Das neue Frankfurt: internationale Monatsschrift für die Probleme kultureller Neugestaltung — 4.1930

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TON UND STEIN

Zwei Bildwerke von Gerhart Mareks

Fatale Bilanz der großen Ausheilung von Bildwerken in der
Berliner Secelfion. Noch immer oder fchon wieder Ichwimmf
unlere Plaltik in leichtflüffigen Erregungen der Oberfläche dahin.
Ihr impreffioniftifches Können hat bedeutenden Durchfchnitt. Doch
was loll uns dieles Können, das mehr oder weniger Nacktes von
Blut- wenn nicht Bettwärme produziert oder Seelengehauch zum
Schmelzen bringt, als fei es empfindlam gerührte Schlagfahne. Die
Vorliebe für den banalen Schein der Lebensnähe entmannt jeden
Werkftoff, der ihr in die Hände gerät, zur fpielerifchen Nachgiebig-
keit. Seine natürliche Trägheit und Schwere follen nicht in Erfchei-

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GERHART MARCKS. Hockender ■ Crouching man • Homme accroupi • Stein
Stone ■ Pierre. 1930

nung treten. Die Form lucht vielmehr Über folche Bindungen hin-
wegzutäufchen. Sie geht nicht konltruktiv, fondern illufioniltilch vor.
Tritt nicht in Spannung zur Umwelt, nimmt keinen Abftand, fondern
begnügt fich damit, Abklatfch zu fein, in bequemer Hausjacke
(ozufagen Tuchfühlung mit der Wirklichkeit zu nehmen. Wobei
zuletzt gleichgültig bleibt, ob diefe material- und formflüchtige
Schmiegfamkeit fich mondän oder proletarifch gebärdet. Sie ift
befcheidenes Surrogat.

Wenige Ausnahmen. Zu ihnen gehört Ger h art M a rcks. Ein befon-
ders feltener Fall, da er fowohl Stein wie Ton und Holz beherrfcht
und jedes Material in feiner ureigenften Weife an der Form bauen
läfjt, ohne es zu verbindlich-unverbindlichen Leichtgefälligkeiten
zurechtzuretufchieren. Er fchafft keinen diskreten Interieurfchmuck,

25 GERHART MARCKS, HALLE. Prophet ■ Prophete • Ton ■ Clay • Terre. 1929

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