsfteuern erfolgt in drei Hauptgruppen : Verteilung der

Durchfchniftlich 37 Prozent der zur Verfügung ftehenden Mittel wurde Privaten Hauszinsfteuerdarlehen

und Genoffenfchaften zur Verfügung geftellt, 37 Prozent an die Aktienbau-
gefellfchaft für kleine Wohnungen und an die Mietheim-A.-G., zwei Unter-
nehmungen, deren Kapital zu 93 Prozent in Händen der Stadt liegt, weiter-
gegeben und 26 Prozent vom ftädtifchen Hochbauamte felbft verbaut.
Während Aktienbaugefellfchaft und Mietheim-A.-G. und eine große Zahl
von Baugenoffenfchaften Baukoftenzufchüffe erheben, die in der Regel als
Vorauszahlung eines zehnjährigen Mietanteiles in Anrechnung gebracht wer-
den, werden die ftädtifchen Wohnungen ohne folche Anzahlungen vergeben.
Lediglich bei einem Teil der Praunheimer Wohnungen, die, foweit es fich
um Einfamilienhäufer handelt, als Reichsheimftätfen veräußert wurden, alfo in
den Befitj der Bewerber übergehen, wurden Anzahlungen gefordert, die etwa
500 Mark betrugen. Bei der Aufteilung des Programmes im Jahre 1925 wurde
darauf hingearbeitet, die gefamte Wohnungsbautätigkeit der Stadt Frank-

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