I. Abschn. Geschichte des Hiobs in seinem Wohlstand, zu
Hiob hat sich also mit dem ausem
Wohlstand und Glück seines Hauses nicht
beruhiget, oder, wie gar viele Aeltern zu
thunpflegen, sich damit begnüget wie er den
Seinigen ejn ansehnliches Vermögen und
viele Güter hinterlassen möge. Denn wie
er selbst die Furcht und Gemeinschaft des
HErrn allen andern Dingen vorgezogen :
so hat er sich auch bemühet, nichteinen irrdN
schen Schatz seinen Kindern zu überliefern
sondern die selige Vereinigung mitGOtt und
dessen Segen auf dieselbe fortzupflanzen.
Ohne dieses, hielt er sie für nicht recht ver-
sorget. Er muß demnach in diesem Stück
billig als ein Muster einer geheiligten Va-
rerliebe und einer älterlichen Zärtlichkeit
Key Besorgung der Seinigen angesehen
und nachgeahmet werden.
Das Verhalten des Hiobs lehret uns
auch noch: i) was man als das gröste
Uebel zu befürchten habe ; nämlich die
Sünde. 2) Daß man sich mit der au-
serlichen Ehrbarkeit und Verhütung gro-
ber Ausbrüche der Sünden , bey sich so,
wohl als bey den Seinigen , nicht begnüg
gen , sondern eine nähere Gemeinschaft
mit dem gegenwärtigen GOtt anrichten
rmd sorgfältig unterhalten müsse. Zu
diesem Ende muß man, theils sein Herz mit
aller ersinnlichen Sorgfalt bewahren, daß
es nicht von dem HErrn abweiche, son,
dern dabey daß es nämlich dessen
Namen fürchte , erhalten werde
theils aber auch andere, besonders die
Semige , dazu anführen. z) Daß man
der grosen Gefahr zu fündigen , sonder-
lich in äuserm Wohlstand, stäts eingedenk
lebe. »Denn , wer sich läßt dünken
H Hiob, dessen Tugend
„ er stehe, der mag wohl zusehe» daß er
,> nicht falle. » i. Cor. io, 12. Allein,
dieses erfordert, in Ansehung eines jeden
selbst und der Seinigen, eine grose und ge-
wissenhafte Behutsamkeit ; in Absicht des
Gegenwärtigen und Zukünftigen , aber
auch nicht weniger viel Selbstprüfung und
Fleis der rechtmäsrgen Hebung und
Wegfchassung der begangenen Sünden.
Daß man beym Ueberfluß und in glück-
seligen Tagen , ein ungestöhrtes Gemüth
behalte , solches verdienet eben keine gro-
ss Lobserhebungen , weil unsere Natur
wenig dadurch leidet. Mann kann sich
leichtlich bereden , daß man GOtt liebe,
und ihm getreu ssy , wenn Er uns mit
Wohlthaten überschüttet. Nur allein
GOtt , dem das Innerste unsers Herzens
bekannt ist , kann alsdann ein unbetrieg-
lichcs Urtheil davon fällen. Das Ge-
heimniß dieser Beschaffenheit betrog den
Teufel selbst, da dieser Böswicht von dem
frommen Hiob sich einen so Übeln Begriff
machte. Gemeiniglich muß man die
Treue auf die Probe stellen , wenn man
versichert ssyn will, daß sie wahrhaftig
und beständig ssy. Allein in den Anfech-
tungen getrenzu verbleiben, bey den härtesten
Anfällen einen standhaften Muth zu bezeugen,
mit einem Wort , auch das gröste Kreuz von
der Hand des HErrn mit eben dem Glauben,
mit eben der Gelassenheit und Erkenntlich-
keit anzunehmen , mit welcher man die
gröste Wohlthaten von demselben ausge-
nommen hat : dieses ist das gewisseste
Merkmal einer wahren Gottesfurcht und
eines unerschrockenen Heldrumuths.
, wie wir gesehen Haben / bey glück- Beschluß
dlcsss Ab-
schnitts.
seligen Tagen schon so vollkommen war , Hat sich , durch seine Stand-
lafngkcit in der grossen Widerwärtigkeit einen noch weit herrlichem
Rühm erworben ; wie wir in dem folgenden Abschnitt sehen werden.
