Das neue Frankfurt: internationale Monatsschrift für die Probleme kultureller Neugestaltung — 4.1930

Seite: 177
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BÄU POLITIK UND BAUWIRTSCHAFT

Kölner Griingürtelfegmente als Gemeinfchaftsgärten

Es gibt in Köln bereits (eit Jahren eine Handvoll Menfchen, die
die Zweckmäßigkeit der von Prof. Schumacher inaugurierten
Grüngürtelpolitik in Frage [teilen, die in dieler Politik mehr eine
Angelegenheit des Preltiges für die oberflächliche Weltmeinung
als eine Sache ernlthaften Städtebaus erblicken. Für fie war ein
Vortrag des Berliner Gartenarchitekten Wiepking von befonderem
Reiz, der von (einer „Unkenntnis der Kölner Verhältniffe" aus zu
denlelben übrigens äußerff höflich vorgetragenen Be-
mängelungen kam, wie (ie von Eingefeflenen Ichon wiederholt
geäußert worden waren: verfehlte Zugrundelegung erledigter
Fortifikationslinien für ein neues Grünflächenfyftem; Vernach-
läffigung der radialen Grünftreifen; Malfierung der Erholungs-
flächen an der Peripherie, wodurch die Flächen für die alltägliche Er-
holung der großen Mafien illulorifch werden und wodurch, neben-
bei, lieh die Behauptung im „Fachblatt für Kommunalpolitik und
Kommunalwirtfchaft", daß auf den Kopf der Kölner Bevölkerung je
22,5 Quadratmeter Gartenraum entfielen, als eine geradezu un-
geheuerliche Myftifikation kennzeichnet. Um nun den befchämend
geringen fozialen Nußwert der 1650 Hektar Grünfläche fo gut es
jeßt noch gehn will zu erhöhen, (chlägt Wiepking fürs erfte vor,
die Segmente des inneren Grüngürtels, einheitlich nach beften
Siedlungsgrundläßen zu umbauen (nicht vollzubauen, wie man
mit dem Univerfitätsneubau bereits den fchlimmen Anfang macht),
fo daß diefe zur Zeit fchlaff und afozial im Stadtganzen liegenden
Flächen zu großen Gemeinfchaftsgärten difzipliniert und
fomit noch zu wahrhaft urbaner Aktivität erweckt würden. Statt dem

DER BUND DAS N

Diefer Bund ift am 17. Juni gegründet worden und hat fich am
28. Juni mit einem Vortrag von Stadtrat May über „Probleme
kultureller N e u g e f t a 11 u n g in S o w j et-R u ß I a n d" zum
erften Mal der Öffentlichkeit vorgeftellt. Bei diefem Anlaß ift das
Ziel der neuen Gründung von Stadtrat May folgendermaßen
umfehrieben worden:

„Der Bund will durch wefenfliche Veranitaltungen auf dem Wege zu einer Uni-
verfalität der Lebensauffallung in Wilfenlchaft, Kunft, Technik und Wirtlchaft
voranlchreiten, er will Menfchen aus allen Schichten der Bevölkerung zufam-
menlchlieljen, die dieles Ziel zu dem ihren machen und entfchloffen find, es
nicht bei der Zahlung eines Jahresbeitrages bewenden zu laffen, fondern
werbend und kämpfend mit uns an der Klärung der vielgeftaltigen Probleme,
die uns untere Zeit auf allen geiftigen Gebieten ftellf, mitzuwirken. Den ak-
tiven Elementen des Bundes foll in Arbeitsgemeinfchaften Gelegenheit zu
fruchtbarer Mitarbeit gegeben werden.

Wir wollen nicht ein Bund Abgeftempelter fein, nicht eine Clique, eine Ver-
einigung zur unmittelbaren Förderung perfönlicher Intereffen der Mitglieder,

Berliner Architekten für (ein fchönes und nüßliches Intereffe an
dem hundertköpfigen Problem des Kölner Städtebaus zu danken,
ließen es fich einige Herren des Kölner Gartenbauamts nicht neh-
men, den vom Kölner Verkehrsverein Geladenen in der unge-
hörigften Weife anzupflaumen, weil er auch einige fehr befchei-
dene kollegiale Einwendungen gewagt hatte gegen allzu kom-
komfortable Bepflanzung der Grüngürtel. Jatho

Die Wohnungswirtfchaft in Preufjen. Von Dr. med. h. c.
H i rt f i ef e r, preuß. Minifter für Volkswohlfahrt. Verlagsgefellfchaft
R. Müller m. b. H., Eberswalde.

Umfangreiche und detaillierte Darftellung aller in den Arbeitsbe-
reich des Minifteriums fallender Fragen des Wohnungsbaues. Die
einzelnen Teile behandeln: Die Reformbeftrebungen bis 1918,
die Einwirkung des Krieges auf die Wohnungsverforgung, die
Bekämpfung der Wohnungsnot als Staatsaufgabe, die Praxis
des Wohnungsbaus, die Technik des Wohnungsbaus, die Träger
des Wohnungsbaus. Aus einer der zahlreichen Tabellen geht z. B.
hervor, daß von den rund 186000 Wohnungen, die vom 1. Okf.
1927— 1. Okt. 28 in Preußen gebaut wurden, genau die Hälfte
von öffentlichen Körperfchaften, Gemeinden, gemeinnüßigen Bau-
gefellfchaften ufw. errichtet wurde; die andere Hälfte von privaten
Bauherren. 1920/21 war das Verhältnis noch 36% private zu 64%
öffentlichen Bauherren.Die fehrfachlichenAusführungendesBandes
find für jeden Wohnungsarchitekten und Kommunalpolitiker von
größtem Wert. Gtr.

EUE FRANKFURT

fondern unferen Zufammenfchlufj lediglich auf den Willen begründen, die
zahlreichen pofitiven Momente in unterem heutigen Geiftesleben entfchloffen
zu bejahen und aus folchen neuen Bauftotfen neue Formen des Lebens zu
gehalten."

Schon wenige Tage nach feiner Gründung zählte der Bund über
hundert Mitglieder in Frankfurt und im Reiche. Der jährliche Mit-
gliedsbeitrag beträgt 10 Mark. Wir laden hiermit alle Lefer des
„Neuen Frankfurt" zum Beitritt ein. Untere Zeitfchrift ift fein offizi-
elles Organ und wird über das Programm,die Pläne und Abfich-
ten des Bundes regelmäßig Bericht geben.

Der Vorftand befteht aus den Herren Stadtrat May (Vorfißen-
der), Dr. Gantner (Schriftführer), Dr. Salomon (Schaßmeilter)
fowie aus einem Beirat, dem die Herren Prof. Wiehert, Stadt-
rat Michel, Prof. Dreve rmann u. Prof. Schulter angehören.
Adreffe für alle Mitteilungen : Neue Mainzerftraße 37.

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