Die neue Stadt: internationale Monatsschrift für architektonische Planung und städtische Kultur — 6.1932-1933

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Das aktive Theater bringt eine neue Stuhlanordnung. Die einzelnen drehbaren
Klappstühle sind auf dem Parkett nicht parallel zur Bühne gereiht, sondern in
der Längsrichtung des Saales. So entsteht neben jedem Stuhl eine freie Pas-
sage: größte Bewegungsfreiheit und Aktivierung des Zuschauers, Entleerung
des Saales bei Gefahr in höchstens einer Minute. Jeder kann Platz nehmen oder
seinen Platz verlassen, ohne daß sein Nachbar aufsteht!

Die Wände des Saales sind mit Zuschauern besetzt, auf schmalen Rängen mit je
einer Sitzreihe.

Man sieht von sämtlichen Rangplätzen das ganze Parkett, von sämtlichen Par-
kettsitzen alle Ränge.

Die Anzahl der Ränge ergibt sich aus der Höhe des Bühnenausschnittes und aus
der Tatsache, daß die Höhe eines großen Saales in umgekehrtem Verhältnis zur
Größe der akustischen Vorteile steht.

2. Die Bühne ~~J V~

a) Von ihr verlangen wir, daß sie eine unbegrenzte Anzahl von Bühnenbildern / \
nacheinander ohne merkliche Pausen wandelt. / \
Diese Forderung ergibt, daß man das Domain des Bühnenspiels von dem Do- / \
main des Auf- und Abbaues trennt, um gegenseitige Störungen zu vermeiden. / rfT^^ \
Das aktive Theater löst dieses Problem durch die aufzugsmäßig senk- und heb- / m \gA \
baren Seitenbühnen. Nur aul Bühnenniveau vollziehen sich die Wandlungen / " smB \
und das Spiel, der Auf- und Abbau geschieht jedoch nicht auf diesem, sondern ' / \
eine Etage tiefer oder höher. Die fertigen Aufbauten werden durch aufzugs- ;,/* " l"f i:t t' I I\i\
mäßige Seitenbühnen auf Bühnenniveau gebracht und schieben sich vor den g hl Iii 4)1 *
Bühnenausschnitt. Die Montagen geschehen also auch während der Szene ohne J

Störungen des Spiels. /
Die Seitenbühnen sind zweietagig, wodurch eine fortlaufende paternoster- /
artige Wandlungsmöglichkeit entsteht. ------~i

b) Der Bühnenboden ist in Einheiten geteilt, die senk- und hebbar sind und die
normierte Breiten der Schiebebahnen in allen drei Dimensionen ergeben.

c) Von den vorgesehenen verschiedenen Drehbühnen hat die größte einen
Durchmesser von 24 Meter. Diese ist in zwei Hälften zu teilen und ebenfalls

unter- oder oberhalb Bühnenniveau aufzubauen. Sie ist in Gesamtgröße in fpö^ifji'f H hl ffi|*|V'ii}l$!i
Richtung des Zuschauers auch während der Szene vorrückbar. — "■ {• ]——]«—

d) Der Orchesterboden ist in vier Teiien zu heben und zu schwenken. Er gehört
dann zum Bühnenboden und trägt gegebenenfalls das vorgeschobene Bühnen- 1,1

bild. Grundriß im Foyer, Parkett und Bühne

e) Die Seitenwände des Proszeniums sind mit herunterklappbaren Brücken- (s. Abb. 10).
bühnen versehen, die eine räumlich-luftige Bereicherung des Spieles bringen.

f) Die Film-Projektionen geschehen von der Filmgalerie oder von der Brücke der
mechanischen Zentrale aus.

g) Für die Beleuchtung der Bühne dienen: a) die beweglichen Beleuchtungs-
türme seitlich der Bühnenöffnung, b) die Arbeitsgalerien der Bühne, c) die Be-
leuchtungsroste im Boden der Vorbühne, welche von einem Installationsgang
zu bedienen sind, d) die Brücke der mechanischen Zentrale.

Die Eingangsfront des Theaters ist eine durchgehende Glaswand. Man sieht in 3. Die Zentralisation
das Innere des Gebäudes. Foyer und Rauchzimmer sind durch Brückenterrassen
und Rednertribünen mit der Straße verbunden.

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