Zwcy-
Hiob hat sich also mit dem ausem
Wohlstand und Glück seines Hauses nicht
beruhiget, oder, wie gar viele Aeltern zu
thunpflegen, sich damit begnüget wie er den
Seinigen ejn ansehnliches Vermögen und
viele Güter hinterlassen möge. Denn wie
er selbst die Furcht und Gemeinschaft des
HErrn allen andern Dingen vorgezogen :
so hat er sich auch bemühet, nichteinen irrdN
schen Schatz seinen Kindern zu überliefern
sondern die selige Vereinigung mitGOtt und
dessen Segen auf dieselbe fortzupflanzen.
Ohne dieses, hielt er sie für nicht recht ver-
sorget. Er muß demnach in diesem Stück
billig als ein Muster einer geheiligten Va-
rerliebe und einer älterlichen Zärtlichkeit
Key Besorgung der Seinigen angesehen
und nachgeahmet werden.
Das Verhalten des Hiobs lehret uns
auch noch: i) was man als das gröste
Uebel zu befürchten habe ; nämlich die
Sünde. 2) Daß man sich mit der au-
serlichen Ehrbarkeit und Verhütung gro-
ber Ausbrüche der Sünden , bey sich so,
wohl als bey den Seinigen , nicht begnüg
gen , sondern eine nähere Gemeinschaft
mit dem gegenwärtigen GOtt anrichten
rmd sorgfältig unterhalten müsse. Zu
diesem Ende muß man, theils sein Herz mit
aller ersinnlichen Sorgfalt bewahren, daß
es nicht von dem HErrn abweiche, son,
dern dabey daß es nämlich dessen
Namen fürchte , erhalten werde
theils aber auch andere, besonders die
Semige , dazu anführen. z) Daß man
der grosen Gefahr zu fündigen , sonder-
lich in äuserm Wohlstand, stäts eingedenk
lebe. »Denn , wer sich läßt dünken
H Hiob, dessen Tugend
„ er stehe, der mag wohl zusehe» daß er
,> nicht falle. » i. Cor. io, 12. Allein,
dieses erfordert, in Ansehung eines jeden
selbst und der Seinigen, eine grose und ge-
wissenhafte Behutsamkeit ; in Absicht des
Gegenwärtigen und Zukünftigen , aber
auch nicht weniger viel Selbstprüfung und
Fleis der rechtmäsrgen Hebung und
Wegfchassung der begangenen Sünden.
Daß man beym Ueberfluß und in glück-
seligen Tagen , ein ungestöhrtes Gemüth
behalte , solches verdienet eben keine gro-
ss Lobserhebungen , weil unsere Natur
wenig dadurch leidet. Mann kann sich
leichtlich bereden , daß man GOtt liebe,
und ihm getreu ssy , wenn Er uns mit
Wohlthaten überschüttet. Nur allein
GOtt , dem das Innerste unsers Herzens
bekannt ist , kann alsdann ein unbetrieg-
lichcs Urtheil davon fällen. Das Ge-
heimniß dieser Beschaffenheit betrog den
Teufel selbst, da dieser Böswicht von dem
frommen Hiob sich einen so Übeln Begriff
machte. Gemeiniglich muß man die
Treue auf die Probe stellen , wenn man
versichert ssyn will, daß sie wahrhaftig
und beständig ssy. Allein in den Anfech-
tungen getrenzu verbleiben, bey den härtesten
Anfällen einen standhaften Muth zu bezeugen,
mit einem Wort , auch das gröste Kreuz von
der Hand des HErrn mit eben dem Glauben,
mit eben der Gelassenheit und Erkenntlich-
keit anzunehmen , mit welcher man die
gröste Wohlthaten von demselben ausge-
nommen hat : dieses ist das gewisseste
Merkmal einer wahren Gottesfurcht und
eines unerschrockenen Heldrumuths.
, wie wir gesehen Haben / bey glück- Beschluß
dlcsss Ab-
schnitts.
seligen Tagen schon so vollkommen war , Hat sich , durch seine Stand-
lafngkcit in der grossen Widerwärtigkeit einen noch weit herrlichem
Rühm erworben ; wie wir in dem folgenden Abschnitt sehen werden.
Zwcy-



