Das neue Frankfurt: internationale Monatsschrift für die Probleme kultureller Neugestaltung — 4.1930

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FREUDE AM BAUEN AUCH IN DER MALEREI

Leben und leben lallen: Die Malerei ergeht lieh heute in harm-
lofer Verlöhnlichkeit. Heitere Landlchatten, behagliche Interieurs,
geleilige Figurenkreile, bunte Perlpektiven, reizvoll arrangierte
Flächen werden bevorzugt. Man hat lympafhilchen Gefchmack,
anltändiges Können — bereit, die Heime einer guten neuen Bür-
gerlichkeit zu Ichmücken. Kunft der Verweichlichung und Vernied-
lichung, Kunltder Gemütsinflation, der „neuen Herzlichkeit". Zum
Glück trifft man auch auf Itrengere Erfcheinungen, vereinzelte
Outsider. Auf Jankel Adler, Heinrich Hoerle, Franz Seiwert in
der Rheinilchen Sezeflion, auf Egon Engerlien in einer Kollektiv-
ausltellung (Kunltltube). Allen gemeinlam ein blendklares, kri-
ftalIhartes Flächengemauer. Fläche an Fläche und dennoch weit-
räumig, ganz im Geilte neuer Architektur. Strenge, bis auf die
let}te taltbare Verarbeitung der Faktur offene Strukturen geome-
trilcher Planung, dabei belebend und plaftifch naturdurchwachlen.
Sie zeigen wie rein und gelchlollen auch eine dem Witklichen
zugängliche Malerei lein kann, wenn lie es verlteht, ihre Motive
in wenigen einfachen Formen und Farben möglichft eng der Fläche
anzugliedern, in das Gefüge dieler Fläche einzubauen. Dazu hat
lie allerdings hohe geiltige Zucht und Diltanzgefühl nötig. Tugen-
den, die gerade heute, zur Zeit der weichlten Nachgiebigkeit,
der gelellfchaftlichen und familiären Konvention in unlerer Kunlt
weniger denn je auf der Strafe liegen.

Ernst Kallai

64

JANKEL ADLER, Köln

Frau und Kind ■ Woman and child • Femme et enfant

63

OSKAR LÜTHY, Zürich
Fifche ■ Fishes ■ Poissons

65

F. W. SEIWERT, Köln
Diskussion

66

M. HOERLE, Köln
Geficht ■ Face ■ Visage

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